Böxenwolf

Böxenwolf in Krainhagen

Der Schrecken im Wolfspelz

Langeweile trägt mitunter seltsame Früchte. Gerade wenn andere zu Schaden kommen, wird von den Tunichtguten nicht selten Langeweile als Motivation  für böse Taten angegeben. Welcher Gedanke wirklich dahinter steckte, als sich vor etwa 85 Jahren ein junger Mann in Krainhagen einen Wolfspelz übergezogen und Angst und Schrecken verbreitet haben soll, ist ungeklärt. Ebenso wie die Frage, ob es den „Übeltäter“ überhaupt wirklich gegeben hat.

Heidrun Walzberg vom Arbeitskreis für Dorfgeschichte und Heimatkunde Krainhagen-Röhrkasten hat die Geschichte vom Böxenwolf vor 21 Jahren zu Papier gebracht, für das im Gartenbild-Heinz-Hansmann-Verlag erschienene Buch „Erlebtes Krainhagen“. „Den Böxenwulf (die Schreibweise variiert von Quelle zu Quelle; Anm. d. Red.) gab es, darin besteht kein Zweifel“, ist dort zu lesen, „und auch in Krainhagen-Röhrkasten hat er sein Unwesen getrieben.“ In ein Wolfsfell gehüllt soll er im Schutze der Dunkelheit Männern und Frauen aufgelauert haben und auf deren Rücken gesprungen sein, um sich ein wenig tragen zu lassen, bis er wieder in die Nacht flüchtete. Am Ende der von Walzberg erzählten Geschichte wird sogar ein Tatverdächtiger erwähnt: ein junger Mann, der bis etwa 1925 in Krainhagen auf der Ecke Südstraße-Gebrüderstraße gewohnt haben soll.

In Obernkirchen soll es auch einen Böxenwolf gegeben haben, auch „Huck-auf“ genannt. Am Bückeberg, im Stiftswald, an der Glashütte und am Rösehof soll er sein Unwesen getrieben haben. So steht es auf einer Bronzetafel an einer Skulptur, die den Böxenwolf darstellt, am Obernkirchener Rösehof. Ferner ist dort zu lesen, dass der Böxenwolf eines Nachts erwischt worden ist, und ihm von einem Meisterschmied und seinen Gesellen „eine ordentliche Tracht Prügel“ verpasst wurde. Auch hier soll es sich bei dem Böxenwolf um einen in der Nähe wohnenden Mann gehandelt haben.

Ob es sich bei den Böxenwölfen aus Krainhagen und Obernkirchen um ein und denselben handelt, ist ungewiss, genauso wie überhaupt die Existenz des Böxenwolfs. Heimathistoriker Rolf-Bernd de Groot zufolge gibt es keinen Nachweis, dass es ihn wirklich gegeben habe. Die Geschichte vom Böxenwolf dagegen ist nachgewiesenerweise weit verbreitet gewesen, bis weit über die Schaumburger Landesgrenzen hinaus. „Schon die Gebrüder Grimm erzählten vom Böxenwolf oder Huck-auf“, sagt de Groot. „Es handelt sich dabei um eine legendäre Figur aus der ,schwarzen Pädagogik‘. Sie sollte den Kindern Angst machen, damit sie abends pünktlich nach Hause kamen.“

Die Skulptur, die heute an den Böxenwolf erinnert, wurde angefertigt von Steinbildhauer Christian Meier. Auch ihm ist die Schauergeschichte seit seiner Kindheit wohl vertraut. Im Rahmen des ersten Obernkirchener Bildhauer-Symposiums 1991 nahm er die Figur als Motiv und schuf die Skulptur aus Obernkirchener Sandstein. Später schenkte er sie dann der Stadt.