Frosch quer

Die Kraft der Tiere

Rabe, Wolf & Co.: In Märchen und Sagen haben sie oft besondere Eigenschaften

In vielen Überlieferungen werden Tiere vermenschlicht. Sie können dann sprechen und sind manchmal auch selbst die Hauptakteure einer Geschichte. Dabei werden ihnen von den Erzählern besondere Eigenschaften zugeschrieben. Neben dem bösen Wolf und dem schlauen Fuchs gibt es noch zahlreiche andere Tiere, die immer wieder für die gleichen Eigenschaften stehen. Einige, die besonders häufig vorkommen, sind Hirsche und Drachen, aber auch Schlangen, Schwäne, Frösche und Raben.

Von Maike Lina Schaper

 

Wolf:

Kein anderes Tier verkörpert so sehr das Böse wie der „böse Wolf“ aus den Märchen und Sagen der Brüder Grimm. Er ist immer auf Beute und Fressen aus, aber weil er nicht so schlau ist, wie sein Verwandter der Fuchs, kann er letztendlich doch vom Guten überlistet werden.

Hirsch:

Der anmutige Hirsch steht wegen seines Geweihwechsels für Erneuerung und Fruchtbarkeit. In keltischen Mythen ist er auch oft ein Seelenführer, weil er sich im Dickicht des Waldes auskennt. Bei Hessisch Oldendorf gibt es eine Sage, die sich um das große Aussichtsplateau des Hohensteins dreht. Das Plateau wird auch "Hirschsprung" genannt, weil dort ein weißer Hirsch mit einem schwarzen Einhorn zwischen dem Geweih leben soll. Als einst Bauern versuchten, den Hirsch zu jagen, soll ihnen ein Berggeist entgegengetreten sein, der die Menschen durch ein Gewitter an den Klippen zerschmetterte

Drache:

Drachen sind die wohl eindrücklichsten aller mythischen Gestalten. Dargestellt als Mischung zwischen Reptilien, Vögeln und Raubtieren, finden sie sich in Überlieferungen aus aller Welt. Bis in die Gegenwart hinein wird das Bild des Drachen verwendet, um die Auseinandersetzung von Gut und Böse zu verkörpern. Der Held, der es schafft, einen Drachen zu töten, vollbringt eine übermenschliche Tat. In der Nibelungensage wird Siegfried durch ein Bad im Blut eines Drachen (fast) unverwundbar. Oft bewachen Drachen Schätze aus Gold oder Jungfrauen und Prinzessinen, die der Held befreien muss.

Frosch:

In Märchen sind Frösche meist unbedeutend und aufgrund ihres großen Maules gelten sie als prahlerisch. Im alten Ägypten standen sie für Fruchtbarkeit und Wiedergeburt, weil sie besonders häufig während der Nilschwemme zu sehen waren. Wie in Grimms Märchen vom „Froschkönig“ sind Frösche oder Kröten oft Menschen, die wegen begangener Sünden oder aus Bosheit verwünscht wurden. Meist können sie aber mithilfe der Menschen wieder erlöst werden. Im Gegensatz zu Fröschen sind Kröten auch mit dem Bösen verknüpft. In Grimms Märchen „Drei Männlein im Walde“ hüpfen einer bösen Frau als Bestrafung jedes Mal Kröten aus dem Mund, wenn sie ihn öffnet.

Schlange:

Schlangen gelten vor allem als schlau und hinterlistig, ist doch die Schlange Schuld daran, dass der Mensch aus dem Paradies verbannt wurde, als sie Eva dazu verführte, vom Baum der Erkenntnis zu essen. Aber die Schlange steht auch für Erneuerung, da sie fortwährend ihre alte Haut abstreift und darunter eine neue hervorkommt. Im Altertum wurde die Schlange deshalb zum Symbol der Heilkunde. Äskulap, der griechische Gott der Heilkunde, erweckte als Arzt einen Toten zum Leben und erzürnte damit den Herrscher der Unterwelt. Als Strafe musste Äskulap selbst sterben. Sein Stab, von einer Schlange umwunden, ist noch heute das Zeichen von Heilberufen.

Schwan:

Nichts gilt so sehr als Symbol für Schönheit und Reinheit wie der weiße Schwan. Im Märchen vom hässlichen Entlein des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen verwandelt sich ein schwarzes Schwanenküken, das aus Versehen bei einer Entenfamilie aufwächst, am Ende in einen Schwan, vor dessen Schönheit sich Tier und Mensch verneigen. Nach einem alten griechischen Glauben besitzt der Schwan zudem die Fähigkeit, wahrzusagen. „Es schwant mir“ wird noch heute in der deutschen Sprache verwendet, wenn jemand etwas Unangenehmes vorausahnt.

Rabe:

Schwarze Raben gehören einerseits in die Nacht und zählen damit zur dunklen Seite des Lebens, andererseits gelten sie auch als Vögel der Weisheit. Die beiden Raben des nordischen Göttervaters Odin fliegen jeden Morgen in die Welt hinaus, um sich danach rechts und links auf seine Schulter zu setzen und ihm ins Ohr zu raunen, was sie in der Menschenwelt gesehen haben. Der Rabe tritt auch als Sieges- und Todesbote auf. Sein glänzendes, schwarzes Gefieder betont den schicksalsschweren Aspekt. Als Verkünder des Unglücks wird er selbst zum Pechvogel oder Unglücksraben.