Externsteine

Selbst Goethe staunte über Externsteine

Geheimnisvoll und überirdisch schön

Karl der Große soll hier schon gewesen sein und im Jahre 772 bei seinen Bestrebungen, die Sachsen zum Christentum zu bekehren, das Heiligtum des hier lebenden Volkes, die so genannte Irmensäule, zerstört haben. Und auch der glücklose römische Feldherr Varus soll auf dem Weg in die nach ihm benannte Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9 n. Chr. an den Steinen vorbeigekommen sein.

Von Karlheinz Poll

Früher Kultstätte der Sachsen, sind die Externsteine südlich von Detmold heute ein beliebtes Ausflugsziel, das Dank vieler mythischer Geschichten eine starke Anziehungskraft auf die Besucher ausübt. Geschichtsforscher, Heimatkundler und Sagenerzähler sorgen mit immer abenteuerlicheren Berichten dafür, dass es dem Betrachter der geheimnisvollen Steine eiskalt den Rücken runterläuft. Die Externsteine am Teutoburger Wald werden sogar mit der berühmten sakralen Steinkreisanlage Stonehenge nördlich der englischen Stadt Salisbury, Grafschaft Wiltshire, verglichen. An beiden Stätten werden überirdische Kräfte in Einheit mit der Natur erwartet.

In dem im Gerstenberg Verlag herausgegebenen Buch „Mythische Orte“ berichtet Iris Schürmann-Mock von sagenumwobenen, geheimnisvollen Stätten. Eine dieser Geschichten befasst sich mit den „Rätselsteinen“, den Externsteinen im „Zauberwald“:

Es war zu der Zeit, als es noch Feen gab und Zwerge, als das Wünschen noch geholfen hat und der Stich einer Spindel ein Königreich in ein hunderjährigen Schlaf versetzen konnte. Da fiel Regen auf die junge Erde und nagte an ihrer Oberfläche Jahr um Jahr, und riesige Steine schälten sich aus ihr hervor. Und der Regen fiel weiter, rann in jede Spalte und wusch die Felsen aus. Und als er versiegte, da waren sie schrundig geworden wie das Gebiss eines uralten Riesen. Es waren 13 an der Zahl, steil und hoch, und sie wiesen gen Himmel wie mahnende Finger. Und wieder vergingen viele Jahrtausende. Da waren geheimnisvolle Zeichen und rätselhafte Figuren in ihre Wände gemeißelt wie von unbekannter Hand. Und die Menschen, die sie sahen, erkannten, dass dies ein Ort der Anbetung war, ein Ort, an dem sich Himmel und Erde berühren.

Bis heute kann sich kaum jemand der Faszination der Externsteine am Fuße des Teutoburger Waldes entziehen. „Man mag sich wehren und wenden, wie man will, man findet sich in einem magischen Kreis gefangen“, schrieb Goethe, als er zur Kur in Bad Pyrmont weilte. Seit Menschengedenken ist die zerklüftete Felsengruppe Schauplatz großer und dramatischer Ereignisse. Die meisten sind vergessen, klingen vielleicht nach in alten Geschichten und Sagen.

Hier hat Veleda geweissagt, so erzählt man sich, die Priesterin und Seherin vom Stamm der Brukterer. So klug war ihr Rat und so mächtig ihre Stellung bei den Germanen, dass selbst die Römer sie fürchteten. Denn geleitet durch Veledas Orakel gelang es dem Fürstensohn Julius Civilis an der Spitze des Bataveraufstandes, die römische Herrschaft in Gallien zu erschüttern. Nur wenigen Auserwählten war es vergönnt, die Priesterin zu sehen. Ihnen offenbarte sie ihre Prophezeiungen, damit sie sie an die Ratsuchenden weitergaben. Wie ein höheres Wesen wurde sie geachtet, berichtet der römische Geschichtschreiber Tacitus.

Doch Veleda war nicht das einzige und nicht das höchste Wesen, das an den Externsteinen in früherer Zeit verehrt wurde. Auch die Irminsul soll hier gestanden haben, der heilige Baumstamm der Sachsen. Ein Götterbild, Symbol für die Verbindung des Himmels mit der Erde, krönte die Spitze der Weltsäule. Wehe, diese Verbindung würde unterbrochen! Die Menschen zitterten vor Furcht, wenn sie nur daran dachten. Denn dann wäre das Gleichgewicht zerstört, und die Welt geriete ins Wanken. Und wirklich wankte die Welt und stürzte der alte Himmel ein, als die Soldaten Karls des Großen 772 nach der Eroberung der Eresburg in Westfalen ihre Äxte an die Säule legten und er im längsten und grausamsten Krieg seiner Herrschaft die Sachsen bezwang, ihre Götter vertrieb und den Gott der Christen an deren Stelle setzte.

So weit die noch weiterführende Geschichte von Iris Schürmann-Mock in dem Buch „Mythische Orte“.

In dem vom Hamelner Verlagshaus CW Niemeyer herausgegebenen Buch „Germanen - Hexen - Rattenfänger“ schreibt die Autorin Sieglinde Stark über den „Wackelstein“ der Externsteine:

Als in den Kämpfen zwischen Franken und Sachsen um 800 n. Chr. sich das Christentum in unserem Lande ausbreitete, ärgerte sich der Teufel sehr darüber. Er zog sich nach den heidnischen Externsteinen zurück, weil erglaubte, dass bis hierher die christliche Lehre nicht vordringen könne. Einmal war er längere Zeit unterwegs gewesen. Als er zu den Externsteinen zurückkam, fand er dort eine große Menschenmenge vor. Er sah, wie Männer und Frauen vor einem hohen Felsenbild knieten, auf dem er das Kreuz Christi erkannte. Eine Kapelle oben auf dem Felsen war voller Menschen, die beteten und andere standen an einem Felsengrab. Der Teufel war voller Wut. Und als dann noch ein Priester mit einem Kreuz aus der Grotte hervortrat, griff er sich ein großes Felsenstück und stieß es nach ihm. Doch das Kreuz hatte eine solche Macht, dass es den Felsbrocken in eine andere Richtung lenkte. Er landete oben auf dem Felsen. Der Priester sprach einen Fluch aus, der den Teufel so traf, dass er zum Felsengrab flüchtete. Er fasste es mit seinen Krallen, um es zu zerstören. Das gelang ihm aber nicht, nur seine Krallenspuren blieben zurück und sind heute noch zu sehen. Die Wut aber blieb, deshalb versuchte der Teufel nun seine Kraft am großen Felsen, um das Kreuzbild zu zerstören. Er wollte den Felsen umstürzen, doch der blieb stehen, so sehr er sich auch bemühte. Aber die Felswand hatte ein Loch bekommen. Feuer schoß aus der Erde und bräunte den Stein. Das Teufelsloch in der Wand liegt zur Seeseite hin und befindet sich heute unter der Wasseroberfläche. Bevor der Teufel wutschnaubend die Externsteine verließ, drohte er, dass sein Stein eines Tages herunterfallen und eine Frau erschlagen würde. Einige Leute hatten gehört, dass es eine Bürgersfrau aus Horn sein solle, andere meinten, es solle eine lippische Prinzessin sein. Um das abzuwenden, versuchten acht starke Männer aus Horn den Wackelstein vom Felsen zu stoßen, um ihn unschädlich zu machen. Es gelang aber nicht. Im Jahre 1815 ließ ihn deshalb die Fürstin Pauline zur Lippe mit Eisenbändern am Felsen befestigen. Er wird auch heute so gesichert. Aber teuflisch bleibt es, unter ihm hindurchzugehen.