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Unschuldig als Hexe ertränkt

Die Sage von der Blutlinde in Frank Suchlands Version

Video Sage von der Blutlinde
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Von Dorothee Balzereit

Früher wurden sie mündlich überliefert, und als die Märchen und Sagen aufgeschrieben wurden, hatten sie bei vielen Familien ihren festen Platz im Bücherschrank. Heute muss das Genre sich zwischen vielen anderen behaupten. Da haben es vor allem die Sagen nicht ganz einfach, bei deren Weitergabe weniger auf Fantasie und Stil geachtet wurde, als auf die wahrhaftige Verortung, die handelnden Personen und das detailgetreue Geschehen.

Das ist nicht selten mit einer gewissen Sprödigkeit verbunden. Wer nicht gerade historisch interessiert ist, läuft Gefahr, das Buch wieder aus der Hand zu legen – obwohl die Geschichte vielleicht im ersten Moment ganz reizvoll erschien. Wie schafft man es also, wahrhaftig zu bleiben und den Leser dennoch bei der Stange zu halten? Diese Frage hat sich auch Autor Frank Suchland gestellt. Die Antwort ist ein kleines Büchlein mit dem Namen „Der Kobold in der Mühle“. Darin erzählt der Bückeburger acht bekannte Sagen aus dem Schaumburger Land neu. Eigentlich für Kinder, doch das Buch eignet sich genausogut für Erwachsene.

Neu, das heißt für Suchland vor allem, den Sagen-Figuren ein Gesicht zu geben. In seinen Versionen haben sie Namen und Wesenszüge. Sogar ihr Äußeres wird beschrieben. Suchland lässt seiner Fantasie freien Lauf, die Grundzüge der Sage bleiben dabei stets unangetastet. Dass die (in seiner Version) 16-jährige Katharina, die in der Sage von der Burglinde von der Schaumburg als Hexe verurteilt wird, auch Anna geheißen haben könnte, lässt er in einem Nebensatz einfließen. Suchlands Buch ist bevölkert von Hexen, Riesen, Elfen und Werwölfen. Mal sind die Geschichte unheimlich, mal grausam, mal aber auch lustig, wie die Geschichte von den Schaumburger Riesen, die in der Nordsee Schiffeversenken spielen, ein Gebirge schaffen wollen und dabei aus Versehen die Rehburger und das Steinhuder Meer erschaffen, als ein Stein von der Schubkarre fällt (= Rehburger Berge) und einer der Riesen mit dem Fuß im Morast stecken bleibt ( = Steinhuder Meer).
Suchland entrümpelt die Sagen, befreit sie von sperrigem Vokabular, macht sie geschmeidiger und hilft der Fantasie ein wenig auf die Sprünge. „Ich schreibe die Geschichten so, wie ich sie selber gerne hören würde“, sagt er.

Um glaubwürdig zu bleiben, bewegt er sich im historischen Kontext. Das heißt, in seinen Geschichten essen die Leute zum Beispiel das, was damals wirklich auf den Tisch kam.
Interesse an Sagen und Märchen hat der in Kassel geborene Suchland immer gehabt. „Meine Mutter hat mir viel vorgelesen“, sagt er.
Auch die Sagen aus dem Schaumburger Land haben seine Neugier geweckt. Das Problem: „Sie waren kaum irgendwo nachzulesen und wenn, dann in sehr antiquierter Sprache.
Also machte er sich daran, das zu ändern, hat versucht, das fantastische Element zu stärken, ohne die Wahrheit zu verdrängen. Frei nach seinem Motto: „Die Unwahrscheinlichkeit im Wahrscheinlichen muss bleiben“.

Suchland, Frank: „Der Kobold in der Mühle. Die schönsten Sagen rund um das Schaumburger Land.“ Mit farbigen Illustrationen von Anne Rikta Grobe, 64 Seiten, ab 8 Jahren, ISBN 978-3-9813327-7-3, Preis: 11,90 Euro.