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Zwischen Leichen und Lachern

Komik aus Sagen soll der Abnutzung des Genres Zombiefilm entgegenwirken

Von Uwe Pernack

Das Zombie-Epos „The Walking Dead“ ist zurzeit eines der weltweit erfolgreichsten Unterhaltungsformate. Seine Fans fiebern dem in Bälde erfolgenden Start einer neuen Serien-Staffel entgegen. Gleichwohl ist eine allmähliche Abnutzung der Serie wie der des Genres Zombiefilm insgesamt zu beobachten. In einigen anderen themenverwandten Filmen und Serien wird daher versucht, mit Komik aus Sagen eine erstarrende Darstellungsform neu zu beleben.

Für Millionen Fans des Zombie-Epos „The Walking Dead“ ist es Halloween und Weihnachten in einem. Ab 22. Oktober wird die von ihnen heiß ersehnte neue Staffel der Serie ausgestrahlt. Zudem können deren Produzenten und Darsteller ein Jubiläum feiern. Die erste Folge der kommenden achten Staffel ist zugleich die 100. Folge der gesamten Serie. Dementsprechend groß ist gegenwärtig der Hype in den Medien um den ersten Auftritt, den Protagonist Rick Grimes und seine Postapokalyptiker nach der Sommerpause der Serie haben werden.

Ein Promo-Trailer nach dem anderen wird veröffentlicht. Die Jubiläumsfolge wird als etwas „ganz Besonderes“ angekündigt. Und die Hoffnung vieler Fans wird geschürt, dass nach dem eher zähflüssigen Handlungsverlauf der vorherigen Staffel der Kampf gegen den Oberbösewicht Negan nun endlich in eine entscheidende Phase tritt. Laut dem Computerblatt „Chip“ hat man über keine andere Serie in den Internetforen häufiger diskutiert. Dabei wurde auch so manches an Kritik gepostet. Die Handlung trete auf der Stelle, hieß es, und dass man nur noch Variationen des Ewiggleichen serviert bekomme, werde mit einem Übermaß an Schockeffekten und Kunstblut kaschiert.
In der Tat können alle nervenzerreißenden Gewaltorgien von Rick Grimes gegenwärtigem Widersacher Negan nicht vergessen machen, wie klischeehaft im Grunde diese Bösewicht-Figur gezeichnet ist. Ganz im Gegensatz zum unvergessenen Governor. Dieses Paradebeispiel eines psychopathischen Anführers zeichnete nicht zuletzt durch die Kunst seines Darstellers David Morrissey in vorherigen Staffeln Tiefe, Charakter und ein gewisses diabolisches Charisma aus. Mit dem Governor ist aber die Möglichkeit, einen derartigen Antihelden erneut handlungsbestimmend im Plot der Serie zu platzieren, ein für alle Mal erschöpft gewesen.

Auch die in der Serie spärlicher werdenden Zombie-Attacken reißen – trotz allen Aufwands der Maskenbildner und Requisiteure – niemanden mehr vom Fernsehsessel. Von den die Zuschauer verstimmenden, in ihrer Wirkungsabsicht allzu offensichtlichen, Cliffhangern ganz zu schweigen. Nachdem auch dem Altmeister des Zombiefilms, George A. Romero, mit seinen beiden letzten Grusel-Streifen über Untote bei den Zuschauern kein Erfolg mehr beschieden war, mehren sich die Zeichen, das dem ganzen Genre allmählich die Luft ausgeht. Ein Prozess, dem vor Jahrzehnten beinahe der Kriminalroman wie der auf ihm basierende Kriminalfilm zum Opfer gefallen wäre. Mit der Entwicklung von Subgenres wie dem des Regionalkrimis konnte man die Gattung – bis jetzt – wieder publikumswirksam erneuern.

Beim Zombiefilm hingegen versucht man seit einiger Zeit, den Abnutzungserscheinungen des Genres sowie der zunehmenden Redundanz seiner Inhalte durch einen Rückgriff auf Komik entgegenzuwirken. Zur Mutter aller dieser Bemühungen kann die 2004 erschienene Zombiekomödie „Shaun of the Dead“ erhoben werden. Wie Shaun, Held und Namensgeber der Beißer-Komödie, in seinem morgendlichen Tran durch London latscht, ohne dabei zu bemerken, dass die Themsemetropole längst von Zombies überrannt worden ist, hat Filmgeschichte geschrieben.

Was in britischem Stil und mit viel schwarzem Humor auf die Leinwand gebracht wurde, rief bald eine Folge von Nachahmungen hervor, die aber an die innovative Kreativität des Originals nicht heranreichen. Anzuführen wäre hier die amerikanische Horrorkomödie „Zombieland“ aus dem Jahr 2009. Auch Fernsehserien versuchen sich zunehmend im Crossover zwischen Leichen und Lachern, also im Spiel mit den Erwartungshaltungen, mit denen die Zuschauer an Zombiefilme herangehen. Vorreiter ist hier die ab 2009 erschienene norwegische Serie „Dead Snow“. Ob man allerdings die darin als Untote erscheinenden SS-Männer komisch finden kann oder darf, darüber kann man durchaus geteilter Meinung sein.

Ein Beispiel par excellence hingegen für eine gelungene Melange aus Horror und Komik stellt die ab 2014 ausgestrahlte Serie „Z Nation“ dar. Der äußere Rahmen wird von einer Art postapokalyptischem Roadmovie gebildet. Quer durch die Vereinigten Staaten versucht eine zusammengewürfelte Gruppe, den menschlichen Träger eines experimentellen Impfstoffes gegen Zombiebisse zu einer Forschungsstation zu eskortieren. Dort soll aus dem Blut des Probanden ein Heilmittel zur Rettung der Menschheit entwickelt werden. Auch in dieser Serie gilt es, Zombieattacken abzuwehren und Schurken zu bekämpfen. Aber all dies wird immer wieder von originellen zwerchfellerschütternden Einlagen unterbrochen. Sie kommen mal als hanebüchener Slapstick, mal als hintergründige Komik auf höchstem Niveau daher.
Meist ereignen sie sich durch oder im Umfeld von Steven „Doc“ Beck, eine der Hauptfiguren der Serie. Als Alt-Hippie, ehemaliger Psychologe und gelegentlicher Drogendealer wie -konsument ist er bestens geeignet, die in der Zombiewelt auftretenden Probleme auf eine sehr spezielle Weise zu lösen. Seriengeschichte dürfte die folgende Szene aus „Z Nation“ schreiben, die eine Sternstunde der Komik ist: Der „Doc“ hängt zwischen Leitungen gefangen in einem Luftschacht. Ihm gegenüber hängt ein beißwütiger Zombie – und wird mit dem Rauch eines Joints ruhiggestellt.

Das Instrumentarium, mit dem gegenwärtig in Zombiefilmen Komik erzeugt wird, wurde aber bereits in Sagen und in den Romanen der Schwarzen Romantik eingesetzt. Nur wies man ihm seinerzeit eine andere Funktion zu, nämlich die, religiös-moralisch zu wirken. Ihr somatischer Effekt sollte im Nerven-, nicht im Zwerchfellkitzel bestehen. Wenn zum Beispiel ein Jobst von Mengersen laut der nach ihm benannten Sage als Untoter in einem fort ein Bein aus dem Sarg streckt – selbst wenn immer wieder versucht würde, es in den Sarg zurückzulegen so sollte das in der Entstehungszeit der Sage bei ihren Lesern Angst und Schrecken hervorrufen. Und sie in Hinblick auf die von Gott über von Mengersen verhängte Strafe davor warnen, ähnliche Freveltaten zu begehen wie einst dieser. Heutzutage von der Unterhaltungsindustrie für ihre Zwecke umfunktioniert, wäre eine solche Szene lediglich ein Brüller. Oder wie „Doc“ es kommentieren würde: „Wenn ich das noch einmal sehen könnte, würde ich Geld dafür bezahlen!“