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„Alte Taufe“ – ein germanischer Opferstein?

Direkt neben dem Kammweg, oben im Deister, befindet sich zwischen dem Nordmannsturm und dem Fernsehturm ein ganz besonderer Stein, dessen Vergangenheit manche Rätsel aufgibt. Es ist die „Alte Taufe“. In dem groben Felsstein befindet sich eine Mulde, in der sich beständig das ganze Jahr über Wasser befindet. Das geschützte Naturdenkmal hatte in der germanischen Zeit ganz besondere Bedeutung.

Achim Linck

Vom Kammweg aus führt links ab, durch ein Schild gekennzeichnet, ein Weg. Nach etwa 250 Meter sieht man eine Baude und von dort aus geht unmittelbar ein schmaler Pfad zu der Taufe. Die Germanen, so ist in Geschichtsbüchern zu lesen, sollen ihn als Opferstein benutzt haben. Nach der Christianisierung wurde er angeblich als Taufbecken verwendet. Darauf deutet auch eine Geschichte hin, deren Wahrheitsgehalt jedoch nicht nachprüfbar ist. So soll ein heidnischer Adliger bei kriegerischen Auseinandersetzungen von dem Besiegten die älteste Tochter gefordert haben, die er dann auf eben diesem Stein den Göttern opferte. In einem Kampf gegen Christen war der Adlige unterlegen. Er gab seine einzige Tochter her. Bei einem der zahlreichen Kämpfe gelang es ihm, zwei Christen, Vater und Sohn, gefangen zu nehmen. Er forderte, sie sollten ihren Glauben ablegen. Die beiden verweigerten aber. So opferte er den Vater auf dem Blutstein. Als er auch den Sohn opfern wollte, hatte er aber Bedenken, weil dessen Gesicht ihn an die eigene Tochter erinnerte. Als der aber dann doch nicht vom Glauben ablassen wollte, tötete er auch ihn. Um vieles später kam eine Frau auf seinen Hof. Sie trug ein Kreuz um den Hals. Sie hatte vom Schicksal der beiden Männer gehört. Die Wut auf die Christen aber war bei dem heidnischen Adligen unermesslich. So wollte er auch die Frau opfern. Er erkannte dann aber in ihr seine Tochter und merkte nun, dass er Schwiegersohn und Enkel getötet hatte. Ihm wurde klar, dass er Christen Unrecht getan hatte und wollte nun selbst Christ werden. Die Geschichte erzählt dann weiter, dass es der Mönch Amelung von Apelern war, der dann auf eben diesem Opferstein, hoch oben im Deister, die Taufe vollzog. So soll der Stein zu seinem Namen gekommen sein. Angeblich soll danach der Stein aber niemals mehr als Tauf- oder Opferbecken benutzt worden sein. Noch heute sollen manchmal Besucher zu der „Alten Taufe“ kommen, um rituelle Handlungen vorzunehmen. Räucherstäbchen werden entzündet, und Menschen verbringen zu ganz bestimmten Zeiten die Nacht hier. Druiden sagt man hinter vorgehaltener Hand – aber genaue Angaben kann niemand machen.

Der Stein ist für Wanderer ein beliebtes Ausflugsziel – und er regt zum Nachdenken an. Manches, was historisch geschrieben oder in alten Erzählungen erwähnt wird, mag so gewesen sein. Niemand kann das mit Bestimmtheit sagen, und so umgibt die „Alte Taufe“ heute immer noch ein ungelöstes Geheimnis.