Elemente

Elementar: die Elemente

Alles Sein aus Feuer, Wasser, Luft und Erde

Von Richard Peter

„Denn die Elemente hassen das Gebild der Menschenhand“ – das kann eigentlich nur von Schiller stammen. Ist auch von ihm, aus der „Glocke“. Auch wenn Feuer, Wasser, Luft und die Erde natürlich nicht hassen. Der Dauerregen, der idyllische kleine Bächlein zu alles zerstörende Ströme anschwellen lässt oder Ätna und Stromboli Feuer aus ihrem Innern herausschießen lassen und als Lava alles versengt oder die Erde bebt und Stürme alles plattmachen, was sich ihnen in den Weg stellt: da ist kein Hass im Spiel, keine Absicht – auch nicht Bosheit.

Die Elemente reagieren sozusagen wertneutral. Wenn in Bayern, an der Mosel oder Elbe Katastrophenalarm herrscht, weil Bäche und Ströme über die Ufer treten – nichts als ein Naturereignis. Wenn Haiti nach einem Beben, das den Großteil der Bevölkerung zu einem Leben in Zelten zwingt, die dann von einem Hurrikan zerstört werden – keine Absicht. Auch nicht die Blizzards, die regelmäßig in Amerika wüten und die Menschen von allen Errungenschaften unserer Zivilisation abschneiden – keine Rache. Auch nicht die verheerenden Waldbrände oder Dürreperioden in Afrika und Australien. Es ist einfach wie’s ist. Klimawandel – auch wenn der Mensch da nicht ganz unschuldig ist: auch ohne ihn hat es Eiszeiten und Hitzeperioden gegeben. Auch ohne ihn sind die Saurier ausgestorben und nur noch in Märchen und Sagen als Drachen präsent. Atlantis ist untergegangen – und niemand weiß, wo es wirklich lag. Platon weist nach Westen. Aber von Fernost aus gesehen, wäre auch schon Indien im Westen gelegen. Alles abhängig vom Standort. Die Ostküste Amerikas liegt für uns eindeutig im Westen.

Sie hat schon viele, viele Jahre auf dem Buckel, die sogenannte „Vier-Elemente-Lehre“, die alles Sein aus den vier Grundelementen ableitet. Wobei sich Philosophen und Mathematiker weder „grün“ noch einig waren. Thales von Milet war der Ansicht, dass alle Stoffe nur verschiedene Aspekte des Urstoffs Wasser seien. Heute wissen wir – aber auch das nur These: dass alles Leben aus dem Wasser kommt. Die griechische Mythologie symbolisiert das durch die Geburt der Aphrodite aus dem Schaum der Aegaeis. Kollege Anaximenes hingegen hat die Luft für den Urstoff gehalten und Heraklit favorisierte das sich stets verändernde Feuer. Jahrtausende später dichtete Goethe: „Nur wer sich wandelt, bleibt mit mir verwandt.“

Empedokles – bereits im 5. Jahrhundert vor Christi Geburt – da war Homer, Schöpfer von Ilias und Odyssee, schon über 200 Jahre tot – erfand den Begriff der Aggregatzustände. Nichts weniger als der Beginn unserer Chemie. So ordnete Empedokles alle festen Stoffe der Erde zu, die flüssigen dem Wasser und die gasförmigen der Luft. Und die vier Elemente als ewig existierende, unveränderliche Grundsubstanzen, die durch Mischung die Vielfalt der Stoffe bilden. Aber die Götter – an die man noch glaubte und damit fürchtete – ebenfalls den Elementen zugeordnet. Ohne sie ging einfach nichts. Zeus der Götterchef auf dem Olymp stand für Feuer, seine Gattin Hera für Luft, Hades, der Gott der Unterwelt, besetzte die Erde und Nestis, alias Persephone, war für das Wasser zuständig.
Und die Elemente katalogisiert, belebt. Eingeordnet und vielfach anschaulich gemacht. Das Feuer – heiß und trocken – steht für die Sternzeichen Widder, Löwe und Schütze. Als Himmelsrichtung gilt der Süden, Michael ist der zuständige Erzengel und temperamentmäßig heißt es: cholerisch. Die Erde – ebenfalls trocken, aber kalt, hat als Sternzeichen Stier, Jungfrau und Steinbock. Die Richtung zeigt nach Norden. Von den Himmlischen gehört Uriel dazu und die Gefühlsmischung wird als melancholisch angegeben. Die Luft wird als heiß und feucht festgelegt – zu ihr gehören Zwillinge, Waage und Wassermann und der Osten gibt die Richtung vor. Raphael ist der himmlische Vertreter und sanguinisch das Grundgefühl. Kalt und feucht wird das Wasser beschrieben mit Krebs, Skorpion und Fische als Tierkreiszeichen. Ihm gehört der Westen, außerdem der Erzengel Gabriel und als Grundstimmung wird phlegmatisch behauptet.
Robert Boyle hat die Elemente – das galt bis ins 17. Jahrhundert – als Stoffe, die sich nicht weiter zerlegen lassen definiert und damit die Entwicklung von der Alchemie zur Chemie vollzogen.

Fünf Kräfte des Feuers werden aufgezählt: Hitze, Kälte, Feuchtigkeit, Luft und Bewegung. Der Begriff, vom althochdeutschen „fiur“ für Flammenbildung abgeleitet, hat auch mythologisch Bedeutung, wenn der „Heilige Geist“ zum Pfingstfest in Zungen von Feuer spricht. Auch der brennende Dornbusch als Gotterscheinung für Moses, und noch heute gelten die Osterfeuer als Sinnbild für „Auferstehung“.
Die reinigende Wirkung des Feuers war auch Grund für Hexenverbrennungen. Feuer – seine Erzeugung gilt als Kulturtechnik wie das Lesen – gab schon in Urzeiten nicht nur Wärme, Licht und bot Schutz vor Raubtieren, es ermöglichte auch, den Ton zur Keramik zu brennen und zur Schmelze von Eisen.

Feuer

 Was die Luft betrifft, sind es vier Kräfte, weil sie den Tau spendet, alles Grün hervorbringt, den Windhauch und Wärme verbreitet. Luft – dieses Gasgemisch der Erdatmosphäre aus Stickstoff und Sauerstoff – ist nichts weniger als unsere Luft zum Atmen. Sprichwörtlich heißt es: „Die Luft ist rein“ oder wahlweise „Die Luft ist raus“, dann herrscht „dicke Luft“. Ärgerlich, wenn man für jemanden „Luft ist“ oder Leute sich „in Luft“ auflösen. Manchmal bleibt einem „die Luft weg“, dann muss man „Luft holen“, während andere erstaunt „die Luft anhalten“. Verliebte vor allem leben „von Luft und Liebe“, vieles ist „aus der Luft gegriffen“ und manche produzieren nur „heiße Luft“. Kritikern wird gerne nachgesagt, dass sie etwas „in der Luft zerreißen“, währen der „Hans-Guck-in-die-Luft“ schon mal im Wasser landet.
Spitzenreiter ist das Wasser mit 15 aufgelisteten Kräften. Darunter Wärme, Luftfeuchtigkeit, es gibt Bäumen Saft, Früchten Geschmack, Pflanzen das Grün, trägt Vögel und lässt Tiere in der Wärme leben – hält eigentlich alles am Leben. Und ist eine Verbindung aus Sauerstoff und Wasserstoff – und das einzige Element, das als Flüssigkeit, Festkörper und als Gas vorkommt. Als Grundlage des Lebens ist es geradezu der Inbegriff.

Luft

Ähnlich dem Feuer wird auch Wasser eine reinigende Wirkung zugeschrieben – beispielsweise bei rituellen Gebetswaschungen vor dem Betreten einer Moschee. Im Hindu-Glauben ist es das Bad im Ganges, das für Reinigung steht. Im Christentum ist die Taufe eng mit Wasser verbunden – entweder durch Übergießen oder Untertauchen. Dazu kommen noch die Segnungen mit Weihwasser. In Sagen und Märchen ist immer wieder vom „Wasser des Lebens“ die Rede und die Kelten kannten bereits das „heilende Wasser“ vor allem in Verbindung mit Augenerkrankungen. Unsere Erdoberfläche besteht zu 75 Prozent aus Wasser und prägt entscheidend unser Klima. Fleisch besteht zu 60 bis 75 Prozent aus Wasser, die Wassermelone speichert 90 Prozent, während es Gurken und Tomaten auf 98 Prozent bringen.

Wasser

Was die Erde betrifft, besitzt sie die Kraft, wachsen zu lassen, ist teilweise im Sommer kalt und im Winter warm, kann welken lassen, bringt Keime hervor, erhält Leben – trägt einfach alles. Mit einem Durchmesser von 12 700 Kilometern und einem Alter von etwa 4,6 Milliarden Jahren ist unsere Erde der dichteste, fünftgrößte und der Sonne drittnächster Planet unseres Sonnensystems und rotiert zuverlässig rechtsläufig in Richtung Osten. Tröstlich zu wissen. Zumindest wenn wir glauben, was unsere Experten berechnet haben: Nämlich dass unsere Erde noch 500 Millionen Jahre, ähnlich wie heute, bewohnbar bleiben wird. Wobei bewohnbar vermutlich ein dehnbarer Begriff ist.

Erde