Teufel

Hexen, Teufel und Vampire

Schauergeschichten aus dem Schaumburger Land

Zu Halloween klopfen als Hexen, Teufel oder Vampire verkleidete Kinder an Türen und fordern Süßigkeiten. Geschnitzte Kürbisse und Plastikspinnen sollen für eine Grusel-Atmosphäre sorgen. Aber so richtig glaubt niemand an Geister. Oder doch? In Volkssagen aus Schaumburg und Norddeutschland wimmelt es jedenfalls nur so von Hexen, Teufeln und Untoten.

Zu Halloween klopfen als Hexen, Teufel oder Vampire verkleidete Kinder an Türen und fordern Süßigkeiten. Geschnitzte Kürbisse und Plastikspinnen sollen für eine Grusel-Atmosphäre sorgen. Aber so richtig glaubt niemand an Geister. Oder doch? In Volkssagen aus Schaumburg und Norddeutschland wimmelt es jedenfalls nur so von Hexen, Teufeln und Untoten.

Der Böxenwolf vom Bückeberg: Lange sollen werwolfartige Wesen das Schaumburger Land in Angst und Schrecken versetzt haben. Überall in der Region, von Rodenberg über Obernkirchen bis nach Krainhagen, erzählte man die Geschichte vom Böxenwolf, der Männern und Frauen im Schutze der Dunkelheit aufgelauert habe. Der Legende nach sprang das in einen „Wolfsriemen“ gekleidete Wesen hinterlistig seinen Opfern auf den Rücken, ließ sich von ihnen ein Stück tragen oder würgte sie.

Ob es den Böxenwolf tatsächlich gegeben hat, ist unklar. Heidrun Walzberg vom Arbeitskreis für Dorfgeschichte und Heimatkunde Krainhagen-Röhrkasten hat seine Geschichte für das Buch „Erlebtes Krainhagen“ aufgeschrieben. „Den Böxenwulf gab es, darin besteht kein Zweifel“, heißt es darin. Tatverdächtiger soll ein junger Mann gewesen sein, der bis 1925 in Krainhagen lebte. Dass schon die Brüder Grimm vom Böxenwolf oder Huck-auf berichtet haben, zeigt, dass die Schauergestalt bis weit über die Grenzen des Schaumburger Landes verbreitet gewesen ist. Heute erinnert eine Sandsteinskulptur in Obernkirchen an die schaurige Erzählung.

Der Brassenkopp von Rodenberg: Eine Schauergeschichte, die vor allem Kindern Angst machen sollte, damit sie nicht zu nah am Wasser spielen, das ist die Sage vom Brassenkopp. Er gehörte zu den Waterpooken, den Wasserzwergen mit unförmigen Köpfen und langen dünnen Armen. „Diese einzeln lebenden griesgrämigen Gesellen hausten alleine in ihren Flußstrecken. Erst im Dunkel der Nacht tauchten sie aus dem Wasser auf und ließen ihre unheimlichen Gurgeltöne durch die Stille der Nacht erklingen“, beschreibt Marlies Berndt, Mitarbeiterin der Museumslandschaft Amt Rodenberg, die Waterpooke im Buch „Über den Deister gehen“.

Die Begegnung mit dem Brassenkopp ging für einen Rodenberger Schulknaben nicht gut aus. Am Aueufer machten sich die Jungen einen Spaß daraus, mit langen Ruten auf die Wasseroberfläche zu schlagen und so den Brassenkopp zu ärgern. „Da ertönte plötzlich ein markdurchdringender Schrei und dicht am Ufer tauchte der Waterpooke empor“ schreibt Berndt. Der Zwerg zog den Jungen zu sich ins Wasser. Seine Leiche wurde erst am nächsten Tag gefunden.

Der Geist des Landmessers: Ebenfalls im Rodenberger Raum hat man sich die Sage vom ruhelosen Landmesser erzählt, der um Mitternacht in der Feldmark zwischen Algesdorf und Klein-Nenndorf herumgeisterte. Seine Erkennungszeichen waren ein Schlapphut und ein großer schwarzer Hund an seiner Seite. Der Legende nach soll der Mann verflucht worden sein, weil er sich beim Bau der Heerstraße von Hannover über Nenndorf nach Köln – dem Vorgänger der heutigen B 65 – von den Beckedorfer Bauern hatte bestechen lassen.

Um ihre Felder zu schützen, versprachen die Bauern dem Landmesser Geld, damit er die Route nicht durch die Feldmark von Horsten, Riepen und Beckedorf plant – das war die kürzeste Strecke nach Stadthagen –, sondern an Algesdorf vorbei führt, zum Leidwesen der Algesdorfer Bauern, die nun Acker- und Gartenland opfern mussten. Diese verwünschten den Landmesser bis in alle Ewigkeit, so beschreibt es Marlies Berndt ebenfalls im Buch „Über den Deister gehen“.

Die Hexen im Harz: Der Harz gilt seit dem 17. Jahrhundert als Versammlungsort der Hexen. In der Walpurgisnacht am 30. April tanzen sie auf dem Brocken, dem „Blocksberg“, für den Teufel. So schreibt es auch Johann Wolfgang Goethe in seiner Tragödie „Faust“. Vom Hexentanzplatz bei Thale fliegen sie auf Besen oder Mistgabeln zum „Hexensabbat“. Jene Hexe, die als letzte eintrifft, wird selbst Teil des teuflischen Festessens auf dem Brocken. Aber auch außerhalb der Walpurgisnacht kann man angeblich auf dem Harzer-Hexen-Stieg der einen oder anderen Hexe über den Weg laufen.

Der Säufer-Schreck in Bremen: Trunkenbolde leben gefährlich in Bremen. Wer mitten in der Nacht nach Hause taumelt, muss fürchten, Opfer der „Saake“ zu werden. Diese Missgestalt - eine Mischung aus Hund und Kalb - sitzt in dunklen Ecken und lauert ihren Opfern auf, um sie von hinten anzufallen und zu würgen, bis sie bewusstlos werden. Wer an Halloween in Bremen auf dem Rückweg von einer Party ist, sollte sich also gut in Acht nehmen!

Die Weiße Frau im Burgberg: Einer Sage zufolge lebte auf dem Burgberg bei Gehrden einst eine schöne Prinzessin. Ihre Beliebtheit erweckte den Neid einer bösen Hexe. Sie verwünschte das Mädchen, so dass ihr Schloss mitsamt seinen Bewohnern im Boden versank. Heute sind nur noch Mauerreste und Wallanlagen auf dem Gehrdener Berg zu sehen. Doch alle hundert Jahre kehrt die Prinzessin in der Johannisnacht zurück und wartet auf einen Prinzen, der sie von ihrem Bann befreit.

Der Geist im Bremer Ratskeller: In einer Silvesternacht im Mittelalter saß in einer Nische im Ratskeller, im sogenannten "Schwarzen Loch", der Zimmermeister Barthold. Er hatte zu viel getrunken und alles verspielt, was er besaß. Als er allein Trübsal blies, wehte ein eisiger Wind durch die Gaststube, und der Tod betrat den Ratskeller. Er forderte Barthold zum Würfelduell heraus. Am nächsten Morgen lag Bartholds Leiche im Schwarzen Loch. Da niemand es wagte, sie anzufassen, wurde die Nische kurzerhand zugemauert. Es heißt, dass zu Silvester zwischen null und ein Uhr der Geist von Barthold manchmal an die Wand klopft.

Das Geisterschiff vor Emden: Mitten in einem gewaltigen Sturm kam nachts ein Handelsschiff nach Emden. Kurz bevor es den rettenden Hafen erreichte, drohten Wind und Wellen es in die Tiefe zu ziehen. Die am Ufer stehenden Menschen schrien nach der Rettung der Seeleute, doch der Hafenwärter weigerte sich, das Wachboot herauszugeben. Er hegte einen Groll gegen den Kapitän des Schiffes, und obwohl sein eigener Sohn an Bord war, blieb er hart. Das Schiff ging unter. Bis heute sollen in stürmischen Nächten ein bläulich leuchtendes Geisterschiff vor der Küste zu sehen und die Schreie der sterbenden Seemänner zu hören sein.

Wiedergänger auf den Nordseeinseln: Auf den nordfriesischen Inseln Sylt und Amrum spukt es ganz gewaltig: Ermordete, Gotteslästerer oder auch Selbstmörder kehren als „Gonger“ in die Welt der Lebenden zurück. Ertrunkene Seefahrer überbringen ihre Todesnachricht und hinterlassen des Nachts feuchte Salzwasserspuren auf dem Boden. Sie erscheinen ihren Nachfahren der zweiten oder dritten Generation. Die Legende der Gonger wurde auch in einem Horrorfilm verarbeitet. Für Pro7 wurde „Gonger – Das Böse vergisst nie“ produziert.kcg, epd