Hohenstein Dana klein

Die mächtigste Klippe Niedersachsens

Auf dem mystischen Hohenstein

Das landschaftlich geradezu gewaltig wirkende Hohensteingebiet im westlichen Süntel gilt als das Hauptheiligtum der germanischen Sachsen und soll der Frühlingsgöttin Ostara geweiht gewesen sein. Der turmartige Felsen des sogenannten Grünen Altars sei – so heißt es – als so heilig erachtet worden sein, dass nur Priester ihn betreten durften, um ihre kultischen Handlungen zu zelebrieren. Das Volk habe aus angemessener Entfernung an dem Geschehen teilgenommen, und zwar vom südlich gelegenen Wendgeberg aus. Solch eine Vergangenheit lädt geradezu dazu ein, einen Sonntagsausflug in dieses Gebiet zu unternehmen.

Von Ingeborg Müller

Als Beweis für den Ostarakult wird eine vor 400 Jahren am Grünen Altar gefundene Tontafel mit eingeritzten Bildern und Runenschrift angesehen. Eine Nachbildung liegt in einem Marburger Museum. Angeblich sollen an der Kultstätte auch Tier- und möglicherweise sogar Menschenopfer erbracht worden sein. Der Sage nach seien die zierlichen Pfingstnelken an der Wand des Hohensteins von ihrem Blut rot gefärbt… Auch um den Hirschsprung, das große Aussichtsplateau des Hohensteins, rankt sich eine blutrünstige Sage: Ein weißer Hirsch mit einem schwarzen Einhorn zwischen dem Geweih habe hier sein Revier gehabt und Nacht für Nacht eine Kuh von den Weiden zu seinem weißen Hirschkalb geführt, um es zu säugen. Als ihn die Bauern und Hirten des Umlandes deshalb jagen wollten, soll ihnen ein Berggeist entgegen getreten sein, der mit goldenem Schwert Blitze und mit goldenem Horn einen solchen Gewittersturm erzeugte, dass die Menschen an den Klippen zerschmetterten.

Mit seiner 40 Meter tief abfallenden Steilwand ist der Hohenstein die mächtigste Klippe Niedersachsens und seiner grandiosen Aussicht wegen eines der beliebtesten Wanderziele der Region. Wie auch die Klippen des Ith besteht der Hohenstein aus Korallenoolith, einem harten und widerstandsfähigen Kalkstein aus dem Erdmittelalter. Das im Jurameer entstandene Gestein wurde zu Dolomit, nachdem Kalzium herausgelöst und dadurch sein Magnesiumgehalt relativ vergrößert wurde. Aus Dolomitgestein sind – wie es der schon Name sagt – auch die Dolomiten gebildet. Eine Wanderung zum Hohenstein ist zu jeder Jahreszeit empfehlenswert. Wir starten zu dieser Rundwanderung am Parkplatz Försterlaube nördlich von Zersen, dem ersten Wanderparkplatz im Süntel an der Straße Krückeberg – Langenfeld. Diese geht von der alten Bundesstraße 83 ab, die über Fischbeck nach Hessisch Oldendorf führt. In Zersen fahren wir zunächst in Richtung Pappmühle, dann geradeaus weiter über die Straße Zur Försterlaube. Achtung: Der große Parkplatz liegt rechts von einer scharfen Linkskurve!

Öffentliche Verkehrsmittel bringen uns nur bis Zersen. Dort hält der Bus der Linie 23 Fischbeck – Hessisch Oldendorf des Nahverkehrs Hameln-Pyrmont, der in Fischbeck Anschluss an die aus Hameln kommende Linie 20 hat.

Da wir zunächst den oben erwähnten Wendgeberg erwandern wollen, der allgemein „Wencheberg“ ausgesprochen wird, folgen wir nicht dem zum Hohenstein ausgeschilderten Weg in Verlängerung des Parkplatzes, sondern wählen jenen Wanderweg, der zwischen diesem und der heraufkommenden Fahrstraße beginnt und nahezu eben durch schönen Mischwald über den Kamm des Wendgeberges verläuft. Gelegentlich können wir nach rechts ins Wesertal schauen, beim Abstieg im großen Linksbogen hinunter ins Blutbachtal und hinüber zum mächtigen Hohenstein. Am Rand einer schönen Wiese erreichen wir das liebliche Tal, in dem wir nach links zur Baxmannquelle gehen. Über die Sage dieser Quelle berichtet eine Steinplatte neben dem hübsch gefassten Brunnen. Nach rechts könnten wir von dort direkt zum Hohenstein aufsteigen, doch wir wollen den Kamm von seiner Rückseite her erwandern und folgen daher dem Weg ins obere Blutbachtal, der rechts von der Wanderkarte beginnt. Der Name des Bachs erinnert wie der des weiter nördlich gelegenen Totentals an den erbitterten Kampf der heidnischen Sachsen unter Widukind gegen die fränkischen Soldaten Karls des Großen im Jahr 728.

Wir laufen oberhalb des Bachs entlang. Rechts steigt der Hohenstein an, jenseits des Tals zunächst der Ramsnacken mit den Klippen der Moosköpfe, später die Wand der Südwehe. Bei einer lang gezogenen Kreuzung steigen wir nach rechts an und erreichen hoch über dem Blutbach die ersten Klippen der Hohenstein-Nordseite. Oben beschreibt unser Forstweg eine scharfe Rechtskurve in den Hochwald, aus der wir jedoch nach links abbiegen.

Als ein Hamburger Mädchen verunglückte…

Bei einer Gabelung halten wir uns rechts und stoßen schließlich auf den Kammweg, der nach rechts zum Hohenstein beschildert ist. Eben verläuft jetzt dieser Wanderweg direkt oberhalb des Steilhangs mit dem schon hier atemberaubenden Blick nach Süden über die bewaldeten Vorberge des Süntelmassivs, vor allem aber hinunter zu den zerklüfteten Klippen. Von deren Gefahr berichtet der anrührende Gedenkstein für ein zwölfjähriges Hamburger Mädchen, das hier 1956 verunglückte. Am Ende der Kammwanderung erreichen wir den Grünen Altar mit der nahe gelegenen Schutzhütte und weiter den Hirschsprung, wo eine große Steinplatte mit eingeritzten Zielen das Panorama erklärt. Wenn wir uns an diesem sattgesehen haben, beginnen wir den Abstieg auf der dem Steilhang abgewandten Seite. Der sogenannte Treppenweg ist gut beschildert und bringt uns zurück zu dem Platz an der sagenumwobenen Quelle. Nach dem Hessisch Oldendorfer Ratskellerwirt Cordt Baxmann ist nicht nur sie, sondern auch die Baxmannbaude am Ende des Platzes benannt, die sich mit ihrem Kiosk an Wochenenden bei entsprechendem Wetter großer Beliebtheit erfreut. Zum Rückweg zu unserem Parkplatz gehen wir nach links an ihr vorbei und oberhalb des Tals an der Wiese entlang. Noch einmal freuen wir uns an dem Blick hinein in das untere Blutbachtal, ehe unser Wanderweg nach rechts in den Wald abbiegt und uns einen letzten Anstieg zurück zum Ausgangspunkt abverlangt.