Opferstein Hof Welsch

Kultstätte auf dem Düth

Opferstein auf dem Hof Welsch in Afferde

In Afferde, Im Bögen, auf dem Hof Welsch, liegt zwischen den beiden Bauernhäusern am Zaun, zum Düt hin, ein großer Stein, der einem Findling ähnelt. Bei genauerem Hinsehen wird erkennbar, dass der Stein behauen worden ist.

Von Hannelore Fliess

Tatsächlich liegt er verkehrt herum. Stellt man das Foto vom Opferstein auf den Kopf, wird eine schalenförmige Vertiefung mit einer Art Ablaufrinne sichtbar. Bei diesem Granitblock, der einige Zentner wiegt, soll es sich um einen Opferstein aus vorchristlicher Zeit handeln. Nach alter Überlieferung hatte er seinen Platz auf dem Düt, dessen Name, wie bekannt ist, auf den germanischen Kriegsgott Ziu zurückgeht. Auf dem Düt soll sich eine Opferstätte befunden haben, und mit einiger Phantasie kann man sich vorstellen, wie der Stein in der Mitte eines Kreises von Findlingen auf der baumlosen Dütkuppe aufgestellt, einem Priester zur Vollziehung von Tieropfern diente und wie unterhalb der Rille in einer Opferschale das Blut aufgefangen wurde. Mit der Deutung, es handele sich um einen Opferstein, liege ich gar nicht so falsch, denn, als ich einmal wieder in der „Germania“ von Tacitus gelesen habe, bin ich auf eine Stelle gestoßen, die meine Auffassung stützt. Im Kapitel über den Götterkult lesen wir in der Übersetzung: „Von den Göttern verehren sie am meisten den Merkur (Wodan oder Odin); sie halten es für geboten, ihm an bestimmten Tagen auch Menschenopfer darzubringen. Hercules (Donar) und Mars (Zio!) stimmen sie durch bestimmte Tiere gnädig (lat. Herculem et Martem concessis animalibus placant)“. Nach Auskunft eines Archäologen gibt es in Melzingen bei Uelzen ebenfalls einen „Opferstein“, der eine breite eingemeißelte Furche, eine „Blutrille“, aufweist. In seiner Umgebung wurden ein jungsteinzeitliches Feuersteinbeil, ein älterbronzezeitliches Bronzebeil und eine jungbronzezeitliche Steinaxt gefunden, die seine Datierung möglich machen. In der Fachsprache heißen solche Steine Rillensteine. Wenn man das Foto genug dreht, so dass die spitze Seite nach unten zeigt, könnte man sogar auf die Idee kommen, ein Fruchtbarkeitssymbol (ein weibliches Hinterteil) in diesem Stein zu sehen!

Im Jahre 777 wurde die Zerstörung aller heidnischen Kultstätten angeordnet. Im Zuge der Christianisierung wurde auch die Kultstätte auf dem Düt geschleift, und die Steine des alten Heiligtums wurden entweder profanen Zwecken zugeführt, wie zum Beispiel der Funktion von Prellsteinen an den Straßenecken und Brücken, oder sie wurden zerschlagen und dienten als Baumaterial.