Kixmühle

Die Sage von der Kixmühle

Als der Müller dem Teufel seine Seele verkaufte

Bei der Wiederbesiedlung des wüst gefallenen Dorfes Hiddenhausen um 1530 entstand an der Grenze zu Pyrmont, unmittelbar unterhalb des Pyrmonter Ortsteils Hagen, dort wo Meinte- und Eschenbach zusammenfließen, die Kixmühle. Der erste Müller hieß Kix und stammte aus der Kixmühle in Wüsten bei Bad Salzuflen. Das Gewerbe der Müller hatte in den vergangenen Jahrhunderten keinen guten Ruf, denn man lastete ihnen oft Kontakt mit den Mächten der Unterwelt an.

So ist es nicht verwunderlich, dass aus der Zeit der Erbauung der Kixmühle folgende Sage vom Kixmüller und dem Teufel überliefert ist: „Als der erste Kixmüller vor urdenklich langer Zeit seine Mühle erbaute, hatte er unendlich viele Mühen, denn das Gelände war dicht bewaldet. All die vielen Baumwurzeln, die Brombeerranken und das Gestrüpp nahmen kein Ende. Es war kaum zu schaffen und seine ganze Familie und viele Freunde mussten mithelfen. Als er wieder einmal Baumstücke mit seinem Pferd herausziehen wollte und ganz und gar die Kette riss, stieß er einen gotteslästerlichen, bösen Fluch aus. Seine Brüder schüttelten den Kopf und die alte Muhme (eine alte Verwandte), die sich um das Essen kümmerte, bekreuzigte sich. Abends, als sich alle zur Ruhe gelegt hatten, setzte sich der Kixmüller noch vor den eben aufgerichteten Holzschuppen, der ihm als erste Wohnstatt diente. Wie aus dem Nichts stand plötzlich ein fein gekleideter Herr vor ihm. Die Knöpfe an seinem Rock waren aus Silber und blitzten im Mondlicht. „Woher kommt ihr“, fragte der Kixmüller. „Ei Müller“, antwortete der feine Herr, „ihr habt mir heute sehr geschmeichelt, als ihr Gott mit eurem Fluch lästertet. Ich will euch gerne helfen, ja die Mühle in einer Nacht aufbauen, wenn ihr mir eure Seele verschreibt.“ Der Kixmüller wusste sofort, dass er es mit dem Teufel zu tun hatte und seine innere Stimme riet ihm, sich nicht mit diesem einzulassen. Deshalb zögerte er zunächst und wollte auf seine innere Stimme hören. Aber was hatte er davon? Wieso sollte er sich weiter so sehr quälen, wenn er es so einfach haben konnte. Was hatte er schon von seiner Seele?? So verschrieb er sie an diesem Abend dem Teufel, allerdings unter der Bedingung, über hundert Jahre alt werden zu dürfen. Das versprach der Teufel ihm, denn die Seele war ihm ja sicher.

Am anderen Morgen stand die Kixmühle fertig gebaut auf ihrem Platz und alle rieben sich verwundert die Augen. Wie war das möglich? „Das kann nur mit dem Teufel zugegangen sein“, murmelte die alte Muhme und verließ die Mühle sofort. Der Kixmüller schwieg und hatte in seiner neuen Mühle einen guten Start. Er fand aber keine Ruhe mehr. Wenn es Abend wurde, dann stand er oft lange vor der Mühle und dachte daran, dass er dem Teufel seine Seele verschrieben hatte. Wie oft hatte er ihn schon hinter sich lachen gehört… Aber der Teufel hatte ihm ja versprochen, dass er über hundert Jahre alt werden durfte. Als er dann seinen 100. Geburtstag feierte, schaute er auf ein erfülltes, aber nicht besonders glückliches Leben zurück und lachte dem Teufel ins Gesicht, als dieser in der Nacht zu ihm kam, um seine Seele zu fordern. „Meine Seele und damit mein Leben bekommst Du noch nicht, ich bin gesund und Du hast mir versprochen, dass ich über hundert Jahr alt werden darf.“ So ging es jedes Jahr, wenn der Teufel an den Geburtstagen kam, um die Seele und damit das Leben des Kixmüllers zu fordern. Dieser erfreute sich bester Gesundheit und ritt sogar noch täglich aus. Der Teufel hatte das Nachsehen und war auf sich selber ärgerlich, denn er hatte dem Kixmüller zu leichtfertig das Versprechen gegeben, über hundert Jahre alt werden zu dürfen. Da ihm das Warten schließlich zu lang wurde, ersann er eine List. Als der Kixmüller wieder einmal ausreiten wollte, inzwischen war er schon 111 Jahre alt, versteckte sich der Teufel hinter dem Holzschuppen. Im rechten Moment sprang er vor das Pferd, das vor Schreck hoch aufstieg. Der Kixmüller fiel hinten über und brach sich das Genick. Nun hatte der Teufel seine Seele, die für ewig verdammt ist…“

Das hohe Alter des hier genannten Kixmüllers bezieht sich wohl auf den Enkel des ersten Müllers, Meister Hans Kixmüller, der 1678 im Alter von angeblich 100 Jahren in Lügde verstarb.

Über die Geschichte und Entwicklung der Kixmühlen gibt es leider nur wenige Aufzeichnungen. So erfahren wir 1642, dass der Kixmüller bestraft wurde, weil er nicht regelmäßig die Kirche in Blomberg besucht hatte.

Nachdem die Grafschaft Pyrmont 1668 unter den Grafen zu Waldeck und den Fürstbischöfen von Paderborn aufgeteilt worden war, grenzte die Kixmühle an drei Länder: die Grafschaft Pyrmont, das Fürstbistum Paderborn (Lügde) und die Grafschaft Lippe, zu der sie gehörte. 1685 wurde ein erstes Inventarverzeichnis aufgestellt, nach dem ein Mehlmahl- und ein Ölmahlgang betrieben wurden. Neben dem Mühlengebäude gab es noch ein Wohnhaus, eine Leibzucht und eine Sägemühle. Nach 1745 ist die Sägemühle verfallen. Neben der Mühle, auf Pyrmonter Gebiet, stand seit 1738 das vom jüngeren Müllersohn Anton Kix erbaute Haus. Von ihm stammen die Hagener Kix ab. 1809 musste der damalige Kixmüller eigens eine Genehmigung vom damals zuständigen Hofamt in Bückeburg einholen, um die Mühle an seinen zweiten Sohn überschreiben zu können, weil sein ältester Sohn einen gelähmten Arm hatte. Der neue Müller erbaute 1815 eine weitere Mahlmühle und wollte 1824 auch eine neue Ölmühle anlegen, was das Hofamt in Bückeburg allerdings untersagte. 1843 heiratete die Tochter des Müllers Kix Hermann Wilhelm Wessel aus Istrup, womit die Namenstradition endete.

Da die Kixmühle, besonders in trockenen Sommern, unter Wassermangel litt, wurde am Ende des 19. Jahrhunderts oft auch ein Dampfkessel eingesetzt, um den Mahlbetrieb aufrechterhalten zu können. Der letzte Müller war Werner Wessel, der den Betrieb 1953 einstellte. Damit ging die Mühlentradition nach über 400 Jahren zu Ende.