Geisterjagd im Schloss Bad Pyrmont

„War da gerade was?“

Geisterjagd kann anstrengend sein. Hartmut Eggers-Welp steht der Schweiß auf der Stirn. Immerhin hat er bis eben ganz schön schleppen müssen. Acht Infrarotkameras, einen Camcorder, Fotoapparate, Thermo- und Hygrometer, elektromagnetische Feldmesser, Diktiergeräte, Lasennetze und Hunderte Meter Kabel gehören zur Ausrüstung, die vernetzt und in der Beletage und auf dem Dachboden des Museums im Schloss verteilt worden sind. „PUT“ steht in gelben Großbuchstaben auf dem T-Shirt des stämmigen Mannes und weist ihn damit als Mitglied des im ostfriesischen Rhauderfehn beheimateten „Paranormalen Untersuchungsteams“ aus, das in seiner Freizeit auf Gespensterjagd geht. An diesem Wochenende hat das siebenköpfige Team das Pyrmonter Museum im Visier und wird am Ende – so viel sei verraten – von einer „superinteressanten und erfahrungsreichen Nacht“ berichten.

Von Hans-Ulrich Kilian

„Chefermittler“ ist Peter Tiedeken. Mit dem großen, kräftig wirkenden Baumaschinenführer, so meint man, möchten auch Geister nicht unbedingt aneinander geraten. Doch Tiedeken hat vor dem Paranormalen – also vor dem, was vom Normalen abweicht – mächtig Respekt. Der 43-Jährige Ostfriese hat nach einem unheimlichen Erlebnis, als ihn unvermutet vor dem Computer etwas am Arm gepackt haben soll, sogar die Wohnung gewechselt. „Das war der Beginn und der Grund, warum ich das PUT gegründet habe“, erzählt er. 20000 Euro hat die elektronische Spezialausrüstung für die Geisterjagd gekostet, mit der er und sein Team an den Wochenenden losziehen, unterstützt von einer Firma als Sponsor.

„Wir sind auf der Suche nach dem definitiven Beweis für die Existenz des Paranormalen“, erklärt seine Mitstreiterin Mirijam Koch. Die 25-jährige Computerspezialistin aus Hannover hat schon als Dreizehnjährige unheimliche Erlebnisse gehabt. Sie ist die Klientenbetreuerin des Teams, denn jeder Hausbesitzer kann das PUT für eine kostenlose Untersuchung anfordern, wenn er glaubt, bei ihm zu Hause spukt es. Den definitiven Beweis kann das PUT zwar noch nicht vorweisen, dafür aber einige unheimliche Erlebnisse. In einem ehemaligen Kinderkrankenhaus in Oldenburg haben sie Kinder schreien hören. „Das haben wir auf Band. Das ging ganz schön unter die Haut“, erinnert sich Tiedeken.

Das Schloss Pyrmont untersucht die Gruppe aus eigenem Antrieb. „Ich habe sofort zugestimmt, als die Anfrage kam, denn ich glaube, dass es Dinge gibt, die sich nicht so ohne Weiteres erklären lassen“, so Museumsleiter Dr. Dieter Alfter, der sich für die Untersuchung grünes Licht von Stadt, Staatsbad und Landkreis geben ließ, die die Anlage nutzen. Alfter berichtete dem Team bei einer nächtlichen Führung über die Festungsinsel von der Glühbirne, die – obwohl hinter Gittern – sich immer wieder aus der Fassung drehe. „Das ist völlig unerklärlich.“ Vielleicht war es ja „Schlossgespenst Friedrich“, das den Kindern, die das Museum besuchen, so viel Spaß macht.

Es ist mittlerweile still geworden in der Beletage, die das Team für seine Untersuchung ausgewählt hat. Die Beleuchtung ist ausgeschaltet, die Infrarotkameras sind in Betrieb. Diese Nachtstunden bevorzugen Tiedeke und sein Team. Nicht etwa, weil um Mitternacht die Geisterstunde beginnt („Das ist Aberglaube“), sondern weil die Alltagsgeräusche die technischen Aufnahmen nicht stören. „Versteck Dich nicht! Wie geht es Dir?“ versucht Pascal Pivit die Geister aus der Reserve zu holen, um Antworten aus dem Jenseits aufs Diktiergerät zu bannen. Ob die Geister geantwortet haben, wird sich erst bei der Auswertung der stundenlangen Bild- und Tonaufnahmen zu Hause herausstellen. „Wir haben aber ungewöhnliche elektromagnetische Ausschläge in mehreren Räumen messen können“, so Koch „Und als wir uns in der Beletage fortbewegten, schlug das Messgerät wie wild aus.“ Stromleitungen und auch den benachbarten Fahrstuhl schließt das Team als mögliche Ursachen aus.

Dass man sie als Spinnertruppe bezeichnet, daran hat sich Tiedeken gewöhnt. Es ist ihm egal. „Die, die am lautesten lachen, kommen später heimlich mit ihren Problemen zu uns“, erzählt er. In vielen Fällen gibt es natürliche Ursachen. Dann werden aus Geisterjägern schnell Kammerjäger. Das Pyrmonter Schloss aber hat das Interesse des sympathischen Teams geweckt, das ganz bewusst die Öffentlichkeit sucht. „Im Sommer kommen wir wieder und untersuchen das Außengelände“, kündigt Koch an.

Und Dr. Alfter? Der hat fast die ganze Nacht beim PUT ausgeharrt und wartet jetzt ganz gespannt auf den Untersuchungsbericht. „Im Salon der Fürstin, da war was. Mal sehen was“, sagt er.