Hintergrund

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"Sage sieht mit anderen Augen"

Wie Erzählungen zwischen Poesie und Geschichte hin und her pendeln

Von Wilhelm Gerntrup  „Die Sage geht mit andern Schritten und sieht mit andern Augen, als die Geschichte dies thut“, schrieben 1816 die Grimm-Brüder Jakob (1785-1863) und Wilhelm (1786-1859) bei der Vorstellung ihres ersten Sammelbandes „Deutsche Sagen“. Sie (die Sagen) beinhalteten einen „gewissen Beigeschmack des Leiblichen, oder, wenn man lieber will, des Menschlichen, wodurch sie so mächtig und ergreifend auf uns wirken“. weiterlesen


Ab durchs wilde Feuer

Als man die Schweine und ihren Hirten durch die Flammenwand trieb

Von Wilhelm Gerntrup Im Fokus des mittelalterlichen Aberglaubens standen auf dem Lande nicht selten Tiere. Kein Wunder – hing doch das Wohlergehen der Menschen direkt am Wohlergehen der existenzsichernden Tiere. Um sie vor Flüchen und magischen Zaubern zu schützen, ließ man sich allerlei einfallen. So wurde zum Beispiel zu bestimmten Anlässen und Zeiten der Stall ausgeräuchert, um Krankheiten vorzubeugen. Gegen „angehexte“ Milchlosigkeit der Kühe wurde ein Kreuzdorn-Zweig über die Stalltür genagelt, Tierkrankheiten mit Osterwasser geheilt. Gebräuchlich waren in unserer Region auch die sogenannten Notfeuer. Indem man die Tiere durch die Flammen trieb, wollte man der Gefahr von Seuchen vorbeugen. weiterlesen


Aktenzeichen Rattenfänger – bis heute ungelöst

Bis heute rätseln Forscher über den Verbleib der Hamelner Kinder

Von Dorothee Balzereit Es ist ein Krimi, wie er zunächst in keinem Buche steht: Das Rätsel um 130 verschwundene Kinder in Hameln im Jahre 1284. Über den Täter gibt es nur Vermutungen, unter Verdacht steht ein Rattenfänger. Gut aussehend soll er sein, um die 30 Jahre alt, ein „Piper mit allerley Farve bekledet“ – so sagt es die Inschrift am Rattenfängerhaus. Tatort ist die Innenstadt von Hameln, in der Bungelosenstraße hat eine Augenzeugin die Kinder zuletzt gesehen, auch die Tochter des Bürgermeisters soll dabei gewesen sein. Tatwaffe ist eine Flöte, deren Melodie die Kinder am frühen Morgen des 26. Juni 1284 gebannt folgen. Kindesentführung in 130 Fällen wird dem Rattenfänger seit diesem Tage zur Last gelegt. In der Bungelosenstraße wird bis zum heutigen Tage keine Musik mehr gespielt. weiterlesen


Bei Nacht und Nebel

Eulen nach Athen zu tragen hieße, Nebel zu den Germanen zu schicken

Von Peter Weber Er hat sich seit einigen Jahren rar gemacht in unseren Breiten, der Novembernebel. Nicht dass man ihn als Autofahrer vermissen würde, verheißen doch vom Wetterdienst angekündigte „Sichtweiten unter 50 Meter“ für den morgendlichen Berufspendler nichts Gutes. Und doch ist der Nebel ein ganz eigenes, eindrückliches Phänomen, das in die Sinnenwelt des Menschen markant eingreift. Wer in Nebel gerät, kann seinen Augen nicht mehr trauen, Farben und Konturen verschwimmen auf kurze Distanz, dagegen erwacht das Ohr, registriert Töne, denen es sonst kaum Beachtung schenkt, doch eigentümlich dumpf und richtungslos verbleiben sie weiterlesen


Der Fluch der Teufelsmühlen

Düstere Sagen vom Müller und seinem entlegenen Arbeitsplatz

Von Dorothee Balzereit „Teufelsmühlen“ gibt es in Norddeutschland genauso wie in Österreich oder im Harz. Zugrunde liegt meist eine Sage, in der der Teufel einen Pakt mit dem Müller schließt. Dem werden als Motive Habsucht oder Übermut zugeschrieben, manchmal befindet sich der Müller auch in einer wirtschaftlichen Notlage. Es ist eine Form der Sage, in der ein strenger Gerechtigkeitssinn zutage tritt und in der der vom Teufel Verführte seiner vermeintlich gerechten Strafe nicht entkommt. Eine Teufelsmühlen-Sage mit einem tapferen Müllerburschen gibt es dagegen im Lipperland: Er wagt es, dem Teufel die Stirn zu bieten. weiterlesen


Der Råtzefeer vun Hamlesch

Siedelten die verschwundenen Kinder der Stadt Hameln einst in Transsilvanien? / Spurensuche in Siebenbürgen

Von Ulrich Behmann und Julia Niemeyer Wohin sind sie entschwunden? Wo sind sie geblieben? Nach den Gebrüdern Grimm sind die Kinder der Stadt Hameln nach Siebenbürgen geführt und dort aus einer Höhle hervorgetreten. Dennoch sind die 130 Frauen, Männer und Kinder bis heute wie vom Erdboden verschluckt. Was ist dran an dieser Version der Rattenfängersage? Was spricht für Siebenbürgen – und was dagegen? weiterlesen


Die Vernichtung der weisen Frauen

Seit dem Mittelalter wurden Hebammen verfolgt – weil sie Frauen Entscheidungsgewalt über ihre Körper gaben

Von Wiebke Westphal Er ist einer der ältesten Frauenberufe der Welt: Bereits seit Jahrtausenden helfen Hebammen schwangeren Frauen bei der Geburt ihrer Kinder und im Wochenbett. Doch die Geschichte dieses jahrtausendealten Wissens ist zugleich die Geschichte eines jahrtausendealten Kampfes: Seit dem frühen Mittelalter und mit zunehmender Verbreitung des Christentums wurden Geburtshelferinnen überall in Europa verfolgt, gejagt, gehängt oder verbrannt – denn sie verfügten über und verbreiteten Wissen, das Frauen die Macht gab, wenigstens zu einem kleinen Teil selbst über ihr Leben zu entscheiden. weiterlesen


Die Welt der Zauberbücher

Aus einer Zeit, als es gegen Liebeskummer und Dämonenbeschwörung noch Rezepte gab

Von Viktor Meissner Grimoires – gibt es diese Zauberbücher wirklich? Um die Frage vorwegzunehmen: Ja, es gibt sie wirklich. Grimoires sind Bücher mit „magischem Wissen“. Sie enthalten beispielsweise astrologische Regeln, Listen von Engeln und Dämonen, Zaubersprüche und Anleitungen zum Herbeirufen magischer Wesen wie Dämonen und Teufeln, aber auch Anleitungen zum Herstellen von Talismanen, Zaubertränken und Schadenszauber. Die Blütezeit dieser in den meisten europäischen Sprachen verfassten Bücher lag zwischen Spätmittelalter und dem 18. Jahrhundert. weiterlesen


Geliebter Galgenvogel

Der Ruf der Krähe ist zweifelhaft, dabei ist sie ein gewiefter Zeitgenosse

Von Gabriele Laube Kaum ein Vogel spaltet die Meinungen so wie Krähen. Städter sehen in ihnen oft nur schwarzgefiederte Störenfriede, die ihre Straßen vollkoten. Sie fürchten den krähendüsteren Himmel über den Häusern, wenn die Vögel im Winter massenhaft von der Futtersuche auf den Feldern in ihre hohen Nachtquartiere zurückkehren. Doch nur wenige beobachten die Rabenvögel so, wie es unsere Vorfahren taten. Diese zogen dabei erstaunliche Schlüsse aus deren Verhalten. weiterlesen


Gnadenlose Hexenjagd

In Rinteln wurden besonders unnachgiebige Urteile über vermeintlich gefährliche Frauen gesprochen

Von Wilhelm Gerntrup „Hexen“-Geschichten sind in vielen Volkskulturen überliefert. Dabei ging und geht es meist um mythische, mit übersinnlichen Fähigkeiten. Besonder gut kannten sich diese Zwischenwesen im Bereich Weissagung, Kräuterkunde, Wunderheilung und/oder Geburtshilfe aus. Die Bezeichnung „Hexe“ war hierzulande bis zur Einführung des Christentums unbekannt. Bei unseren heidnischen germanischen Vorfahren war von - überwiegend weiblichen - „unholden“ (nicht immer gutartigen Personen) die Rede. Die Umdeutung und Verfolgung als dämonische, gottlose Teufelskomplizinnen kam erst im Gefolge der Christianisierung in Gang. weiterlesen


Iiiih – Ratten!

Wissenswertes über Hamelns bekanntestes Sagen-Tier

Von Dorothee Balzereit Iiiiiiihh! Eine Ratte! Die Reaktion auf das fellige Nagetier mit dem langen nackten Schwanz ist hinlänglich bekannt. Auch wenn es inzwischen viele Leute gibt, die die Ratte als Haustier schätzen. In manchen Teilen der Welt genießt sie sogar einen ausnehmend guten Ruf. Doch hierzulande ist der Ekel meist groß. weiterlesen


Schnitterfest im August

Monat der Fülle / Wissenswertes über Getreide von Michel vom Berch

Von Dorothee Balzereit Der August, die Erntezeit, ist für Naturliebhaber Michel vom Berch von jeher eine schöne Zeit. Der Hochsommer, wenn die Nächte schon länger werden, und man in der Wiese liegend den besonders schönen Sternenhimmel schauen kann, ist Symbol der Fülle: Wenn die Früchte des Waldes, wie Brombeeren und Himbeeren, und auch frühe Apfelsorten sowie Schattenmorellen (Sauerkirschen) reifen: "Darauf habe ich mich immer gefreut, es gibt so viel zu probieren und zu futtern".   weiterlesen


Sehnsucht nach dem Mittelalter: MPS in Bückeburg

Romantiker von heute

Von Gabriele Laube Das Mittelalterspektakel in Bückeburg ist seit ein paar Tagen vorbei, doch für viele Mittelalterfans ist das riesige Treffen längst nicht das einzige Treffen dieser Art im Jahr. Die Leidenschaft für das Zeitalter prägt für viele eine Lebenseinstellung. Genährt wird sie fast immer von der Sehnsucht, aus dem Alltag auszusteigen. Zu entschleunigen, in Kostüme und Rollen zu schlüpfen oder spirituellen Widerhall zu finden. weiterlesen


Tanz, Glühwürmchen, tanz

Jetzt im Frühsommer haben Glühwürmchen ihren glanzvollen Auftritt

Von Gabi Laube Glühwürmchen gelten als Magiere unter den Insekten, ihre Show beginnt in der Dämmerung einer Mittsommernacht. Funkelnden Perlen gleich schwirren die Johanniskäfer auf ihrer gefährlichen Partnersuche im Garten umher. Die winzigen Geschöpfe betören mit ihrem Auftritt nicht nur ihre Braut; ihre kurze Lebensgeschichte rund um Liebe, Leid und Lust inspiriert auch Menschen zu künstlerischen Werken. Die Mythologie sagte den „Irrwischen“ nach, Unheil zu bringen. Selbst das Sterben der Popstars unter den Käfern beginnt – mit einem Leuchten.     weiterlesen


Totentanzriten des Mittelalters

Zwischen Lebenslust und Todesangst

Von Viktor Meissner Lebenslust und Todesangst – diese beiden lagen früher eng beieinander, denn der Tod war allgegenwärtig. Auf besonders faszinierende Weise drückt sich dieses Gefühl in den sogenannten Totentänzen des Mittelalters aus, die einst auf Außenmauern von Friedhöfen und Kirchen gemalt waren. Wann genau der Tod in der Kunst anfing, sich auf diese Weise auszudrücken, ist nicht mehr feststellbar. Das Motiv könnte dem alten Volksglauben, nachts würden die Seelen der Toten auf den Friedhöfen tanzen, entstammen. Auch den mittelalterlichen Pestepidemien wird großer Einfluss auf die gemalte Gratwanderung des Lebens zugeschrieben. weiterlesen


Warum wir erzählen

Menschen lieben Geschichten - weil sie der Schmierstoff der Gesellschaft sind

Von Dorothee Balzereit Dort ist sie ertrunken“, sagte meine Mutter, wenn wir an dem kleinen Teich unterhalb der Schaumburg vorbeikamen. Dem Mädchen, das man hineingeworfen hatte, habe man Wackersteine an Arme und Beine gebunden, um zu sehen, ob sie eine Hexe sei. Bleibe sie oben, sei sie eine Hexe, glaubte man früher. Das Mädchen ertrank. Zuvor hatte sie noch einen Lindenzweig in die Erde gesteckt: Wenn sie unschuldig sei, würde der Baum blühen, soll sie gesagt haben. Die Linde wurde riesig, ich bestaunte sie ehrfürchtig. weiterlesen


Wo sind nur die Hamelner Kinder hin?

Ein Fremder kam und ließ 130 junge Bürger verschwinden – auch nach 725 Jahren ist der mysteriöse Fall ungelöst

Jeder noch so abgebrühte Krimi-Kommissar müsste angesichts dieses Falles verzweifeln: 130 Personen ungeklärter Identität werden vermisst Die Hinweise auf ein Verbrechen sind vage und vom Hauptverdächtigen fehlt - abgesehen von ein paar sehr ungefähren beschreibungen - jede Spur. Die Frage, wer nun tatsächlich heute genau vor 725 Jahren als „Piper mit allerley Farve bekledet“ – so die Inschrift am Rattenfängerhaus – die Kinder aus der Stadt lockte, und wie diese dann „verloren“ gingen, gibt Forschern seit Jahrhunderten Rätsel auf weiterlesen


Zauber und Wahrheit

Vom Walnussbaum und anderen magischen Pflanzen

Von Jens Meyer Geht es um die magische Wirkung von Pflanzen, wurden aus der Mitte verschiedener Gesellschaften und in unterschiedlichen Epochen wahrhaft hübsche Geschichten geboren, die nicht immer, aber oft mit Göttern zu tun hatten; die Sagen rund um die Walnuss machen da keine Ausnahme. Wohl dem, der einen Walnussbaum in seinem Garten stehen hat, denn der bis 30 Meter hoch wachsende Riese hält nach naturwissenschaftlichem Ermessen nicht nur Ungeziefer auf Abstand, sondern steht insgesamt für die naturgegebene Weisheit. weiterlesen