Hintergrund

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Die Sage von der Kixmühle

Als der Müller dem Teufel seine Seele verkaufte

Bei der Wiederbesiedlung des wüst gefallenen Dorfes Hiddenhausen um 1530 entstand an der Grenze zu Pyrmont, unmittelbar unterhalb des Pyrmonter Ortsteils Hagen, dort wo Meinte- und Eschenbach zusammenfließen, die Kixmühle. Der erste Müller hieß Kix und stammte aus der Kixmühle in Wüsten bei Bad Salzuflen. Das Gewerbe der Müller hatte in den vergangenen Jahrhunderten keinen guten Ruf, denn man lastete ihnen oft Kontakt mit den Mächten der Unterwelt an. weiterlesen


Hexen, Teufel und Vampire

Schauergeschichten aus dem Schaumburger Land

Zu Halloween klopfen als Hexen, Teufel oder Vampire verkleidete Kinder an Türen und fordern Süßigkeiten. Geschnitzte Kürbisse und Plastikspinnen sollen für eine Grusel-Atmosphäre sorgen. Aber so richtig glaubt niemand an Geister. Oder doch? In Volkssagen aus Schaumburg und Norddeutschland wimmelt es jedenfalls nur so von Hexen, Teufeln und Untoten. weiterlesen


Starkes Aschenputtel

Die Geschichte eines Mädchens, das sich zu helfen weiß

Von Dorothee Balzereit Aschenputtel steckt in jedem von uns. Egal, ob Mann oder Frau. Darin sind sich die Psychoanalytiker einig. Und dass das tugendhafte Mädchen, erniedrigt von der Stiefmutter und garstigen Schwestern, gar nicht so unschuldig ist, wie es glauben machen möchte, mag manchen erschüttern. weiterlesen


"Sage sieht mit anderen Augen"

Wie Erzählungen zwischen Poesie und Geschichte hin und her pendeln

Von Wilhelm Gerntrup  „Die Sage geht mit andern Schritten und sieht mit andern Augen, als die Geschichte dies thut“, schrieben 1816 die Grimm-Brüder Jakob (1785-1863) und Wilhelm (1786-1859) bei der Vorstellung ihres ersten Sammelbandes „Deutsche Sagen“. Sie (die Sagen) beinhalteten einen „gewissen Beigeschmack des Leiblichen, oder, wenn man lieber will, des Menschlichen, wodurch sie so mächtig und ergreifend auf uns wirken“. weiterlesen


...und dazu ein Einhorn

Fantasy-Autor Kai Meyer spricht über Sehnsüchte, Tolkien und die Ratten von Hameln

Kai Meyer ist einer der bekanntesten Fantastik-Autoren in Deutschland. Im Jahr 1995 veröffentlichte er den Roman Rattenzauber - ein unheimlicher Roman, der die Sage vom Rattenfänger neu erzählt und mystische mit historischen Elementen auf ansprechend gruselige Art vermengt. Inzwischen hat Meyer, der 1969 in Lübeck geboren wurde, über fünfzig Romane veröffentlicht, Übersetzungen erscheinen in dreißig Sprachen. Seine Geschichten wurden als Film, Hörspiel und Graphic Novel adaptiert und mit Preisen im In- und Ausland ausgezeichnet. Wir haben mit ihm über die Liebe zu fantastische Welten, Sehnsucht und Realitätsflucht gesprochen. weiterlesen


Agna kehrt heim

Der Rattenfänger in der Steppe Kasachstans

DAAD-Studenten aus aller Welt haben die Sage vom Rattenfänger weitererzählt. Befreit von Vorbehalten und Deutungshoheiten haben sie aus der Sage fantastische Märchen entstehen lassen. Und haben dabei keinen Gedanken daran verschwendet, was historisch möglich war und was nicht, sondern ihrer Fantasie freien Lauf gelassen. Eingeladen wurden sie dazu von der Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe und dem DAAD. Für die Rattenfängersage hatte Hoppe, die in Hameln geboren ist, einen Einstieg beigesteuert. Gemeinsam ist vielen Geschichten, dass der Rattenfänger und/oder die Kinder in den Ländern der jeweiligen Autoren stranden, dort Abenteuer erleben und Aufgaben gestellt bekommen. Nur manchmal findet ein Kind den Weg nach Hameln zurück. Aus den beiden dicken Ordnern, bei Felicitas Hoppe in Berlin landeten, musste sie die besten 20 von 196 Geschichten auswählen. Das sei so gut wie unmöglich gewesen, sagt Hoppe, und zwar vor allem, weil die Verfasser furchtlos zu Werke gegangen seien. In der FAZ wurde 18 Geschichten veröffentlicht. Von diesen 18 wiederum haben wir drei ausgewählt. Hier das Märchen aus Kasachstan. weiterlesen


Aktenzeichen Rattenfänger – bis heute ungelöst

Bis heute rätseln Forscher über den Verbleib der Hamelner Kinder

Von Dorothee Balzereit Es ist ein Krimi, wie er zunächst in keinem Buche steht: Das Rätsel um 130 verschwundene Kinder in Hameln im Jahre 1284. Über den Täter gibt es nur Vermutungen, unter Verdacht steht ein Rattenfänger. Gut aussehend soll er sein, um die 30 Jahre alt, ein „Piper mit allerley Farve bekledet“ – so sagt es die Inschrift am Rattenfängerhaus. Tatort ist die Innenstadt von Hameln, in der Bungelosenstraße hat eine Augenzeugin die Kinder zuletzt gesehen, auch die Tochter des Bürgermeisters soll dabei gewesen sein. Tatwaffe ist eine Flöte, deren Melodie die Kinder am frühen Morgen des 26. Juni 1284 gebannt folgen. Kindesentführung in 130 Fällen wird dem Rattenfänger seit diesem Tage zur Last gelegt. In der Bungelosenstraße wird bis zum heutigen Tage keine Musik mehr gespielt. weiterlesen


Alle Dinge sind Gift

Vor allem Frauen wussten das zu nutzen

Von Richard Peter Gift und Frauen, das gehört schon immer zusammen. Warum das so ist? Ganz einfach: Weil sie von jeher ein enge Beziehung zu Kräutern hatten. In der Gemeinschaft war es ihre Aufgabe, sie zu sammeln. Sie waren es, die zwischen essbar und giftig unterschieden und Pflanzen als Heilmittel einzusetzen wussten. Nicht von ungefähr galten Kräuterfrauen als Hexen. Später landeten sie für ihr Wissen oftmals auf dem Scheiterhaufen. Angst spielte wohl eine Rolle. Und tatsächlich war der Giftmord eine sehr weibliche Methode, um sich zu wehren. Oder schlicht, um jemanden loszuwerden. Ein Blick in die Giftküche. weiterlesen


Als auf dem Berg die Riesen hausten

Von Wilhelm Gerntrup Ob Gewitterblitz, Orientierungssinn der Fledermäuse oder soziales Zusammenleben der Ameisen – die moderne Naturwissenschaft liefert für (fast) alles eine logische Erklärung. Was die Leute früher in Angst, Schrecken oder andächtiges Staunen versetzte, lässt sich heute als Folge und Ergebnis evolutionärer Entwicklungsprozesse nachweisen. Das war zur Zeit unserer Großväter und Urgroßmütter noch anders. Für sie war das Geschehen zwischen Himmel und Erde noch mit wundersamen und phantasievollen Vorstellungen verbunden. Eine gewichtige Rolle in den Erklärungsversuchen spielten Riesen und Zwerge. Die Kunde von deren Wirken gehörte einst zum Pflichtunterrichtsprogramm der Schulen. weiterlesen


Angst vorm Roggenwolf

Streifzug durch die bizarre Welt der Getreidegeister

Von Wilhelm Gerntrup „Nu kümmt hei boule rut“ („Jetzt kommt er bald raus“), murmelten die Schnitter besorgt, wenn es auf das Ende des Getreidefeldes zuging. Bald würden sie den „Roggenwolf“ vor sich haben, der bis dato Stück für Stück vor den Sensen oder Sicheln schwingenden Männern zurückgewichen war. Man wusste nie, wie das unheimliche Tier-Wesen auf die Zerstörung seines Lebensraumes reagieren würde. weiterlesen


Auf Höhlentour

Der Entdecker der Schillat-Höhle erzählt

Von Annette Hensel Nebelschwaden machen sich bei klirrender Kälte im Süntel breit - ein Wetter das Hartmut Brephol liebt und bei dem er gerne unterwegs ist. Doch eines Tages stockt ihm der Atem, als unerwartet ein Mensch im Wald auftaucht, der auf den ersten Blick „wild aussieht“, weil seine Konturen im Nebel nicht scharf erkennbar sind. Diese Begegnung wäre idealer Stoff für die Brüder Grimm gewesen ... weiterlesen


Aus dem Herzen eines Riesen

Um die Süntelbuche ranken sich Sagen und Erzählungen

Von Barbara Jahn-Deterding Sie ist eine weltweite Rarität, ein Wunder der Natur, die rotblättrige Süntelbuche. Ein Exemplar dieser Buche, inzwischen etwa 40 Jahre alt, gedeiht prächtig auf einer Wiese am Parkplatz Kreuzsteinquelle oberhalb der Pappmühle bei Zersen. Die knorrigen Bäume mit den verdrehten Ästen haben botanische Namen wie Tortuosa, Suentelensis oder Suntalensis. Im Volksmund entstanden Namen wie Hexenbuche, Schirmbuche, Krüppelbuche, Struwwelpeterbuche oder Schlangenbuche für die ungewöhnlichen Bäume. Ob rotblättrig oder nicht, man erzählt über sie viele Sagen und Geschichten. weiterlesen


Aus dem Reich des Teufels

Die Kraft, die stets das Böse will

Von Cornelia Kurth Der Teufel hat so viele unterschiedliche Gesichter wie das Böse. Mal ist er ein hässlicher Kerl mit Gaunertricks, dann wieder erscheint er als mächtiger Dämon. Er macht sich an Menschen in Not ebenso heran wie er mit den Reichen und Herrschenden im Bunde steht. Für die Christen ist er das personifizierte Böse und Ursache für das Böse in der Welt, in Islam und Judentum dagegen dient der Teufel Gott, indem er die Frömmigkeit der Menschen auf die Probe stellt. Für manche umschwebt ihn die heroische Aura eines gefallenen Engels, und andere, wie etwa der Dichter Moliere, machen ihre Scherze: „Der Himmel dürfte aus klimatischer Sicht angenehmer sein als die Hölle“, sagt er. „Allerdings vermute ich, dass die Hölle in gesellschaftlicher Hinsicht weit interessanter ist.“ weiterlesen


Aus der Zeit der Riesen

Von wilden Kerlen aus Sagen und Märchen

Von Richard Peter Sie sind nun mal XXL, die Riesen, waren es zumindest – und jetzt so gut wie ausgestorben. Unser Nowitzki ist nur noch ein müder Abklatsch. Aber schlicht und sagenhaft: Kein Weserbergland ohne Riesen. Als diese nämlich den Harz mit dem Brocken auftürmten und dazu vom Meer in riesigen Karren den Sand holten, tropfte beim Transport immer wieder Material aus dem Gefährt, so dass daraus das Bergland an der Weser erwuchs. Das ist zwar geografisch schwer nachzuvollziehen, ein bisschen seltsam allemal und außerdem ein ziemlicher Umweg: Warum tropfte es nicht schon in der Heide Hügel und Bergzüge? Aber was soll’s, vielleicht waren die so massig-massiven Kerle angetan von unserer Gegend oder kannten hier ein Fräulein Riese, dass sie den Umweg gerne in Kauf nahmen. weiterlesen


Bauernweisheiten von gestern

Morgengrau gibt Himmelblau und anderes Wetterwissen

Von Wilhelm Gerntrup Er wird gern als „Bibel des Aberglaubens“ bezeichnet: der Hundertjährige Kalender. Ein Teil der der Bauernweisheiten im „immerwährenden Kalender“, wie er auch gern genannt wird, habe Hand und Fuß, sagen dagegen Fachleute. Der Grund für die vielen Bauernregeln ist einfach: Für unsere Vorfahren war das Wetter existenziell. Entsprechend wurde versucht, langjährige Erfahrungen in allgemeingültige Deutungen zu verpacken. Viele davon haben sich bis heute gehalten. Die bekannteste dreht sich wohl um den Siebenschläfer: So wie das Wetter am 27. Juni ist, wird es auch in den folgenden sieben Wochen, heißt es. Auch der Glaube dass die sogenannten „Rauhnächte“ eine besondere Bedeutung haben, ist verbreitet. So wie die zwölf Tage zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar, bestimmen das Wetter für die nächsten zwölf Monate des bevorstehenden Jahres, so der Glaube. weiterlesen


Begegnung mit dem Baxmann

Der Süntelgeist spukte noch vor 100 Jahren

In der Gegend von Hessisch Oldendorf werden noch heute zahlreiche Begebenheiten erzählt, bei denen der ruhelose Baxmann sein böses und niederträchtiges Spiel getrieben hat. In den Wäldern rund um den Hohenstein habe er immer wieder Wanderer erschreckt und vielfach sogar umgebracht. Dass der Baxmann sogar noch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts im Süntel sein Unwesen trieb, davon berichtet Konrad Buddensiek aus Völkerhausen: Es war sein Großvater, der Weber Wilhelm Buddensiek aus Bensen, dem der Baxmann einst einen üblen Streich spielte. weiterlesen


Bei Nacht und Nebel

Eulen nach Athen zu tragen hieße, Nebel zu den Germanen zu schicken

Von Peter Weber Er hat sich seit einigen Jahren rar gemacht in unseren Breiten, der Novembernebel. Nicht dass man ihn als Autofahrer vermissen würde, verheißen doch vom Wetterdienst angekündigte „Sichtweiten unter 50 Meter“ für den morgendlichen Berufspendler nichts Gutes. Und doch ist der Nebel ein ganz eigenes, eindrückliches Phänomen, das in die Sinnenwelt des Menschen markant eingreift. Wer in Nebel gerät, kann seinen Augen nicht mehr trauen, Farben und Konturen verschwimmen auf kurze Distanz, dagegen erwacht das Ohr, registriert Töne, denen es sonst kaum Beachtung schenkt, doch eigentümlich dumpf und richtungslos verbleiben sie weiterlesen


Beltane - die schönste Zeit im Jahr

Druide Michel vom Berch erläutert, was Löwenzahn, Gundermann und Gamander Ehrenpreis kann

Beltane, Walpurgis, Maifeiertag: Vom 30. April auf den 1. Mai wird die Ankunft des Frühlings gefeiert – wild und ausgelassen, Beltane kann zweifellos als das erotischste aller heidnischen Feste bezeichnet werden. Am tollsten treibt man es der Sage nach auf dem Brocken im Harz. Vom Hexentanzplatz in Thale reiten die Hexen auf Besen, Mistgabeln, Schweinen oder Böcken zum Hexensabbat auf dem Brocken. Zuvor reiben sie sich mit “Hexensalbe” ein, die aus den narkotisierenden Stoffen von Tollkirsche, Nachtschatten und Schierling gewonnen wird. Dort tanzen sie im Kreis mit dem Rücken zueinander um das Feuer herum und küssen anschließend dem Teufel den Hintern, heißt es. Dann lassen sie sich mit dem Teufel vermählen, worauf dieser die Hexen mit dem sogenannten Hexenmal zeichnet und ihnen die Fähigkeit zur Zauberei gibt. weiterlesen


Briefwechsel zweier Sagengestalten

Was sich Jobst von Mengersen und Jobst Asche von Wettberg schrieben

Von Dorothee Balzereit Auf der Suche nach Material zur Hessisch Oldendorfer Familie Baxmann hat Baxmann-Forscher Uwe Pernack eine Entdeckung: gemacht: Statt der für seine Arbeit erhofften Briefe und Notate stieß er auf Handschriften aus dem frühen 17. Jahrhundert. Unter den Dokumenten, die heutzutage rar und kaum noch zu erwerben sind, ist ein Schriftstück, das es Pernack angetan hat. Es handelt sich um eine Schuldverschreibung aus dem Jahr 1616 zwischen Jobst von Mengersen und Jobst Asche von Wettberg. Sie dokumentiere die Bedingungen für Hypothekenverträge, wie sie einst der Landadel untereinander geschlossen habe. Und sie erzählen von der Verbindung zweier Männer, die von der Nachwelt zu Sagengestalten gemacht wurden. „Dass zwei historische Personen, die beide das Vorbild zu einer Sage lieferten, miteinander korrespondierten, dürfte in der Geschichte der Sagenbildung wohl einmalig sein“, so Pernack. weiterlesen


Das Antlitz des Hohensteins

Kultische Landschaft

Von Dr. A. Meier-Böke Es hat einer gesagt, das Antlitz des Hohensteins sei das einer Sphinx, deren weißes Jurahaupt in den Westen blicke, wobei der Süntel das östlich gelagerte massige Hinterteil hergebe. Immer wieder, wenn ich von Hessisch-Oldendorf die Münchhausenallee hinansteige oder am Weserangerbach oder den Grünen Weg von der Schaumburg herkomme und die aufgehobene Felsenstirn über den Schluchttiefen erblicke, will mir scheinen, als liege ein leiser Spott um die versteinerten Züge, eine verhaltene, gleichsam lächelnde Ironie, gegründet im Bewußtsein einer Überlegenheit, die das Zeitlose stets gegenüber dem Zeitbedingten besitzt. weiterlesen


Das Blut färbte den Quellbach rot

Sagenumwobene Schlacht am Hohenstein: Wie kam der Blutbach zu seinem Namen?

Von Wiebke Westphal Dunkle Täler und Schluchten, Höhlen und Wasserfälle, ein Felsplateau, auf dem heidnische Gottheiten verehrt wurden, Ortsbezeichnungen wie Grüner Altar oder Teufelskanzel: Die Gegend rund um den Hohenstein ist wie gemacht für Heldengeschichten. Genau hier soll im 8. Jahrhundert ein ganz besonders blutiges Gemetzel stattgefunden haben … weiterlesen


Das böseste aller Tiere …

Blutrünstige Bestie? Wie der Wolf zu seinem üblen Ruf kam und vom Jäger zum Gejagten wurde

Von Wiebke Westphal Im Märchen frisst er kleine Mädchen und Großmütter, in den Nachrichten reißt er Schafe: Der Wolf hat ein „böses“ Image, nicht erst seit den Brüdern Grimm. Doch wie kam das in der Antike verehrte Tier zu seinem schlechten Ruf? Warum wurde der Wolf in Deutschland ausgerottet? Und was ist dran am Bild der blutrünstigen Bestie? weiterlesen


Das Halloween der Kelten

Samhain - eine Nacht zwischen den Welten

Von Dorothee Balzereit The Grateful Dead – manch einer denkt dabei vielleicht an die US-amerikanischen Hippie-Rocker, die im San Francisco der 60er Jahre Teil einer breiten Gegenkultur waren, die sich im LSD-Rausch gern in fantastischen Zwischenwelten bewegte. Der Name ist Zufall, ein Bandmitglied tippte einst auf einen Begriff in der Encyclopedia Britannica, und dennoch scheint er überaus gut zu passen: Denn im Glauben der Kelten waren die dankbaren Toten, so die Übersetzung, die Geister der Ahnen, die in der Samhain-Nacht (Halloween) die Grenze ihres Reichs überschritten, sich für kurze Zeit als Geister in den Maskenträgern verkörperten und die milden Gaben der Lebenden entgegennahmen. weiterlesen


Das hat Dir der Teufel gesagt!

Rumpelstilzchen – eines der populärsten Grimm-Märchen

Von Richard Peter Ach, hätte er bloß nicht den Mund so voll genommen – oder die Geschichte nach ein paar Bierchen in der Kneipe erzählt. Dort weiß man, was man von so was zu halten hat – von einem Vater mit einer hübschen Tochter, auf die er zu recht stolz ist und gerne drauflosschwadroniert. Aber der Großkotz musste ja unbedingt vor dem König renommieren und behaupten, dass seine Tochter Stroh zu Gold spinnen könne. Vielleicht hatte er ja gehofft, Majestät würde ihn um sein Töchterchen beneiden und ihn beglückwünschen. weiterlesen


Das Jahresrad der Kelten

Acht magische Zwischenzeiten

Von Dorothee Balzereit Sagen und Mythen sind ein Spiegel der Kultur. Im Gegensatz zu Märchen, die in einer zauberhaften aber zugleich abstrakten Welt spielen, sind sie stark beeinflusst von der umgebenden Natur. Ihr Werden und Vergehen haben unsere Vorfahren genau beobachtet. Das Jahr wurde mit einem achtspeichigen Rad gleichgesetzt, das sich um die eigene Achse dreht. Alle zwei Monate begann ein neuer Abschnitt und es wurde ein bedeutungsvolles Fest gefeiert – mal der Sonne, mal dem Mond zugeordnet. Der Übergang wurde als magische Zeit empfunden, in denen schöpferisches Chaos herrschte und die Grenzen verwischten: Geister und Götter traten mit den Menschen in Kontakt - Zeit, sich tief zu erinnern und fallen zu lassen. Ein Blick auf diese magischen Zwischenzeiten hilft zu verstehen, von welchen Elementen viele Sagen und Bräuche – in der Folge auch christliche – Riten und Feste beeinflusst sind. Ein Überblick. weiterlesen


Der Fluch der Teufelsmühlen

Düstere Sagen vom Müller und seinem entlegenen Arbeitsplatz

Von Dorothee Balzereit „Teufelsmühlen“ gibt es in Norddeutschland genauso wie in Österreich oder im Harz. Zugrunde liegt meist eine Sage, in der der Teufel einen Pakt mit dem Müller schließt. Dem werden als Motive Habsucht oder Übermut zugeschrieben, manchmal befindet sich der Müller auch in einer wirtschaftlichen Notlage. Es ist eine Form der Sage, in der ein strenger Gerechtigkeitssinn zutage tritt und in der der vom Teufel Verführte seiner vermeintlich gerechten Strafe nicht entkommt. Eine Teufelsmühlen-Sage mit einem tapferen Müllerburschen gibt es dagegen im Lipperland: Er wagt es, dem Teufel die Stirn zu bieten. weiterlesen


Der Graf und die Wichtelfrau

Von Seitensprung und Zauberbann

Die Paschenburg ist keine Burg, Adelige gab es dort nie und trotzdem kommt ein Graf in der Sage von der „Wichtelfrau von der Paschenburg“ vor. Das klingt alles verworren, ist aber Teil einer besonderen Geschichte des Hauses ganz in der Nähe der Schaumburg. weiterlesen


Der heilige Gral

Die Geschichte des Eversteiner Adels auf der Burg Polle

Von Thomas Thimm Diese Geschichte hat Geschichte geschrieben: Es geht um den großen Barbarossa, um Königsmacher, die Wittelsbacher, Staufer und Welfen, um Tempelritter, den Löwen als Wappentier und einen Klosterkelch aus Silber und Gold, sozusagen den „Heiligen Gral von der Weser“.Es ist sehr, sehr viel Wasser die Weser hinabgeflossen, seitdem dies alles passiert ist: Rund 300 Jahre nach Karl dem Großen, dessen Christianisierung und den Sachsen-Kriegen beginnt die große Zeit des berühmten Rotbartes: Friedrich I. Barbarossa gehört zum Adelsgeschlecht der Staufer. Quasi in seinem Windschatten erlebt Mitte des 12. Jahrhunderts auch das Geschlecht der Eversteiner einen glanzvollen Aufstieg. Der Ursprung des Grafengeschlechtes liegt im Dunkel der Geschichte, aber über das Kloster Fulda werden die Eversteiner eines Tages in Hameln Vögte des Bonifatiusstiftes. Die Edelherren und Grafen nennen sich nach den Burgen auf dem Großen und Kleinen Everstein in Amelungsborn, ihren ursprünglichen Stammburgen unweit der Weser. weiterlesen


Der Porzellanformel auf der Spur

Wie ein Wirtschaftskrimi: Wie aus einer herzoglichen Idee die erfolgreiche Manufaktur Fürstenberg wurde

Von Dorothee Balzereit Edles, weißes Porzellan hat eine lange Geschichte, die bis ins alte China reicht. Dort wurde es wahrscheinlich schon im 6. Jahrhundert hergestellt. Wie, das hielten die Chinesen geheim. In Deutschland versuchten „Arkanisten“ ab dem späten 13. Jahrhundert das Geheimnis zu lüften. So, wie die Alchemisten nach der Formel zum Goldmachen suchten, waren die Arkanisten dem Geheimnis des Porzellans auf der Spur. Einer von ihnen war Johann Christof Glaser, der für  in Wolffenbüttel die Porzellanfabrik in Fürstenberg zum Erfolg führen sollte. Doch bis das erste reinweiße, heute überaus erfolgreiche Porzellan hergestellt werden konnte, sollte es ein steiniger Weg werden: Es vergingen Jahre bis man herausfand, dass Glaser ein Betrüger war. weiterlesen


Der Rattenfänger als Zauberer Sæmundur

Die Sage als isländisches Märchen

DAAD-Studenten aus aller Welt haben die Sage vom Rattenfänger weitererzählt. Befreit von Vorbehalten und Deutungshoheiten haben sie aus der Sage fantastische Märchen entstehen lassen. Und haben dabei keinen Gedanken daran verschwendet, was historisch möglich war und was nicht, sondern ihrer Fantasie freien Lauf gelassen. Eingeladen wurden sie dazu von der Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe und dem DAAD. Für die Rattenfängersage hatte Hoppe, die in Hameln geboren ist, einen Einstieg beigesteuert. Gemeinsam ist vielen Geschichten, dass der Rattenfänger und/oder die Kinder in den Ländern der jeweiligen Autoren stranden, dort Abenteuer erleben und Aufgaben gestellt bekommen. Nur manchmal findet ein Kind den Weg nach Hameln zurück. Aus den beiden dicken Ordnern, bei Felicitas Hoppe in Berlin landeten, musste sie die besten von 196 Geschichten auswählen. Das sei so gut wie unmöglich gewesen, sagt Hoppe, und zwar vor allem, weil die Verfasser furchtlos zu Werke gegangen seien. In der FAZ wurde 18 Geschichten veröffentlicht. Von diesen 18 wiederum haben wir drei ausgewählt. Hier das Märchen aus Island. weiterlesen


Der Råtzefeer vun Hamlesch

Siedelten die verschwundenen Kinder der Stadt Hameln einst in Transsilvanien? / Spurensuche in Siebenbürgen

Von Ulrich Behmann und Julia Niemeyer Wohin sind sie entschwunden? Wo sind sie geblieben? Nach den Gebrüdern Grimm sind die Kinder der Stadt Hameln nach Siebenbürgen geführt und dort aus einer Höhle hervorgetreten. Dennoch sind die 130 Frauen, Männer und Kinder bis heute wie vom Erdboden verschluckt. Was ist dran an dieser Version der Rattenfängersage? Was spricht für Siebenbürgen – und was dagegen? weiterlesen


Der Schmied – gesucht und geschätzt

Unter den alten Handwerksberufen hatte er eine besondere Stellung

Von Dorothee Balzereit Ob Schmied, Weber oder Bäcker: Das Bild vieler traditioneller Handwerksberufe hat sich im Laufe der Zeit sehr verändert, einige sind heute sogar ganz ausgestorben. Andere haben durch Automatisierung und Rationalisierung nur noch in Grundzügen Ähnlichkeit mit ihren ursprünglichen, prägenden Tätigkeiten. Sie sind mit der modernen Gesellschaft gewachsen, bedienen deren Bedürfnisse und erleichtern die Arbeit enorm. Doch auch die alten Abläufe beinhalten wertvolles Wissen, das durch das Auseinanderdriften von Mensch und Natur droht, in Vergessenheit zu geraten. Im Freilichtmuseum Detmold ist das anders: Dort wird gemüllert, gebacken und geschmiedet wie früher. weiterlesen


Der Stoff, aus dem die Träume sind

Was schöne Kleider, goldene Pantoffeln und rote Käppchen in Märchen und Sagen ausdrücken

Von Frank Neitz Ein rotes Käppchen, ein goldener Pantoffel, ein Mantel aus Fell – die Brüder Grimm erzählen gern und symbolhaft von der Kleidung ihrer Märchenfiguren, auch wenn nicht immer davon gesprochen wird, wie die Roben eigentlich genau aussehen. Wunderschön sind die Kleider der Heldinnen in jedem Fall – aber erst am Ende, wenn sie für ihre reine Seele und Gesinnung belohnt werden.Vorab gehen sie nicht selten in Lumpen, wie das Aschenputtel. Und wer nur auf den schönen Schein achtet, sich gar zu sehr herausputzt, kommt ganz schlecht weg bei den Grimms. weiterlesen


Der Wald - Kulisse für Märchen und Sagen

Zauberhaft und gefährlich - der Märchenwald

Die armen Geschwister "Hänsel und Gretel", das liebe "Rotkäppchen" und das schöne "Schneewittchen" kennt fast jeder – klar, das sind Grimmsche Klassiker. Was das Geschehen bei "Brüderchen und Schwesterchen" oder in der Baxmann-Sage angeht, wird das Wissen schon dürftiger. Alle diese Erzählungen aber eint eines: Sie spielen im zum großen Teil Wald. Dieser Märchenwald bietet mal eine schaurige Kulisse, mal stellt er einen idyllischen Zufluchtsort dar. Schaut man sich die vielen verschiedenen Facetten des Waldes in Märchen und Sagen an, ist eines sicher: Langeweile herrscht dort selten. weiterlesen


Der wundersame Holunder

Vom bemerkenswerten Eigenleben eines unscheinbaren Strauches

Von Peter Weber Kaum ein heimisches Gewächs hat in den letzten Jahren so an Ansehen gewonnen wie der schwarze Holunder. Haftete ihm doch lange Zeit etwas von den dürftigen Verhältnissen der Nachkriegszeit an, war der Saft seiner Beeren allenfalls als antigrippales Heißgetränk geduldet. Nunmehr ist er mit dem Aufleben der Naturmedizin in seinen vielfältigen Wirkungsweisen wieder allseits geschätzt, füllt mit feinen Rezepturen ganze Kochbücher oder stimmt mit einem „Hugo“ ganze Festgesellschaften auf Kommendes ein. weiterlesen


Der „Höllenhund aus dem Schecken“

Aus dem Sagenschatz der Ithbörde-Dörfer

Von Fritz Koenig Wer sich mit dem Sagenschatz der Dörfer in der Ithbörde beschäftigt, ist überrascht von der Fülle der dort ursprünglich mündlich überlieferten Sagen. Von großsprecherischen Riesen, gewitzten Zwergen, vergrabenen Kriegskassen und natürlich vom Teufel und seinen Ränkespielen wird berichtet. Am eindrucksvollsten wirken jedoch die zahlreichen Sagen, in denen die Natur die Menschen des Mittelalters dominierte. Ihrer Magie standen sie vor Furcht zitternd oder in unerklärlicher Faszination gegenüber. Begünstigt wurde dieses Lebensgefühl durch die bizarren Felsformationen des Ithgebirges und durch die erst in der Neuzeit gerodeten tiefen Waldungen. Von den Bergen herabstürzende Wasserläufe bildeten geheimnisvolle Teiche und Moore. So verwundert es nicht, dass gleich mehrere Sagensammlungen hier entstanden. August Teiwes, Ulrich Baum und zuletzt Uwe Schakeit legten reichhaltige Sagenbände aus der Ithbörde vor. Die „Sage vom Höllenhund aus dem Schecken“ zeigt, wie eng die alten Sagen mit einer bestimmten realen Örtlichkeit verbunden sind. weiterlesen


Der „kopflose Reiter“

Ist der Herzog von Cumberland gemeint? / Männer ohne Häupter – zwei Sagen berichten davon

Sind Sie schon einmal in der Nähe der Obensburg dem „Mann ohne Kopf“ begegnet? Sicher nicht. Es gibt allerdings gleich zwei alte Sagen, die von kopflosen Männern berichten, die dort umherspuken sollen. Wo spielen die jahrhundertelang von Mund zu Mund weitergegebenen Geschichten, an die sich heute kaum jemand mehr erinnert und die selbst dem ehemaligen und langjährigen Leiter des Coppenbrügger Museums, Gernot Hüsam, noch nicht untergekommen sind. Und was hat es damit auf sich? weiterlesen


Die Abstauber

Manchem Müller reichte es, sich nicht strafbar zu machen

Von Dorothee Balzereit Ob Schmied, Weber oder Bäcker: Das Bild vieler traditioneller Handwerksberufe hat sich im Laufe der Zeit sehr verändert, einige sind heute sogar ganz ausgestorben. Andere haben durch Automatisierung und Rationalisierung nur noch in Grundzügen Ähnlichkeit mit ihren ursprünglichen, prägenden Tätigkeiten. Sie sind mit der modernen Gesellschaft gewachsen, bedienen deren Bedürfnisse und erleichtern die Arbeit enorm. Doch auch die alten Abläufe beinhalten wertvolles Wissen, das durch das Auseinanderdriften von Mensch und Natur droht, in Vergessenheit zu geraten. Im Freilichtmuseum Detmold ist das anders: Dort wird gemüllert, gebacken und gesponnen wie früher. weiterlesen


Die Deutsche Märchenstraße

Wo die Sagen und Märchen an der Straße liegen

Von Dorothee Balzereit Menschen lieben Geschichten. Einen besonderen Reiz üben die geheimnisvollen Erzählungen unserer frühen Tage aus, die auch wir unseren Kindern weitererzählen. Was könnte also schöner sein, als die Kulissen der Kindheit aufzusuchen? Die Deutsche Märchenstraße macht es möglich. Seit Gründung der „Arbeitsgemeinschaft Deutsche Märchenstraße“ in 1975 hat sich die Route zu einer der bekanntesten deutschen Ferienrouten entwickelt. Dem Verein gehören inzwischen mehr als 50 Orte an. weiterlesen


Die Geschichte geht weiter...

...aber wie? Gewinnspiel zur Spurensuche in Siebenbürgen

Von Ulrich Behmann und Julia Niemeyer „Und die Geschichte geht weiter.“ Mit Kohle hat jemand diesen Satz auf einen Brunnen in Hamlesch geschrieben. Jenem Ort in Siebenbürgen, der wenigstens dem Namen nach einen Bezug zur Rattenfängerstadt Hameln nahelegt. Einem Ort mit zwei Höhlen, die die Einheimischen „Löcher“ nennen, und von denen sie eher scherzhaft berichten, dass die Hamelner Kinder aus einem von ihnen herausgekommen sind. Ähnliche Geschichten werden auch anderswo in Siebenbürgen erzählt, etwa im nahegelegenen Talmesch oder in Almesch, die beide ebenfalls mit Höhlen aufwarten können. Beweise für die eine oder andere Version gibt es naturgemäß nicht. Einzig der Schlusssatz der Grimm'schen Rattenfängersage deutet konkret darauf hin, dass die entführten Kinder überhaupt nach Siebenbürgen gezogen sein könnten. Aber was wäre, wenn…? Wenn es sich tatsächlich so und nicht anders zugetragen hätte, wie von den Brüdern Grimm beschrieben? weiterlesen


Die Hexe von Fuhlen

Spukgeschichten, die auf Gut Posteholz erzählt wurden.

 Eine Seniorin erzählte vor über 30 Jahren: „In meiner Jugendzeit vor dem Weltkrieg saßen die Landarbeiter abends oft in der Runde und erzählten sich die alten Überlieferungen.“ Und da Ellida von Alten schon immer literarisch interessiert war und sich auch selbst schriftstellerisch betätigt hat, schrieb sie alles genau auf, was sie an altehrwürdigen Sagen hörte. Ein Glück für die Nachwelt! Denn wie Ellida von Alten zu berichten weiß, sind die Spukerzählungen, die damals auf Gut Posteholz noch jedermann bekannt waren, heute in der  Bevölkerung schon weitgehend in Vergessenheit geraten. weiterlesen


Die Hochebene – und ihre sagenhaften Plätze

Der Teufelsbadteich

Von Ralph Arndt Die Sage des Teufelsbadteichs besagt, dass vor Zeiten zwei Riesen an der Weser lebten, von denen der eine ein Müller und der andere Bäcker war. Der Müller wohnte im Hünengrunde unweit von Polle. Der Bäcker, Otto vom Stein, lebte in der Nähe des Ortes Ottenstein. Sie waren freundschaftlich verbunden und hatten eine Vereinbarung getroffen, wonach der Bäcker beim Müller umsonst mahlen und der Müller beim Bäcker kostenlos backen durfte. Für den im Hünengrunde wohnenden Müller war das Kratzen des Bäckers mit dem Troghaken das Zeichen, dass der Nachbar den Ofen geheizt und er seinen Brotteig bringen durfte. weiterlesen


Die Hünen-Saga

Von Riesen und Zwergen im Schaumburger Land

Ob Gewitterblitz, Orientierungssinn der Fledermäuse oder soziales Zusammenleben der Ameisen – die moderne Naturwissenschaft liefert für (fast) alles eine logische Erklärung. Was die Leute früher in Angst, Schrecken oder andächtiges Staunen versetzte, lässt sich heute als Folge und Ergebnis evolutionärer Entwicklungsprozesse nachweisen. Das war zur Zeit unserer Großväter und Urgroßmütter noch anders. Für sie war das Geschehen zwischen Himmel und Erde noch mit wundersamen und phantasievollen Vorstellungen verbunden. Eine gewichtige Rolle in den Erklärungsversuchen spielten Riesen und Zwerge. Die Kunde von deren Wirken gehörte zum Pflichtunterrichtsprogramm der Schulen. In der Grafschaft Schaumburg war eine 1962 vom Kreislehrerverein in Rinteln herausgegebene Fibel „Heimatsagen aus der Grafschaft Schaumburg“ in Gebrauch. Im benachbarten Schaumburg-Lippe benutzte man eine Sammlung des Ex-Landesschulrats Dr. Espe. Der Titel: „Heimatbilder aus dem Schaumburger Land und seiner Umgebung“. weiterlesen


Die Jungfrau Ilse am „Willen Pohl"

Auf dem Walterberge bei Börry soll eine Burg gestanden haben

Es ist ein verwunschener Ort. Wild, romantisch – und versteckt. An seinem Ufer stehen Buchen und Ahornbäume, wuchern Moose auf fauligem Totholz und Schiefer. Die Wasseroberfläche ist mit Entengrütze bedeckt. Der Witte-Puhl, auch der "Weiße See“ genannt, hat  etwas Magisches, etwas Mystisches. Den Teich soll es schon seit Jahrhunderten. „Es ist merkwürdig: Der Teich hat definitiv keinen Zufluss und trocknet dennoch niemals aus“, sagt ein Anwohner – und fügt nachdenklich hinzu: „Ist schon ’ne sonderbare Sache: ein Teich auf einer Bergkuppe.“ weiterlesen


Die Kraft der Tiere

Rabe, Wolf & Co.: In Märchen und Sagen haben sie oft besondere Eigenschaften

In vielen Überlieferungen werden Tiere vermenschlicht. Sie können dann sprechen und sind manchmal auch selbst die Hauptakteure einer Geschichte. Dabei werden ihnen von den Erzählern besondere Eigenschaften zugeschrieben. Neben dem bösen Wolf und dem schlauen Fuchs gibt es noch zahlreiche andere Tiere, die immer wieder für die gleichen Eigenschaften stehen. Einige, die besonders häufig vorkommen, sind Hirsche und Drachen, aber auch Schlangen, Schwäne, Frösche und Raben. weiterlesen


Die Kunst des Töpferns

Ein altes, früher wenig angesehenes Handwerk

Von Dorothee Balzereit Ob Schmied, Weber oder Bäcker: Das Bild vieler traditioneller Handwerksberufe hat sich im Laufe der Zeit sehr verändert, einige sind heute sogar ganz ausgestorben. Andere haben durch Automatisierung und Rationalisierung nur noch in Grundzügen Ähnlichkeit mit ihren ursprünglichen, prägenden Tätigkeiten. Sie sind mit der modernen Gesellschaft gewachsen, bedienen deren Bedürfnisse und erleichtern die Arbeit enorm. Doch auch die alten Abläufe beinhalten wertvolles Wissen, das durch das Auseinanderdriften von Mensch und Natur droht, in Vergessenheit zu geraten. Im Freilichtmuseum Detmold ist das anders: Dort wird gemüllert, gebacken weiterlesen


Die mächtigste Klippe Niedersachsens

Auf dem mystischen Hohenstein

Das landschaftlich geradezu gewaltig wirkende Hohensteingebiet im westlichen Süntel gilt als das Hauptheiligtum der germanischen Sachsen und soll der Frühlingsgöttin Ostara geweiht gewesen sein. Der turmartige Felsen des sogenannten Grünen Altars sei – so heißt es – als so heilig erachtet worden sein, dass nur Priester ihn betreten durften, um ihre kultischen Handlungen zu zelebrieren. Das Volk habe aus angemessener Entfernung an dem Geschehen teilgenommen, und zwar vom südlich gelegenen Wendgeberg aus. Solch eine Vergangenheit lädt geradezu dazu ein, einen Sonntagsausflug in dieses Gebiet zu unternehmen. weiterlesen


Die Schlacht bei Sedemünder

Eine weitere Theorie zur Rattenfängersage

Eine weitere Theorie zur Rattenfängersage, die zeitweilig viel Aufmerksamkeit genoss, stammt vom Hamelner Garnisonsprediger F. C. Fein, der die Fabel in die Nähe der Sedemünder Schlacht rückt. Fein hatte 1749 eine Schrift mit dem Namen „Die entlarvte Fabel vom Ausgange der Hamelschen Kinder“ herausgegeben und darin errechnet, dass nicht 1284 das Entstehungsjahr der Sage ist, sondern 1259. Grundlage waren Angaben auf einem Torstein, der noch heute im Museum zu sehen ist. weiterlesen


Die Schönheit des Verfalls

Lost Places - der morbide Charme verlassener Orte

Von Dorothee Balzereit Manche der Orte sehen aus, als hätten die Menschen, die dort gelebt oder gearbeitet haben, die Flucht ergriffen. Als hätten sie keine Zeit mehr gehabt den Stuhl einzupacken, die Vorhänge abzuhängen oder das Telefon mitzunehmen. Verschmutzt steht das alte Modell auf Stufen, von denen die Farbe abblättert, ringsherum Laub und Staub. Gestrig, vergessen und mit schwer greifbare Anziehungskraft. Welche Menschen mag es früher verbunden haben? weiterlesen


Die Unnahbaren

In Sagen und Märchen spielen Engel oft nur eine Nebenrolle

Von Cornelia Kurth In Märchen und Sagen wimmelt es nur so von fantastischen Gestalten, von Hexen und Zauberern, von Zwergen, Riesen, Drachen und Elfen. Eine Gruppe aber, von der es doch so viele Bilder und Geschichten gibt, die hält sich aus dem volkstümlichen märchen- und sagenhaftem Umfeld fast ganz heraus: die Engel. Von einer Ausnahme abgesehen. weiterlesen


Die Vernichtung der weisen Frauen

Seit dem Mittelalter wurden Hebammen verfolgt – weil sie Frauen Entscheidungsgewalt über ihre Körper gaben

Von Wiebke Westphal Er ist einer der ältesten Frauenberufe der Welt: Bereits seit Jahrtausenden helfen Hebammen schwangeren Frauen bei der Geburt ihrer Kinder und im Wochenbett. Doch die Geschichte dieses jahrtausendealten Wissens ist zugleich die Geschichte eines jahrtausendealten Kampfes: Seit dem frühen Mittelalter und mit zunehmender Verbreitung des Christentums wurden Geburtshelferinnen überall in Europa verfolgt, gejagt, gehängt oder verbrannt – denn sie verfügten über und verbreiteten Wissen, das Frauen die Macht gab, wenigstens zu einem kleinen Teil selbst über ihr Leben zu entscheiden. weiterlesen


Die wahren Krimis schreibt die Geschichte

Aus der Sagenwelt des Schaumburger Landes

Weiße Frauen, Hexen, unschuldig verurteilte Jungfrauen, Werwölfe, kopflose Wiedergänger, Gespensterwesen, Feengestalten, Riesen und gute und böse Zwerge: Sie alle haben und hatten ihr Zuhause auch im Schaumburger Land, zumindest in der Sagen- und Legendenwelt, die sich in den vergangenen Jahrhunderten gebildet hat. weiterlesen


Die Welt der Zauberbücher

Aus einer Zeit, als es gegen Liebeskummer und Dämonenbeschwörung noch Rezepte gab

Von Viktor Meissner Grimoires – gibt es diese Zauberbücher wirklich? Um die Frage vorwegzunehmen: Ja, es gibt sie wirklich. Grimoires sind Bücher mit „magischem Wissen“. Sie enthalten beispielsweise astrologische Regeln, Listen von Engeln und Dämonen, Zaubersprüche und Anleitungen zum Herbeirufen magischer Wesen wie Dämonen und Teufeln, aber auch Anleitungen zum Herstellen von Talismanen, Zaubertränken und Schadenszauber. Die Blütezeit dieser in den meisten europäischen Sprachen verfassten Bücher lag zwischen Spätmittelalter und dem 18. Jahrhundert. weiterlesen


Die wilden Männer vom Walde

Besondere Popularität erlangte der hünenhafte Berggeist Rübezahl

Von Peter Weber Ehe die Einsamkeit dunkler Wälder zu einem Sehnsuchtsort romantischer Naturbegeisterung werden konnte, mussten diese erst ihren Schrecken verlieren. Von je her waren die riesigen, unzugänglichen Waldgebiete, die die gerodeten Inseln menschlicher Zivilisation hierzulande bedrohlich umstellten, eher Orte des Grauens, boten wilden Tieren in Wolfslöchern, Bärenhöhlen und Natterngruben Unterschlupf, Räuberbanden, aber auch geisterhaftem Volk Aufenthalt – Kobolden und Baumgeistern, denen nicht zu trauen war. weiterlesen


Drache, Einhorn und Basilisk

Sagenhafte Tiere / Die Ausgeburten des Schreckens schuf der Mensch allein

Es liegt an den Menschen selbst, wenn sie in Tieren böse Geister sehen. Furcht und Aberglauben verleihen der Phantasie Flügel. Der babylonische Tiamat, ein Urbild des Drachen, glich einer gewaltigen Riesenschlange, und auch im Griechischen bedeutete Drakon nichts anderes als eine Schlange. weiterlesen


Ein göttlicher Bote

Der weiße Hirsch - Reittier in die Anderswelt

Der Hirsch ist in vielen Religionen das Symbol für den sterbenden und wiederauferstehenden Gott. In den meisten vorchristlichen Religionen ist der Hirschgott ebenfalls verkörpert. Im Schamanismus ist der Hirsch, meistens als weißer Hirsch, das Reittier in die Anderswelt. Auch in den keltischen Geschichten taucht der Hirsch im Zusammenhang mit der Nähe der oder dem Übergang in die Anderswelt auf. Die weiße Farbe ist neben ihrer Bedeutung als Reinheitssymbol auch eine Farbe für die Anderswelt. weiterlesen


Eine Augenzeugin gab es

Quellen zur Rattenfängersage

Besonders viele Quellen gibt es nicht zur Rattenfängersage - was das Rästelraten um die Geschichte möglicherweise so spannend macht. Zwei der ältesten Quellen befinden sich außerhalb Hamelns. weiterlesen


Eine ganz besondere Bettgeschichte

Wie der Graf von Gleichen schlief

Im Schloss Pyrmont, der ehemaligen Sommerresidenz des Fürsten zu Waldeck, geht nicht alles mit rechten Dingen zu. Und das nicht erst, seit das Schlossgespenst Friedrich sein Unwesen auf der Schlossinsel treibt. Als die Adelsfamilie im 20. Jahrhundert während der Kursaison im Sommer Gäste auf die bis 1945 in Privatbesitz befindliche Schloss- und Festungsanlage locken wollte, gab es eine Vielzahl von bemerkenswerten Sehenswürdigkeiten im Bereich der Außenanlagen. Ganz sicher zählte dazu die vierhundertjährige Linde an der Nordwestseite der Insel, die mit ihren sieben Metern Umfang wirklich einzigartig war, aber leider 1932 durch einen Sturm entwurzelt wurde. Sensationell aber war vor allen Dingen das riesige Bett des Grafen von Gleichen in der Eckbastion von Schloss Pyrmont, das auf einzigartige Weise die Gleichensage jedem Betrachter anschaulich vor Augen führte. Was verbirgt sich hinter dieser Geschichte und was hat Pyrmont damit zu tun? weiterlesen


Elementar: die Elemente

Alles Sein aus Feuer, Wasser, Luft und Erde

Von Richard Peter „Denn die Elemente hassen das Gebild der Menschenhand“ – das kann eigentlich nur von Schiller stammen. Ist auch von ihm, aus der „Glocke“. Auch wenn Feuer, Wasser, Luft und die Erde natürlich nicht hassen. Der Dauerregen, der idyllische kleine Bächlein zu alles zerstörende Ströme anschwellen lässt oder Ätna und Stromboli Feuer aus ihrem Innern herausschießen lassen und als Lava alles versengt oder die Erde bebt und Stürme alles plattmachen, was sich ihnen in den Weg stellt: da ist kein Hass im Spiel, keine Absicht – auch nicht Bosheit. weiterlesen


Endete der Rattenfänger in der Teufelsküche?

Historiker vermutet, dass Sagenfigur und Hamelner Kinder im Koppenberg verschwanden

„Calvarie“ „Cobbanberg“ „Der ganze Schwarm folgte ihm nach, und er führte sie hinaus in einen Berg, wo er mit ihnen verschwand.“ So beschreiben die Brüder Grimm in ihrer Sagensammlung von 1816 den Auszug der Hamelner Kinder. Schon auf dem ältesten erhaltenen Bild zur Sage von 1592 wird die Kinderschar zu einem Berg geführt, der sich vor der Gruppe zu öffnen scheint. Am Rattenfängerhaus heißt es, die Kinder seien „to Calvarie bi den Koppen“ geführt worden. meint vermutlich einen Hinrichtungsplatz. Diese Orte wurden früher auch als Kalvarienhügel bezeichnet. Der älteste schriftliche Bericht von der Rattenfängersage schreibt Mitte des 15. Jahrhunderts davon, dass der Pfeifer mit seinem Gefolge zum Calvarien- oder Hinrichtungsplatz hinauszog. Was allerdings mit „den Koppen“ gemeint ist, ist umstritten. Der Coppenbrügger Heimatforscher Gernot Hüsam hat dafür eine zumindest örtlich naheliegende Antwort gefunden: Als Galgenberg sei die Heerburg bei Coppenbrügge – an der heutigen Bundesstraße 1 – bekannt. Der Ith-Oberberg wurde in einem Zeugnis aus dem Jahr 1013 genannt. Hüsam vertritt die These, dass Rattenfänger und Kinder in einer Höhle verschüttet wurden, vermutlich dort, wo sich heute die „Teufelsküche“ befindet. weiterlesen


Es waren einmal...

... zwei unzertrennliche Brüder - Auf den Spuren von Jacob und Wilhelm Grimm

Sie zählen zu den berühmtesten Deutschen, jedes Kind kennt sie. Für die meisten gehören die „Brüder Grimm“ untrennbar zusammen. Dabei waren die beiden Märchen- und Sagensammler Jacob und Wilhelm Grimm höchst unterschiedlich. Während Wilhelm sich den Märchen widmete und diese dank seiner Veränderungen zum weltweiten Erfolg wurden, verschrieb sich Jacob im Laufe der Zeit mehr und mehr der Sprachwissenschaft. weiterlesen


Exzess in der Teufelsküche

Verschwanden die Kinder in einem Coppenbrügger Berg?

Von Dorothee Balzereit Eine weitere Theorie zur Rattenfängersage besagt, dass die Kinder nach einem ausufernden Fest in eine Höhle gelockt und dort verschüttet wurden. Der vermutete Grund: Dem heidnischen Treiben sollte ein Ende gesetzt werden. Wir haben versucht, uns in die Situation heineinzuversetzen. weiterlesen


Falsche Freunde

Die Rattenfänger-Sage wird weitererzählt

DAAD-Studenten aus aller Welt haben die Sage vom Rattenfänger weitererzählt. Befreit von Vorbehalten und Deutungshoheiten haben sie aus der Sage fantastische Märchen entstehen lassen. Und haben dabei keinen Gedanken daran verschwendet, was historisch möglich war und was nicht, sondern ihrer Fantasie freien Lauf gelassen. Eingeladen wurden sie dazu von der Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe und dem DAAD. Für die Rattenfängersage hatte Hoppe, die in Hameln geboren ist, einen Einstieg beigesteuert. Gemeinsam ist vielen Geschichten, dass der Rattenfänger und/oder die Kinder in den Ländern der jeweiligen Autoren stranden, dort Abenteuer erleben und Aufgaben gestellt bekommen. Nur manchmal findet ein Kind den Weg nach Hameln zurück. Aus den beiden dicken Ordnern, bei Felicitas Hoppe in Berlin landeten, musste sie die besten von 196 Geschichten auswählen. Das sei so gut wie unmöglich gewesen, sagt Hoppe, und zwar vor allem, weil die Verfasser furchtlos zu Werke gegangen seien. In der FAZ wurde 18 Geschichten veröffentlicht. Von diesen 18 wiederum haben wir drei ausgewählt. Hier das Märchen aus Togo. weiterlesen


Farbenspiele auf nackter Haut

Vom „Signal-Rot“ früher Menschen bis zur bunten Bodypainting-Kunst heutiger Zeit

Von Ernst-Michael Stiegler   Von Rund 30 000 Jahre trennen die „Venus von Willendorf“ von einem Modell des Hamelner Bodypainting-Künstlers Jörg Düsterwald. Gemeinsam ist beiden eine farbige „zweite Haut“. Rote Farbreste bei der üppigen Urzeit-Venus könnten ein Indiz dafür sein, dass dem Menschen, der diese kleine Kalksteinstatuette geschaffen hat, Körperbemalung nicht fremd war. Als schnell vergängliche Kunst – nur Fotos halten das Werk fest – findet sie heute wieder Beachtung. weiterlesen


Frau Holle - Zwischen Sage und Märchen

Im Reich der Erdgöttin

Von Dorothee Balzereit Es ist das Märchen der Brüder Grimm, das der Welt der Mythen und Sagen wohl am nächsten kommt: Frau Holle, die in der Lage ist, es auf der Erde schneien zu lassen. Aber der Wirkungskreis der archaischen Erdgöttin, denn nichts anderes ist Frau Holle in der Mythologie, war nach Ansicht unserer Vorfahren viel größer. Je nach Jahreszeit ist ihr Platz demnach im Himmel, auf dem Berg oder unter der Erde. Bei Frau Holle ballt sich die Macht: Im Frühling ist sie für neues Leben zuständig, im Sommer für die Sicherung des  Weiterlebens und im Herbst ist sie auch noch die schwarze Göttin des Todes. weiterlesen


Für immer mein

Rapunzel – ein Wunschkind zwischen erdrückender Mutterliebe und dem erlösenden Geliebten

Von Cornelia Kurth Was für eine ungeheure Überraschung für das in seinem hohen Turm eingeschlossene Mädchen. Keine Tür, keine Treppe führt ja in das Turmzimmer, in dem sie lebt. Wenn sie von weit unten den Ruf hört: „Rapunzel, Rapunzel, lass mir dein Haar herunter!“, lässt sie ihren langen Zopf herab. Daran klettert die Zauberin, die sie gefangen hält, nach oben, um sie zu versorgen. Sie ist der einzige Mensch, den das Mädchen kennt. Aber eines Tages, da steigt nicht die Zauberin durch das Fenster, sondern ein schöner junger Königssohn. weiterlesen


Geheimnis Höhle

Im Reich der Zwerge, Touristen und Steinzeitkünstler

Die Höhle aller Höhlen, die wir alle kennen, ohne sie wirklich zu erinnern: Mamas Bauch. Und sicher unbewusst: prägend. Ein Leben lang. Wir suchen Höhlen, die uns umschließen, einhüllen. Unsere Wohnungen, Häuser – nichts als Höhlen, auch wenn sie mit glatten Wänden und Ecken gestaltet sind. Rundumschutz und allemal den Rücken freigehalten. Selbst in Restaurants und Cafés sind es die Eckplätze, die als erste besetzt werden. Den Blick auf das Fremde, den Feind vielleicht, sichern und nach hinten Schutz bieten. weiterlesen


Geheimnisvoller Ith

Sagenumwobener Höhenzug voller Kultstätten – Sogar eine Version der Rattenfängersage endet hier

Von Gernot Hüsam Unter den Bergen des nördlichen Weserberglandes gibt es kaum einen, der so sagenumwoben ist wie der Ith. Ob der altgermanische Kult- und Opferplatz „Wackelstein“, das Felsheiligtum „Fahnenstein“ aus heidnischer Zeit oder der Felskessel und Kultplatz „Teufelsküche“: Die Anziehungskraft des weserbergländischen Höhenzugs ist stark. Sogar eine Version der Rattenfängersage endet hier. Allerdings sind nur noch wenige der Kultstätten zugänglich, da sie im Naturschutzgebiet Oberberg liegen. weiterlesen


Geheimnisvoller Mond

Garant für Mythen

Von Peter Weber Das Verhältnis des Menschen zum Mond, der dem Unbegreiflichen der eigenen Existenz in den Weiten des Weltalls doch wenigstens etwas von ahnender Anschauung verleiht, ist von unvergleichlicher Komplexität und Ambivalenz. Das hat es gerade Schriftstellern immer wieder zum Thema werden lassen. weiterlesen


Geliebter Galgenvogel

Der Ruf der Krähe ist zweifelhaft, dabei ist sie ein gewiefter Zeitgenosse

Von Gabriele Laube Kaum ein Vogel spaltet die Meinungen so wie Krähen. Städter sehen in ihnen oft nur schwarzgefiederte Störenfriede, die ihre Straßen vollkoten. Sie fürchten den krähendüsteren Himmel über den Häusern, wenn die Vögel im Winter massenhaft von der Futtersuche auf den Feldern in ihre hohen Nachtquartiere zurückkehren. Doch nur wenige beobachten die Rabenvögel so, wie es unsere Vorfahren taten. Diese zogen dabei erstaunliche Schlüsse aus deren Verhalten. weiterlesen


Gnadenlose Hexenjagd

In Rinteln wurden besonders unnachgiebige Urteile über vermeintlich gefährliche Frauen gesprochen

Von Wilhelm Gerntrup „Hexen“-Geschichten sind in vielen Volkskulturen überliefert. Dabei ging und geht es meist um mythische, mit übersinnlichen Fähigkeiten. Besonder gut kannten sich diese Zwischenwesen im Bereich Weissagung, Kräuterkunde, Wunderheilung und/oder Geburtshilfe aus. Die Bezeichnung „Hexe“ war hierzulande bis zur Einführung des Christentums unbekannt. Bei unseren heidnischen germanischen Vorfahren war von - überwiegend weiblichen - „unholden“ (nicht immer gutartigen Personen) die Rede. Die Umdeutung und Verfolgung als dämonische, gottlose Teufelskomplizinnen kam erst im Gefolge der Christianisierung in Gang. weiterlesen


Gold im Fluss

Von Fähren, Zwergen, Gold und dem Ursprung bestimmter Sagen

Von Frank Neitz Ob Riesen, Zwerge oder Elfen, Wölfe, Hirsche oder Jäger – eines ist Sagenwesen gemeinsam: Sie haben die Geschichte selten für sich allein gepachtet. Die meisten Sagen werden auf diese oder jene Weise an verschiedenen Orten jeweils unterschiedlich erzählt, eben auf die Weise, wie man sie mündlich weitergab. Gemeinsam ist ihnen der Kern der Geschichten und die Motivation, bestimmte Erfahrungen und Vorkommnisse weiterzugeben. weiterlesen


Gold, Gold, Gold

… und die Menschheitsgeschichte

Von Richard Peter Das Gelbe, wie Gold im Mittelalter auch genannt wurde, hatte schon im Altertum eine große Bedeutung. Man nimmt an, dass in China lange vorher Münzen benutzt wurden, die Gold enthielten. Ab dem 13. Jahrhundert wurde auch in Deutschland, zum Beispiel in Eisenberg, in Westfalen und südlich von Kassel Bergbau betrieben, um Gold abzubauen. Besonders ergiebig war das allerdings nicht. weiterlesen


Guter und böser Zauber

Welche Rolle er im Mittelalter spielte – und wo er heute noch auftaucht

Von Andrea Tiedemann Bei Märchen und Sagen gehört sie zum Standard-Repertoire: die Magie. Sei es die Hexe, ein magischer Gegenstand oder ein böser Fluch – all dies hat seinen Platz in den Geschichten. Wie zum Beispiel in Schneewittchen: Nur mit ihrem schlauen Zauberspiegel kann die böse Stiefmutter herausfinden, wer ihre Konkurrentin – die schöne Stieftochter – ist. Er verrät sogar, dass sich Schneewittchen bei den sieben Zwergen aufhält und lässt so die Vergiftungen für die Märchenfigur erst zur Gefahr werden. Doch Magie war nicht immer nur auf dem Papier und in der Phantasie der Menschen vorhanden – heute wie damals gibt es Spuren von schwarzer und weißer Magie im realen Leben. Dabei scheint die schwarze Magie, die Schaden anrichten und Verwünschungen verwirklichen soll, eine höhere Anziehungskraft zu besitzen als die weiße Magie, die Gutes wie etwa Schutz und Heilung bewirken soll. Die Internet-Suchmaschine Google zumindest listet für schwarze Magie an die 464 000 Ergebnisse auf – sucht man nach weißer Magie, werden nur rund 192 000 Ergebnisse ausgespuckt. weiterlesen


Hamelner Sagen

Vom Finkenborner Weg, dem Münster und anderen Orten

Das Geheimnisvolle bleibt, auch wenn sich manches natürlich erklären läßt In den Sagen und Märchen waltet die Volkspoesie und sucht das Geheimnisvolle undUnerklärliche zu deuten. Sie sind für uns wichtige Quellen der Volkskunst und Erzeugnisse der schöpferischen Phantasie, aus denen mancherlei Erkenntnisse und Weisheiten hervorleuchten weiterlesen


Hamelns vergessenes Wildkind

„Der wilde Peter“ - vor vielen Jahren einmal eine Berühmtheit

Von Richard Peter Ein Schattendasein – im Schatten des Rattenfängers: „Der wilde Peter“. Ein Wildkind aus dem Klütwald. Vor langer Zeit eine Berühmtheit. Und anders als andere seiner Art – am berühmtesten natürlich Kiplings Mogli aus dem Dschungelbuch, der durch Disneys so genialen wie niedlichen Zeichentrick-Film zum globalen Hit wurde. Allerdings: eine literarische Erfindung. Konkurrenz auch ganz real für Hamelns „Wilden Peter“ durch einen Kaspar Hauser, der die Fantasie der Menschen immer wieder beschäftigt hat – aber auch das „Wildkind“ aus Truffaults Film, ein Wildkind aus Südfrankreich, der Anfang der 70er-Jahre in die Kinos kam. weiterlesen


Herr Grimsehl und das Zwergengold

Was ist dran an einer längst vergessenen Erzählung aus der Hamelner Bäckerstraße?

Von Ulrich Behmann Sie wurden daheim erzählt und in Schenken zum Besten gegeben – Sagen und Geschichten aus der Region. Es soll ja etwas Wahres dran sein an dem, was über Jahrhunderte mündlich weitergegeben wurde. Doch: Was ist frei erfunden, was stimmt wirklich – und wo spielen die Geschichten, an die sich selbst Archivare nur noch dunkel erinnern können? In der Hamelner Bäckerstraße sei einst einer Magd, die für einen gewissen Kaufmann Grimsehl gearbeitet haben soll, ein Missgeschick passiert, heißt es. Als Folge davon soll die junge Frau wohlhabend und ihr Dienstherr reich geworden sein. Davon jedenfalls erzählt die Geschichte vom „Zwergengold“, die der verstorbene Autor Georg Kollmann aufgeschrieben und so für die Nachwelt erhalten hat. Grimsehl soll eines Morgens einen Schatz gefunden haben. Von dem habe er sich „jenes schöne Haus, das man in der Bäckerstraße noch heute bewundern kann“, gebaut. Gab es den Kaufmann wirklich? Und wenn ja: Hat er in der Bäckerstraße ein prächtiges Gebäude besessen? Die Dewezet ist der Sache auf den Grund gegangen, wollte wissen: Welche Fakten lassen sich heute noch erhärten? weiterlesen


Hinter Dornen verschanzt

„Dornröschen“: Ein Pubertätsmärchen aus der Grimmschen Schatztruhe

Von Richard Peter Sie war gerade 15 Jahre alt geworden, mitten in der Pubertät also, dazu so „schön, sittsam, freundlich und verständig“ wie es heißt, „dass es jedermann liebhaben musste“: Unser Dornröschen, noch ohne Dornen und auch ohne Röschen - aber neugierig. weiterlesen


Iiiih – Ratten!

Wissenswertes über Hamelns bekanntestes Sagen-Tier

Von Dorothee Balzereit Iiiiiiihh! Eine Ratte! Die Reaktion auf das fellige Nagetier mit dem langen nackten Schwanz ist hinlänglich bekannt. Auch wenn es inzwischen viele Leute gibt, die die Ratte als Haustier schätzen. In manchen Teilen der Welt genießt sie sogar einen ausnehmend guten Ruf. Doch hierzulande ist der Ekel meist groß. weiterlesen


Im Angesicht des Todes

Über den Umgang mit einer unerbittlichen Macht

Von Cornelia Kurth Mit dem Tod lässt sich nicht scherzen. Wer mit ihm verhandeln oder ihn überlisten will, wer einen Flirt versucht oder einen Kampf, wird immer verlieren. Anders als der vielgestaltige Teufel ist der Tod auch in unseren Märchen und Sagen eine eher anonyme und dabei unerbittliche Macht. Dass er oft als ein „Schnitter“ daherkommt, als „Sensenmann“, ändert daran wenig. So, wie ein Bauer ungerührt sämtliche Blumen und Gräser auf der Wiese, sämtliche Ähren auf einem Kornfeld abmäht, so mäht der Schnitter Tod unterschiedslos alle Menschen um. weiterlesen


Im Märchenwald

Der einzigartige Zauber des Urwaldes Sababurg

Wald ist Wald. Oder etwa nicht? Ob dichte Buchen, seltene Eichen- oder lichtere Fichtenwälder: Den Deutschen wird von jeher eine besondere Beziehung zum Wald nachgesagt. Er gilt als Sehnsuchtsort, als Ballungsraum schwärmerischer Gefühle. weiterlesen


Im Reich der Alraune

Von Liebesäpfeln und Wurzelmännern, betörenden Düften und großem Geschrei

Von Peter Weber Es gibt Pflanzen, die kommen gut ohne ihr übernatürliches Beiwerk aus, das ihnen die Menschheit angedeihen lässt. Bei der Alraune allerdings erscheint das schier unmöglich, sie ist eine „Zauberpflanze“ schlechthin. Kulturen- und zeitenüberdauernd, verkörpert sie ein geheimnisvolles Wesen, dem in der Kürze kaum beizukommen ist. weiterlesen


Im „Spukhaus“ soll ein Mönch umgehen ...

Unheimliches in Hamelns Altstadt

Donnernd schlägt ein schwerer Torflügel zu: Das Geschirr in der Küche klirrt, der volle Wassereimer schwappt über. Und irgendwann geistert auch ein unheimlicher Mönch durchs Haus. Keine Frage: Hier spukt’s! Was sich liest wie das Script zu einem Gruselfilm ist ein Bericht von Elsbeth Best zur „St.-Jodokus-Kapelle“. Und die stand nicht etwa in einem Hollywood-Studio, sondern mitten in Hamelns Altstadt, in Nachbarschaft von Redenhof und Spritzenhaus. Hamelns „Spukhaus“, belegen historische Quellen, ist kein Spuk. weiterlesen


In der Welt der Zwerge

Von Kobolden und Unterirdischen

Von Dorothee Balzereit Sie sind klug und geschickt und heilkundig. Habgierig, hinterlistig und grausam. Grummelig, aber treu. Und berühmt sind die Zwerge für Waffenschmiedekunst. Klein, meist uralt, verrunzelt und mit einem Bart bis zu den Knien entsprechen sie nicht gerade dem männlichen Schönheitsideal – egal welcher Zeit. Vielleicht waren sie des erfolglosen Werbens müde und haben sich deshalb darauf verlegt, Frauen zu rauben. Das zumindest sagt man ihnen nach. Der Entführten war immerhin ein schönes Fest beschieden, denn feiern können Zwerge gut, und Hochzeiten stehen besonders hoch im Kurs. Mit reichlich Speisen, viel Bier und noch mehr Hunger und Durst. weiterlesen


Ist die Kirche der Rattenfänger?

Psychiater untersucht die Sage aus ganz neuer Perspektive – und rückt Inquisition als Motiv in den Blick

Von Dorothee Balzereit War es möglich, 130 Menschen einfach so verschwinden zu lassen? „Ja“, sagt Stefan Joost. Die Möglichkeit einer Massenbeseitigung hat der Gießener Psychiater und Psychotherapeut sowohl in Bezug auf das Verschwinden der Hamelner Kinder im Jahr 1284 als auch auf die Rattenplage in der Hamelner Sage untersucht. Und zwar in einer umfangreichen wissenschaftlichen Arbeit aus psychologischer Sicht, an der Joost seit etwa vier Jahren arbeitet. Es ist eine Perspektive, die es in Forschungen zur Sage so noch nie gab. Letztes Wochenende hat er seine Ergebnisse einem wissenschaftlichen Zirkel der Grimm-Gesellschaft vorgestellt. weiterlesen


Jäger in Märchen und Sagen

Mal gut, mal böse und wild, aber immer stark

Von Cornelia Kurth Groß, finster und unheimlich ist der Märchenwald, ein Ort der wilden Tiere und Zauberwesen. Wer sich in seine Tiefen wagt, ist entweder ein Abenteurer oder auf der Flucht – mit einer Ausnahme: dem Jäger. In jedem fünften Märchen der Brüder Grimm spielen Jäger eine Rolle. Anders als heute, wo sich die Jagd der Kritik ausgesetzt sieht, dass sie in einer der letzten heilen Naturwelten unnötigerweise den Tod verbreite, kommen die Jäger im Märchen fast immer ziemlich gut weg, als Wegweiser für Verirrte, Retter für Verfolgte oder Verweigerer von Befehlen einer bösen Königin. weiterlesen


Kamille sei Dank

Von Hausmitteln und alten Heilmethoden – Einblicke in die dörfliche Heilkunde des Weserberglandes

Von Wilhelm Gerntrup   Weit mehr als tausend Medikamente stehen kranken und leidenden Zeitgenossen heutzutage zur Verfügung – verschrieben, verkauft und verabreicht von hoch spezialisierten Ärzten, studierten Apothekern und in Hightech-Krankenhäusern. Solche Verhältnisse hätten sich unsere Altvorderen noch nicht einmal im Traum vorstellen können. Bis vor gut einem halben Jahrhundert nahm sich die medizinische Versorgung – gemessen an heutigen Maßstäben – geradezu dürftig aus.     weiterlesen


Kleine Geschichte des Glücksspiels

Von Pharaobank und Würfelglück in Wirtshäusern

Von Wilhelm Gerntrup Ob beim Karten- oder Würfelspiel, im Casino, beim Pferderennen, per Lottoschein oder beim (Internet-) Poker – der Wunsch, einen unverhofften Glückstreffer zu landen, gehört zu den größten und ältesten Sehnsüchten der Menschheitsgeschichte. Die Erfolgsaussichten sind bekanntlich gering. Mehr noch. Millionen von Männern, Frauen und Familien sind am unbezähmbaren Wunsch nach dem schnellen Geld zugrunde gegangen. Das hat nicht zuletzt mit der Reaktion der Obrigkeit zu tun. Nicht selten wurde versucht, der Sucht mithilfe halbherzig-widersprüchlicher Gesetze und Appelle beizukommen. weiterlesen


Kleines Bestiarium

Untiere und Monster, wie sie seit Jahrtausenden unsere Fantasie bevölkern

Von Richard Peter Unser Jahrtausende altes Bestiarium, das so fantasievoll und vielgestaltig unsere Welt bevölkert – nichts als das Spiegelbild menschlicher Ängste. Und die Lust am Grusel. Drachen vor allem, die Sinnbilder des Chaos, auch als südliche Varianten mit Lindwurm und alpinem Tatzelwurm. Möglich, dass sich Bilder von Flugechsen aus der Zeit der so realen Saurier sich als nebulöse Erinnerung bei unseren Ururvätern ins Hirn gebrannt haben und erzählend am knisternden Feuer in Urhöhlen weitergegeben wurden. Drachen, meist geflügelt mit Adlerklauen oder Löwenpranken, die dazu noch beeindruckend Feuer speien konnten – Fabelwesen vieler Kulturen. weiterlesen


Kultstätte Externsteine

Felsformation mit magischer Anziehungskraft

Von Gabriele Laube Wenn am 21. Juni der längste Tag in die kürzeste Nacht übergeht, werden die Externsteine im Teutoburgerwald wieder zum Anziehungspunkt für Tausende Pilger und Neugierige. Viele ungelöste Rätsel umwehen die Kultstätte, zahlreich wie Sandkörner entspringen Mythen, Sagen und Geheimnisse den düsteren, bizarr zerklüfteten Externsteinen und geben Historikern, Esoterikern, Astrowissenschaftlern und Touristen Rätsel auf. weiterlesen


Legende von der Schlacht im Süntel

Am Hohenstein besiegte Sachsenherzog Widukind vor 1200 Jahren die Franken

Sie kämpfen aus Hass, Gier und Neid, wir verteidigen unsere Götter, unser Leben und unsere Freiheit!“, schrie Sachsenherzog Widukind seinen Männern zu. „Siegen wir, dann sind wir wieder ein freies Volk!“ Dann riss er die Faust hoch und stürmte mit blitzendem Schwert auf die feindlichen Reihen los. Dicht hinter und neben ihm mit wildem Gebrüll seine Kampfgefährten. weiterlesen


Männer mit glühenden Stangen

Sagen über Abpflüger, Grenzsteinfrevler und betrügerische Landvermesser

Von Uwe Pernack Eine der folgenreichsten Umbrüche in der Geschichte der Menschheit war die sogenannte Neolithische Revolution. In der Jungsteinzeit wurden Jäger und Sammler aufgrund dramatisch veränderter Umweltbedingungen zu Viehzüchtern und Ackerbauern. Dabei setzte allmählich eine individuelle Inbesitznahme von Grund und Boden ein. Was bis in die Gegenwart hinein zu einer Unzahl von Konflikten über die Festlegung und Markierung von Grenzverläufen geführt hat. Und in alter Zeit zu einer Vielzahl von Sagenbildungen. weiterlesen


Magie der Pflanzen

Die Kraft von Hauswurz, Johanniskraut und Co.

Von Jens Meyer Eine karge Unterlage, im Grunde nicht mehr als ein Häufchen elendiges Erde-Sand-Geröll-Gemisch, reicht der Hauswurz (Sempervivum) zum Glücklichsein. Ein Asket, wie wahr. Robust bis zu den Wurzeln. Kleine Blütlein entwickelt die Hauswurz, doch ihr wahrer Wert liegt im außergewöhnlich gleichmäßigen Wuchs, Rosette für Rosette. Magisch, dieser Anblick, diese Pflanze, dieses Geschöpf. Das wussten schon die alten Römer, aus derer Mitte sich ein irrwitziger Aberglaube schälte, wonach überall dort, wo eine Hauswurz auf dem Dach wuchs, der Landeplatz für die auf einem Besen angesauste Hexe bereits vergeben war. Die Hauswurz galt als Schutz vor Hexereien und Magie. weiterlesen


Mehr Ding' zwischen Himmel und Erde

Weissagungen und Prophezeiungen: Was wohl die Zukunft so in Petto hat

Von Richard Peter  „Am 30. Mai ist der Weltuntergang“ - und folglich: „wir leben nicht mehr lang“. Die vielleicht sympathischste, auch witzigste Prophezeiung überhaupt. Fast schon verspielt genial – auch wenn es nur ein Schlager ist: und der verzichtet wohlweislich auf eine Jahreszahl. „Doch keiner weiß in welchem Jahr“ - und wenn man glaubt, was Experten berechnet haben und sich unsere alte Erde noch rund 500 Millionen Jahre in ihrem jetzigen Zustand durchs All und um die Sonne dreht – die Chancen stehen nicht schlecht fürs Überleben. Für uns wie für die Weissagung mit ihren Treffer-Quoten. „Und das ist wunderbar“ wie es sich aufs nicht genannte „Jahr“ reimt. weiterlesen


Mein Lieblingsmärchen ist...

Prominente erzählen, was sie früher am liebsten gehört haben

Wohl fast jeder hat ein Märchen, an das er sich besonders gut erinnert. Einige Prominente haben uns erzählt, an was sie sich besonders gut erinnern, was sie wichtig finden oder einfach besonders gern mögen weiterlesen


Mord vor dem Neuen Tor

Starb 1761 ein Bauer durch die Hand eines Soldaten? / Erkenntnisse über eine fast vergessene Geschichte

Von Ulrich Behmann Es gibt frei erfundene Geschichten und archivalisch belegte Geschichte, Sagen, die immer ein Fünkchen Wahrheit enthalten, und mündlich weitergegebene Erzählungen oder Märchen. Wird heute von einer Begebenheit aus früherer Zeit berichtet, ist häufig unklar, was davon stimmt und was im Laufe der Jahrhunderte hinzugedichtet wurde. Die Dewezet ist einem Text über ein mutmaßliches Verbrechen nachgegangen, der sich in dem bei CW Niemeyer erschienenen Buch „Sagen und Erzählungen“ befindet. Es geht um einen „Mord im Siebenjährigen Krieg“, der sich am 20. Dezember 1761 vor dem Neuen Tor in Hameln ereignet haben soll. weiterlesen


Mysterium Hohenstein

Sagenhafte Klippen - Von Weißen Hirschen und Bannflüchen

Von Nicole Trodler Nach dem Aufstieg zu den Klippen ist der Grüne Altar das erste Felsmassiv, das der Wanderer erreicht. Danach kommt die Teufelskanzel und als dritter Hohensteinfelsen der Hirschsprung. Dieser darf jedoch nicht mehr betreten werden. Die Kanzel ist abbruchgefährdet und liegt im abgesperrten Naturschutzgebiet.Grüner Altar, Teufelskanzel, Hirschsprung – die Namen der Klippen des Hohenstein sind klangvoll und lassen gleich abenteuerliche Geschichten in den Köpfen phantasiebegabter Menschen entstehen. Und tatsächlich: Auch um den Hirschsprung und die Teufelskanzel ranken sich Legenden. weiterlesen


Mystischer Vollmond 

Sein Licht bringt Menschen sicher heim, steuert die Gezeiten, lässt Werwölfe heulen 

      Viele leiden unter schlaflosen Nächten, wenn der Mond mit ganzer Stärke ins Schlafzimmer leuchtet. Sich im Bett herumwälzend fällt es leicht, seinen Kräften die Schuld dafür zuzuschieben.    weiterlesen


Rebellen auf dem Weg zur Alters-WG

Die Bremer Stadtmusikanten: Aufstand einer Rentner-Gang

Von Richard Peter „Die Bremer Stadtmusikanten“– eines der traurigsten, gleichzeitig aber auch hoffnungsfrohsten Märchen der Brüder Grimm – ein Paradoxon ähnlich wie Kleists Formulierung im „Michael Kohlhaas“ von dem es heißt „...einem der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit“. Vier Alte, die ausgemustert werden, ihr Leben verlieren sollen, weil sie nichts mehr einbringen, nur noch nutzlose Fresser sind, schließen sich zusammen, weil sie „etwas Besseres als den Tod“, wie es heißt, „allemal finden“. Das gibt Mut, dieser Aufstand der Alten – so eine Art frühe „Graue Panther“, die sich nicht abfinden mit ihrem Schicksal. Aufbegehren. Rebellen auf dem Weg zur Alters-WG. weiterlesen


Sagen vom Steinhuder Meer

Schauspielerin Christiane Hess, die Zwerge und das Steinhuder Meer

Von Dorothee Balzereit „Zieht ein Fischer seine Fischreuse aus dem Steinhuder Meer: Hängt da drin ein platter, toter Zwerg – was ist hier geschehen?“ Schauspielerin Christiane Hess vom Theater am Barg legt die Stirn in Falten, fixiert das Publikum und schiebt dabei ihr Kaugummi im Mund von links nach rechts und wieder nach links. Langsam wendet sie sich ab, legt Kleidungsstücke und eine Perücke auf den Tisch, das einzige größere Requisit bei ihrem Auftritt auf der Hinterbühne in Hannover. Hess, früher auch in Hameln als Theaterpädagogin tätig, spielt das Stück „Die letzte Zwergin vom Steinhuder Meer“ aus ihrem Programm „Götter, Glocken, Gläubige“. Im Mittelpunkt stehen Sagen aus der Region Hannover und dem Weserbergland. weiterlesen


Sagenhafte Scheine

Notgeld aus dem Weserbergland / Zeitzeugnisse und Sammlerobjekte aus einer chaotischen Zeit

Als die Inflation am Ende des Ersten Weltkrieges voll durchschlug und Geldhamsterer anfingen, metallene Münzen zu horten, ließ man sich in Hameln etwas Besonderes einfallen: Man druckte das Motiv der Rattenfängersage auf das papierne Notgeld - und schuf so eine neue Einnahmequelle, denn die Scheine waren bei Sammlern äußerst beliebt. Andere Städte im Weserbergland folgten dem Beispiel weiterlesen


Sagenhafte Weser

Zeugnisse einer vergangenen Glaubens- und Vorstellungswelt

Von Uwe Pernack Wenn von Wesersagen die Rede ist, wird damit für gewöhnlich die Gesamtheit der Sagen des Weserberglandes benannt. Genau genommen dürfte aber mit diesem Begriff nur die kleine Anzahl jener Sagen bezeichnet werden, denen vor allem die Weser als Stoff für Erzählungen dient. Sie geben Aufschluss über die Glaubens- und Vorstellungswelt der einstigen Bewohner des Oberen Wesertales. weiterlesen


Schätze im Köterberg?

Von Gold und Silber tief im Inneren

Von Joachim Zieseniss Der Köterberg gilt mit seinen 500 Metern über dem Meeresspiegel volkstümlich als der „Brocken“ im Weserbergland und wird als höchsten Berg im Weserbergland beworben. Was aber genau genommen nicht so stimmt. Ist doch der Solling auf der anderen Weserseite mit seiner höchsten Erhebung 527,8 Meter hoch. Als freistehender Berg und mit seinen heutigen Sendemasten ein markanter Orientierungspunkt, hat der Köterberg jedoch immer eine besondere Bedeutung für das Weserbergland gehabt. weiterlesen


Selbst Goethe staunte über Externsteine

Geheimnisvoll und überirdisch schön

Karl der Große soll hier schon gewesen sein und im Jahre 772 bei seinen Bestrebungen, die Sachsen zum Christentum zu bekehren, das Heiligtum des hier lebenden Volkes, die so genannte Irmensäule, zerstört haben. Und auch der glücklose römische Feldherr Varus soll auf dem Weg in die nach ihm benannte Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9 n. Chr. an den Steinen vorbeigekommen sein. weiterlesen


Sieben Kinder zur gleichen Zeit

Der Hamelner Siebenlinge-Stein und seine Deutungen

Geburt und Tod liegen in der Frühen Neuzeit dicht beieinander. Die Kindersterblichkeit ist hoch. Die am Morgen des 9. Januar 1600 geborenen Mehrlinge von Thiele Römer und seiner Frau Anna Breyer sterben noch am Mittag desselben Tags. Die ursprüngliche Grabinschrift spricht von „zwey Knäbelein und zwey Mägdlein“, die immerhin noch die Nottaufe erhalten. Die Geburt von Vierlingen ist auch für diese Zeit sehr ungewöhnlich. Im Lauf der Jahrhunderte entsteht aber die Legende, es habe sich sogar um Siebenlinge gehandelt. Zu sehen sind nämlich sieben tote Kinder. Üblicherweise werden alle Nachkommen einer Familie – lebende und schon verstorbene – auf einem solchen Epitaph dargestellt. Vermutlich sind also schon vor der Mehrlingsgeburt drei Kleinkinder verstorben. Die Legende wirkt jedoch so stark, dass man Anfang des 19. Jahrhunderts die Grabinschrift ändert: Aus zwei Mädchen werden fünf. weiterlesen


Spieglein, Spieglein...

Der märchenhafte Erfolgsstory von Schneewittchen und den sieben Zwergen

Von Wilhelm Gerntrup Der Wettstreit trägt skurrile Züge: Mindestens vier deutsche Gemeinden wetteifern darum, die Heimat von Schneewittchen und den sieben Zwergen zu sein. Wer das für einen bloßen Reklamegag hält, wird eines Besseren belehrt. Auch in Märchen stecke oft ein Fünkchen historischer Wahrheit, so die Befürworter. weiterlesen


Spuk in der Ruine

Die unheimliche Lutterburg in Bodenwerder

Von Joachim Zieseniss Geradezu märchenhaft ist der Stoff, der Anfang des vorigen Jahrhunderts am steilen Hang des Hopfenberges südlich von Bodenwerder architektonische Form annahm: Der jenseits des großen Teichs steinreich gewordene deutschamerikanische Industrielle Ernst-Theodor Büttner kommt 1908 nach „Good old Germany“ zurück. Und da, anders als für die Menschen in der rund vier Kilometer entfernten Münchhausenstadt, Geld für ihn keine Rolle spielt, baut er in seinem sagenhaften Reichtum hoch über der Weser ein Traumschloss als Ruhesitz. Deutsche Prominenz geht fortan in der Villa auf dem über 21 Hektar großen, steilen Hanggelände, das der Bauherr hatte terrassieren lassen, ein und aus. Bodenwerderaner haben nur als Personal Zutritt, staunen aus der Ferne und bringen sporadisch Nachrichten über den gesehenen Luxus mit in die Weserstadt. weiterlesen


Supermann Siegfried

Unsere deutschen Heldensagen haben viele Nachfolger

Von Richard Peter Uns ist in alten maeren wunders vil geseit“ – damit beginnt das „Nibelungenlied“, das als der „Nibelungen Not“ endet. Sozusagen in Etzels Schlachthaus irgendwo in Pannonien. „Der Rest ist Schweigen“ – ähnlich wie in Shakespeares „Hamlet“. Erzählt wird in dem vielleicht größten mythologischen Stoff der Literaturgeschichte eine Vielzahl überlieferter Geschichten, die immer wieder neu erzählt, verändert, miteinander verwoben, schließlich um 1200 am bischöflichen Hof in Passau als „Nibelungenlied“ festgeschrieben wurden. weiterlesen


Tanz, Glühwürmchen, tanz

Jetzt im Frühsommer haben Glühwürmchen ihren glanzvollen Auftritt

Von Gabi Laube Glühwürmchen gelten als Magiere unter den Insekten, ihre Show beginnt in der Dämmerung einer Mittsommernacht. Funkelnden Perlen gleich schwirren die Johanniskäfer auf ihrer gefährlichen Partnersuche im Garten umher. Die winzigen Geschöpfe betören mit ihrem Auftritt nicht nur ihre Braut; ihre kurze Lebensgeschichte rund um Liebe, Leid und Lust inspiriert auch Menschen zu künstlerischen Werken. Die Mythologie sagte den „Irrwischen“ nach, Unheil zu bringen. Selbst das Sterben der Popstars unter den Käfern beginnt – mit einem Leuchten.     weiterlesen


The Walking Story

Über den Zombiefilm als moderne Wandersage

Von Uwe Pernack Die US-Serie „The Walking Dead“ geht ab Montag in die siebte Runde. Seit der ersten Staffel 2010 beschert die Adaption der gleichnamigen Comicbuchreihe von Robert Kirkman und Tony Moore den Machern Einschaltrekorde – und zwar nicht nur in den USA. Dem Start des Zombie-Epos fiebert auch hier eine große Fangemeinde entgegen. Sein Reiz liege vor allem in den Beziehungsmustern der ewig gestressten Figuren, begründen die Macher den Erfolg. Doch was wären sie schon ohne die gruseligen Zombies? Und wem ist eigentlich bewusst, dass die Serie und auch andere Zombiefilme sich alter Sagenelemente bedienen? Ein gruseliger Rückblick. weiterlesen


Umfangen von den Rauhnächten

Von Dorothee Balzereit Wenn sich die Zeit der dunkelsten, tiefsten Nacht des Jahres nähert, stehen die Rauhnächte vor der Tür. Jene sagenumwobenen 12 Nächte, die eine mystische Übergangszeit zwischen den Jahren bilden. Es ist eine Zeit zwischen der Zeit, in der sich die Tore zu einer anderen Dimension öffnen. Das „Wilde Heer“ tobt durch die Lüfte, Frau Holle geht um und Orakel erlauben einen Blick in die Zukunft. Früher sagten die Leute, dass in dieser Zeit die Geister Ausgang haben. weiterlesen


Und ewig lockt das Weib

Von Lust, Leidenschaft und Verführungskunst in Märchen und Sagen

 Von Dorothee Balzereit   Die Frauen sind schuld. So wird es beschrieben, seit Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben wurden. Weil sie nicht der Versuchung widerstanden, vom Apfel zu naschen. Natürlich war das Evas Idee. Auch in einem anderen Naturparadies, in Neuguinea, sind Frauen in der Fantasie von Männern von sexueller Unersättlichkeit und nur durch soziale Maßregelung davon abzuhalten, diese ins Verderben zu reißen. weiterlesen


Und schon war es wieder Scheiße

Klo-Bräuche und die Verbindung von Kot und Geld in Anekdoten, Sagen und Märchen

Von Cornelia Kurth „Scheiße sagt man nicht“ heißt eine Ausstellung im Freilichtmuseum Detmold, die noch bis Ende Oktober 2016 über den Schüsselrand schaut und Interessantes aus der Kulturgeschichte der Toilette erzählt. Auch in Märchen und Gebräuchen ist das stille Örtchen und der Gang zum Klo eine feste Größe. Eine nicht ganz so stille Betrachtung. weiterlesen


Undines Geheimnis

Woher Fouqué die Inspiration für seine Geschichte nahm

Die tragische wie romantische Geschichte von Fouqués „Undine“ ist folgende: Das junge Mädchen Undine strandet bei einem armen Fischerehepaar, das auf einer einsamen Seespitze lebt. Sie ist übermütig und vorlaut, aber ebenso anmutig und liebenswert. Eines Tages kommt ein Ritter namens Huldbrand durch den märchenhaften Wald in die verlassene Hütte. Er kann Undines Charme nicht entkommen und heiratet sie. weiterlesen


Ungeheuerlich

Der furchteinflößende, kämpferische und neuerdings freundliche Drache

Von Cornelia Kurth Wie niedlich Drachen doch sein können. Sie heißen Grisu und Kokosnuss, Tabaluga, Nepomuk und sogar „Hab-mich-lieb“. Gemeinsam ist diesen Kinderbuch-Drachen, dass sie genau das Gegenteil ihrer ursprünglich so furchteinflößenden Vorfahren sein wollen. Da werden keine Prinzessinnen geraubt, keine Menschen gefressen und schon gar nicht erscheinen Drachentöter, die sie heldenhaft töten. Diese Drachen sind Freunde der Menschen – das ist wirklich neu. weiterlesen


Unschuldig als Hexe ertränkt

Die Sage von der Blutlinde in Frank Suchlands Version

Von Dorothee Balzereit Früher wurden sie mündlich überliefert, und als die Märchen und Sagen aufgeschrieben wurden, hatten sie bei vielen Familien ihren festen Platz im Bücherschrank. Heute muss das Genre sich zwischen vielen anderen behaupten. Da haben es vor allem die Sagen nicht ganz einfach, bei deren Weitergabe weniger auf Fantasie und Stil geachtet wurde, als auf die wahrhaftige Verortung, die handelnden Personen und das detailgetreue Geschehen. weiterlesen


Unter Nixen und Wassermännern

Was im bewegten Element so los ist

Von Wilhelm Gerntrup Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser; aus Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück“, erkannte der große griechische Philosoph und Naturwissenschaftler Thales von Milet vor zweieinhalbtausend Jahren. Ob und wie viele Menschen es damals schon in der hiesigen Wesergegend gab und wie sie es mit dem wundersamen Nass hielten, weiß man nicht. Sicher ist jedoch dies: so poetisch wie der weise antike Gelehrte konnten sie ihre Erfahrungen mit der Quellflüssigkeit nicht in Worte fassen. weiterlesen


Unter unheimlichen Sonnen

Geheimnisvolle Himmelserscheinung während der Schlacht bei Oldendorf

Von Wilhelm Gerntrup Mehr als 7000 Mann kamen im Juli 1633 in der Schlacht bei Hessisch Oldendorf ums Leben. Und doch gab es an diesem Tag etwas, das viele Menschen mehr erschreckte: Die Sonne war plötzlich nicht mehr allein, sie hatte „Nebensonnen“. Heute wissen wir, dass es sich bei dem Himmelsphänomen um eine sogenannte Halorscheinung handelte. Hervorgerufen wird sie durch dünne Wolken von Eiskristallen, in die das Sonnenlicht in einem bestimmten Winkel ein- und wieder austritt. An diesem dramatischen Tag im Juli 1633 hielten die Menschen es für ein Zeichen des Himmels.  weiterlesen


Versprochen ist versprochen

Der Froschkönig – oder wie Vaters Vorzeigepüppchen zur Frau wird

Von Richard Peter Mit einem goldenen Ball fängt alles an im Märchen „Der Froschkönig“. Mit ihm spielt die jüngste und hübscheste Tochter des Königs unbefangen am Brunnen im Wäldchen, weil es dort angenehm kühl ist, wenn die Sonne vom Himmel brennt. Dieselbe Sonne, die sich über die Anmut, den Liebreiz und die Schönheit der Kleinen immer wieder verwundert, sooft sie ihr ins Gesicht scheint, obwohl sie doch so vieles schon gesehen hat, wie es heißt. Und mit dem goldenen Ball, den sie gerne in die Höhe wirft, wenn sie Langeweile hat, kommt schließlich alles ins Rollen. Denn einmal kann sie ihn nicht fangen, der Goldball schlägt auf die Erde und rollt ins Brunnenwasser. Und das ist „so tief, so tief“, dass die Königstochter keinen Grund sieht. weiterlesen


Vom Draht nach drüben

Ich sehe tote Menschen“, flüstert der kleine Cole im Film „The Sixth Sense“ seinem Psychologen Bruce Willis zu. Manch einer sieht sie nicht nur, er möchte auch mit den geistigen Wesen kommunizieren. Von Erscheinungen oder Praktiken, die heute als „paranormal“ bezeichnet werden, wird schon in der gesamten Kulturgeschichte berichtet: Geisterbeschwörungen sind eine alte und in vielen Religionen verbreitete Praxis, Ahnen und Orakel werden schon seit Jahrtausenden um Rat gefragt. weiterlesen


Vom verzauberten Arminius

Einer alten Sage nach wohnte der germanische Held auf der Herlingsburg

Von Manfred Willeke Als einer der mystischsten Orte des Weserberglands gilt die Herlingsburg oberhalb von Lügde. Einst befand sie sich irgendwo auf dem Plateau des Keuperbergs, einem rund 334 Meter hohen Bergkegel. Um 200 vor Christi entstand hier eine germanische Burg, die von ein oder zwei Familien durchgängig bewohnt war. Angeblich soll sogar Arminius beziehungsweise Hermann der Cherusker dort gewohnt haben. Nach einer alten Sage ist er von Zwergen verzaubert worden und wartet im Berg, umgeben von sagenhaften Schätzen und uralten Weinen, auf die glorreiche Zeit, in der er wieder hervortreten kann. weiterlesen


Von Blutrinnen und Wolfsmond

Heimatforscher Rudi Wallbaum und seine Lieblingssagen von Wölfen und einer ganz besonderen Tischplatte

Von Dorothee Balzereit In jeder Region gibt es Menschen, denen die Heimatkunde besonders am Herzen liegt. Die Geschichten sammeln, Sagen und Daten. Die versuchen zusammenzufügen, was droht, in Vergessenheit zu geraten. Sie vergleichen Fakten, recherchieren und mischen sie mit Logik und Vorstellungskraft und leisten damit wertvolle Arbeit für die Nachwelt. Wir wollen diese Menschen vorstellen und zu „Sagenpaten“ machen, die auch die Geschichten unserer Leser sammeln. In diesem Artikel geht es um Rudi Wallbaum, Heimatkundler aus Fuhlen. weiterlesen


Von den Riesen Esegir und Haniel

Liebesdrama am Süntel – der Hülsenfrüchte wegen

Esegir und Haniel waren zwei sagenhafte Riesen, auf deren Streit die Entstehung der "Teufelskanzel" am Hohenstein im Süntel zurückgeht. Es ging um Liebeswerbung und um einen Diebstahl, und zugleich erzählt die Sage von zwei riesenhaften Jungen, die von der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen wurden.   weiterlesen


Von der bösen Kunst

„Gott grüße dich, du edles Reis“ - Einblicke in die Welt der Wünschelrutenläufer

Von Wilhelm Gerntrup „Es ist dieses eine alte böse Kunst, welche in diesen letzten verderblichen Zeiten besonders ihr Haupt empor hebet, und sich der Welt als ein allwissendes Oraculum aufdringen will“ schimpfte vor gut 300 Jahren der sächsische Theologe und Schriftsteller Johann Michael Weiß. Mit der „alten bösen Kunst“ war die allerorten in Mode gekommene „Wünschelruten-Wahrsagerey“ gemeint. Um dem abergläubischen Treiben ein Ende zu machen, schrieb Weiß „aus Liebe zur Wahrheit und der fürwitzigen Welt zur Warnung“ ein 670-seitiges Aufklärungsbuch. Schon der Titel des 1704 gedruckten Werks machte Absicht und Inhalt klar: „Entlarvete Idolum der Wünschel-Ruthe“. weiterlesen


Von Hexensalben und Narkotika

Die Macht der Kräuterweiblein

Von Viktor Meissner Natürlich ging das einfache Volk bei Beschwerden aller Art nicht zu den studierten Ärzten, die konnte es sich gar nicht leisten. Hatte doch fast jedes Dorf, jede Stadt eine heilkundige Person mit pharmazeutischen Grundkenntnissen, bei der man auch allerlei Amulette und Zauber bestellen konnte. weiterlesen


Von Kreuzsteinen, Mordkreuzen und Sühnezeichen

Einblicke in die sagenumwobene Geschichte der Steinmale

Von Wilhelm Gerntrup Steinkreuze, Kreuzsteine und andere, oft abgelegen an Wegrändern, Böschungen oder unter Bäumen und Hecken gelegene Gesteinsblöcke und -Platten haben schon immer die Fantasie der Menschen beflügelt. Das hat vor allem mit den oft geheimnisumwitterten Hintergrundgeschichten zu tun. Manche der Steine wurden zur Erinnerung an die Opfer von tragischen Unfällen oder grausamen Verbrechen aufgestellt. Auf einigen sind Zeitpunkt und Anlass des Geschehens eingraviert. weiterlesen


Von Rittern und Räubern

Finstere Erzählungen über die Herren der Wälder

Von Maike Lina Schaper Im Wald da sind die Räuber – so beginnt ein altes Volkslied. Dicht bewachsene und schwer einsehbare Wälder galten schon immer als Rückzugsort für allerlei finstere Gesellen. Räuberbanden und Halsabschneider lehrten Reisende insbesondere an einsamen Wegen das Fürchten. Aber auch einstmals edle Adelsgeschlechter hatten sich auf Plünderungen und Wegelagerei verlegt. Selbst auf bedeutenden Handelsstraßen waren Kaufleute zeitweise nur in Gruppen sicher. Räuber und raubende Ritter waren damals eine reale Gefahr für Hab und Gut. Zustände, die prädestiniert sind für schillernde Sagen – auch im Weserbergland. weiterlesen


Von Untoten und Wiedergängern

Vom Baxmann, der einfach nicht sterben konnte

Von Annette Hensel Ein Friedhof, Ruhestätte für die Toten. Plötzlich galoppiert ein kopfloser Reiter aus einer Gruft, streckt sich eine Kinderhand aus einem Grab in die Höhe ... Gruselszenen solcher Art sind keine Hollywood-Erfindung. Bereits 1552 wird in einem Lied von Hans Sachs von der Hand eines toten Jünglings berichtet, der seine Mutter zu Lebzeiten misshandelt hat und aus dem Grab heraus nach ihr greift. Ähnlich verhält es sich bei „Das eigensinnige Kind“ der Brüder Grimm, zu dem sie anmerken, es sei Sage und Glauben, dass dem, welcher seine Eltern schlägt, die Hand aus der Erde wächst.Tote, die keinen Frieden finden und in die Welt der Lebenden zurückkehren, sogenannte Untote, Seelen- oder Wiedergänger, begegnen uns in Sagen und Märchen immer wieder. Dazu zählt auch der Hessisch Oldendorfer Baxmann, einer, der etwas auf dem Kerbholz hat und bei einem Lebensalter von 91 Jahren (im 17. Jahrhundert!) in den Augen der Zeitgenossen mit dem Teufel im Bunde stehen muss. Cordt Baxmann war Turmwächter und Stadtmusikant des Ortes, später Pächter des Ratskellers. Er soll Wanderer beraubt und getötet haben, Kornschmuggel und und andere Betrügereien sagte man ihm nach, die Menschen gehen dem Mann aus dem Weg. weiterlesen


Von uralten Rezepten

Zwischen Magie und Wissenschaft - Was von der Medizin unserer Vorfahren geblieben ist

„Warze alt. Warze kalt. Warze ab.“ Mit dieser Formel behandelt der Leiter der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie an der Justus-Liebig-Universität Gießen Patienten mit Warzen. Zusätzlich gibt Professor Uwe Gieler noch Kochsalzlösung auf die Warzen, die nach dem Verdampfen Salzkristalle hinterlässt. weiterlesen


Von Zwergen und Blendern

Kein Gold in Goldbeck, Graf lässt dennoch abbauen – und es gibt eine Sage vom kleinen Volk

Von Dorothee Balzereit In den Alpen sind sie weit verbreitet, in England, in Norddeutschland und natürlich auch im Weserbergland: die Zwergensagen. Auch in Goldbeck sollen einige Zwerge gelebt haben. Verwunderlich ist das kaum, denn es gab Bergbau dort, wie hiesige Forscher herausfanden. Und wo abgebaut wurde, war das kleine Volk nicht weit. Das Interessante: Es gab überhaupt keine wertvollen Bodenschätze bei Goldbeck – Graf Otto IV. von Holstein-Schaumburg täuschte den Abbau anscheinend vor, um sich Vorteile zu sichern. weiterlesen


Von Zwergen, goldenen Kugeln und Gerüchten

Die Geisterkegelbahn im Aerzener Lüningsberg

Von Sabine Brakhahn Aus Holz geschnitzte Tafeln weisen an den Ortseingängen von Aerzen auf die sagenhafte Geschichte des Ortes hin. Bittere Armut, große Liebe und heldenhafter Mut sind der Stoff, aus dem vor Jahrhunderten Geschichten entstanden, so wie jene Sage von den Zwergen im Lüningsberg und ihrer Geisterkegelbahn: Vor langer Zeit sollen Zwerge oder Geister – das weiß man heute nicht mehr so genau – nachts im Aerzener Lüningsberg auf einer Waldwiese gekegelt haben – und zwar mit goldenen Kegeln und Kugeln. weiterlesen


War der Rattenfänger ein Lokator?

Von der Theorie, dass die Hamelner Kinder mit einem Werber nach Osten zogen

Von Dorothee Balzereit Waren die 130 verschwundenen Kinder aus Hameln Siedler, die mit einem Lokator ("Platzmacher"), damals eine Art Siedluingsanwerber, gen Osten zogen? Wir haben versucht, uns in die Situation der Menschen damals hineinzuversetzen. weiterlesen


Warum wir erzählen

Menschen lieben Geschichten - weil sie der Schmierstoff der Gesellschaft sind

Von Dorothee Balzereit Dort ist sie ertrunken“, sagte meine Mutter, wenn wir an dem kleinen Teich unterhalb der Schaumburg vorbeikamen. Dem Mädchen, das man hineingeworfen hatte, habe man Wackersteine an Arme und Beine gebunden, um zu sehen, ob sie eine Hexe sei. Bleibe sie oben, sei sie eine Hexe, glaubte man früher. Das Mädchen ertrank. Zuvor hatte sie noch einen Lindenzweig in die Erde gesteckt: Wenn sie unschuldig sei, würde der Baum blühen, soll sie gesagt haben. Die Linde wurde riesig, ich bestaunte sie ehrfürchtig. weiterlesen


Was Engel so treiben

Himmelsthron in alle Ewigkeit - manchen Märchenfiguren ist das nicht genug

Von Cornelia Kurth Der Münchener Alois Hingerl weiß wie es im Himmel ist - langweilig. Er sitzt auf einer Wolke, singt zur Harfe Hosianna und von Bier und Schnupftabak hält Petrus ganz und gar nichts. Ludwig Thoma überspitzt mit seiner berühmte Erzählung „Ein Münchener im Himmel“ die volkstümlichen Vorstellungen und märchenhaften Beschreibungen von dem, was die Menschen im Himmel erwartet. weiterlesen


Wiederkehr des Lichts

Mit dem spätwinterlichen, keltischen Fest „Imbolc“ sind viele Bräuche und Sehnsüchte verbunden

Von Dorothee Balzereit Noch nicht Frühling, aber nicht mehr Winter, das ist die Zeit im Februar, in der einst das Kreuzviertelfest gefeiert wurde, auch Maria Lichtmess genannt. Es ist die Zeit, in der langsam wieder Leben in die Natur kommt und die Tage länger werden. Früher beobachteten die Bauern in dieser Zeit die Bären, denn wenn diese sich aus der Höhle wagten, war der Frühling nicht mehr fern. Als es keine Bären mehr gab, hielt man Ausschau nach dem Dachs und die Farmer in Amerika beobachteten das Waldmurmeltier. Als Lichtmess gilt dort der Murmeltiertag (Groundhog Day). Nach Samhain Anfang November und dem Wintersonnewendfest (Weihnachten), war Imbolc, auch Percht oder Fastnacht genannt, das dritte Fest im Jahreskreis der Kelten. weiterlesen


Wo der Tod „Zum Wohl!“ sagt

Sagen über mordende Wirte und höllische Gasthäuser

Von Uwe Pernack Es gab Wirte, bei denen hätten Reisende besser nicht einkehren sollen. Zum Beispiel im alten Griechenland bei einem gewissen Prokrustes. Kam ein Gast, wies er ihm entweder ein zu kleines oder ein zu großes Bett an. Dann machte er ihn ‚passend‘: Dem zu langen Gast hackte er Gliedmaßen ab, dem zu kurzen renkte er sie aus. So erzählt es jedenfalls eine Sage des Klassischen Altertums. Seither genießen Wirtinnen und Wirte in der Literatur, vornehmlich in Sagen und Märchen, einen eher zweifelhaften Ruf. weiterlesen


Wo die wilden Weiber wohnen

Zufluchtsort und Heimat für Hexen und Elfen

Von Peter Weber Die Einsamkeit des Waldes ist kein Ort, der nur den sagenhaften wilden Männern vorbehalten ist, auch zahlreichen weiblichen Wesen bietet er Aufenthalt, reich illustriert in Sagen, Märchen und Legenden. Er kann Zuflucht bedeuten, Rückzugsraum oder Heimstatt beseelter Natur und damit so unterschiedlichen Gestalten wie der heiligen Genoveva, finsteren Hexen oder zarten Elfen Unterschlupf bieten. weiterlesen


Wo sind nur die Hamelner Kinder hin?

Ein Fremder kam und ließ 130 junge Bürger verschwinden – auch nach 725 Jahren ist der mysteriöse Fall ungelöst

Jeder noch so abgebrühte Krimi-Kommissar müsste angesichts dieses Falles verzweifeln: 130 Personen ungeklärter Identität werden vermisst Die Hinweise auf ein Verbrechen sind vage und vom Hauptverdächtigen fehlt - abgesehen von ein paar sehr ungefähren beschreibungen - jede Spur. Die Frage, wer nun tatsächlich heute genau vor 725 Jahren als „Piper mit allerley Farve bekledet“ – so die Inschrift am Rattenfängerhaus – die Kinder aus der Stadt lockte, und wie diese dann „verloren“ gingen, gibt Forschern seit Jahrhunderten Rätsel auf weiterlesen


Wünschen hat auch mal geholfen

„Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, meine Frau, die Ilsebill, will nicht so, wie ich wohl will“

Von Cornelia Kurth Märchenzeit, das ist die „alte Zeit, wo das Wünschen noch geholfen hat“. Eigentlich. Denn immer mal wieder gibt es zwischen den vielen Geschichten, die damit enden, das „alles, alles gut“ wird, auch solche, die so gar nicht glücklich ausgehen. Oft sind es gerade die Märchen, in denen die Hauptpersonen sich etwas wünschen dürfen. Das ganze Leben stünde ihnen dadurch offen, doch die Chancen werden gründlich vermasselt. Wie etwa im Grimm´schen Märchen vom „Fischer und seiner Frau“. weiterlesen


Wunder gibt es immer wieder

Unerklärliches ist elementarer Bestandteil unseres Lebens

Man schreibt das Jahr 1500. Immer mehr Pilger drängen zum wundertätigen Bildstock oberhalb Münders an der Straße nach Springe. Opfergaben werden niedergelegt. Jahre später notiert der Stadtschreiber: „Der Priester aber (…) hat die Opfer, so täglich angefallen, fleißig aufgehoben und an demselben Orte eine schöne Kirche angefangen zu bauen. Zu Ehren der heiligen Anna, wozu ihm die Leute aus Münder und die Benachbarten gerne mit Andacht geholfen haben.“ 1506 ist die vorreformatorische Wallfahrtskirche fertig. Am 26. Juli findet die erste Wallfahrt statt. Heute liegt nur noch der Grundriss der „St. Annen-Kapelle“ als Bodendenkmal wenige Zentimeter unter der Oberfläche eines Ackers. weiterlesen


Wunder über Wunder

Worüber wir uns nicht weiter wundern sollten

Von Richard Peter Der Menschen Glaube an Wunder ist für Jean Paul „das große unzerstörbare Wunder“. Wen wundert’s. Schon im „Faust“ heißt es, „Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind“. Also strotzt es vor allem in der Bibel nur so von Wundern. Nicht nur in der Bibel – ganz generell und allemal im Glauben aller Völker. Ohne Wunder ist glaubensmäßig sozusagen „tote Hose“. Gelten sie doch als Offenbarung göttlicher Macht. Wer sonst, außer die Gottheit, könnte Naturgesetze ungestraft außer Kraft setzen – und gerade damit seine Göttlichkeit demonstrieren. weiterlesen


Wunschwelt Zaubertränke

Von Miraculix bis zu sehr heutigen Elixieren mit Abnehm-Versprechen

Von Richard Peter Wenn das nicht Comic-Idylle ist: Miraculix, der Druide des gallischen Dorfs mit dem Ehrentitel „Die Unbezwingbaren“ beim Mistel schneiden mit der goldenen Sichel in einer Baumkrone. Denn Misteln stiften nicht nur Ehen, wenn man sich zur Weihnachtszeit unter ihnen küsst – sie sind auch wichtigster Bestandteil des Zaubertranks, den der Druide braut, wenn es für sein Dorf gegen die Römer geht, die den unbezwingbaren Feind dennoch mit Zeltlagern umzingeln. Selbst Caesar musste sich da bei seinem klassischen Dreiklang mit „veni, vidi“ – also einem bescheidenen „kam, sah“ begnügen. Das „vici“, also „siegte“, musste er sich verkneifen. Vici mit Zungenbiss sozusagen. weiterlesen


Zankapfel Astrologie

Vom Reiz einer „Wissenschaft“, die Forscher bis heute entzweit

Von Dorothee Balzereit Löwen sind geborene Führernaturen, Zwillinge intellektuelle Luftikusse und Fische die Sensibelchen unter den Sternzeichen. Soweit die Deutung der Astrologie. Dass Persönlichkeitsmerkmale an der Sternenkonstellation zum Zeitpunkt der Geburt ablesbar sein sollen, wird nicht erst seit gestern bezweifelt. Fakt ist aber auch: Bücher über Astrologie verkaufen sich besser als solche über Astronomie. Diese hat seit jeher eine treue Anhängerschaft. In der Regel spaltet sie sich auf in Astrologie-Gläubige und interessierte Zweifler, die nicht an die Macht der Planeten glauben, aber trotzdem regelmäßig ihr Horoskop lesen. Im Mittelalter und vor allem in der Renaissance gehörte Astrologie zum Wissenskanon der Zeit. weiterlesen


Zauber und Wahrheit

Vom Walnussbaum und anderen magischen Pflanzen

Von Jens Meyer Geht es um die magische Wirkung von Pflanzen, wurden aus der Mitte verschiedener Gesellschaften und in unterschiedlichen Epochen wahrhaft hübsche Geschichten geboren, die nicht immer, aber oft mit Göttern zu tun hatten; die Sagen rund um die Walnuss machen da keine Ausnahme. Wohl dem, der einen Walnussbaum in seinem Garten stehen hat, denn der bis 30 Meter hoch wachsende Riese hält nach naturwissenschaftlichem Ermessen nicht nur Ungeziefer auf Abstand, sondern steht insgesamt für die naturgegebene Weisheit. weiterlesen


Zauberhafte Flötentöne

Musik im Rattenfänger als Mittel der Verführung

Von Dorothee Balzereit Womit verführen Verführer? Klar, sie brauchen Charisma, das ist wohl das Wichtigste und lässt sich nicht um die Ecke im Laden kaufen. Andere Hilfsmittel schon. Schöne Kleider, ein betörender Duft,ein sportliches Auto – die Liste der Mittel ist lang. Auch der Rattenfänger von Hameln hatte Hilfsmittel. Neben der bunten Kleidung hatte er eine Flöte, deren Melodie Ratten wie Menschen verzauberte. weiterlesen


Zauberhafte Rauhnächte

Was Fliegenpilze, Schweine und Räucherwerk mit Weihnachten und Silvester zu tun haben

Von Dorothee Balzereit Wenn sich die Zeit der dunkelsten, tiefsten Nacht des Jahres nähert, stehen die Rauhnächte vor der Tür. Jene sagenumwobenen 12 Nächte, die eine mystische Übergangszeit zwischen den Jahren bilden. Es ist eine Zeit zwischen der Zeit, in der sich die Tore zu einer anderen Dimension öffnen. Das „Wilde Heer“ tobt durch die Lüfte, Frau Holle geht um und Orakel erlauben einen Blick in die Zukunft. Früher sagten die Leute, dass in dieser Zeit die Geister Ausgang haben.Bei unseren Vorfahren galten die Nächte als etwas ganz Besonderes, man zog sich zurück, arbeitete nicht, verbrachte die Zeit mit der Familie und erzählte sich bei Kerzenschein Geschichten. Außerdem wurde mit Leidenschaft orakelt. Geister wurden wahlweise beschworen oder ausgetrieben. Die Rauhnächte galten als die geheimnisvollste Zeit des Jahres – kein Wunder, dass sich daraus eine Menge Rituale, Bräuche und natürlich Aberglauben entwickelten. Wir haben bekannte und weniger bekannte zusammengestellt - manche strotzend vor Aberglauben. Aber auch ein Freiraum, dessen Rituale einfach zum Nachdenken anregen. weiterlesen


Zauberkraft der Pflanzen

Machtvolle Bäume und heilende Kräuter

Von Cornelia Kurth Eine Bohne, die bis zum Mond wachsen kann; ein Strauch, dessen Nüsse kostbare Kleider enthalten; Rosen, die das Schloss der Märchenprinzessin umranken, und eine blaue Blume, die Liebe, Sehnsucht und das Geheimnis des Lebens symbolisiert - Pflanzen aller Art spielen eine große Rolle in Märchen und Sagen. Allen voran sind da die Bäume. Im Paradies wächst der „Baum des Lebens“ und der gefährliche „Baum der Erkenntnis“, die alten Germanen kannten den Weltenbaum „Yggdrasil“, und kaum eine Kultur existiert, in deren Mythologie es nicht ebenfalls einen „Weltenbaum“ gibt. weiterlesen


Zogen Hamelns Kinder nach Nordosten?

Die Spur führt nach Brandenburg

Von Michael Zimmermann Wo sind sie hin, die Kinder Hamelns, die angeblich im Jahr 1284 vom Rattenfänger aus der Stadt gelockt wurden? Unzählige Theorien gibt es rund um den historischen Kern der Sage. Auch an der Maas wollen Forscher Spuren aus dem Weserbergland entdeckt haben, schließlich klängen dort besonders viele Orte für heimische Ohren vertraut. weiterlesen


Zwischen Leichen und Lachern

Komik aus Sagen soll der Abnutzung des Genres Zombiefilm entgegenwirken

Von Uwe Pernack Das Zombie-Epos „The Walking Dead“ ist zurzeit eines der weltweit erfolgreichsten Unterhaltungsformate. Seine Fans fiebern dem in Bälde erfolgenden Start einer neuen Serien-Staffel entgegen. Gleichwohl ist eine allmähliche Abnutzung der Serie wie der des Genres Zombiefilm insgesamt zu beobachten. In einigen anderen themenverwandten Filmen und Serien wird daher versucht, mit Komik aus Sagen eine erstarrende Darstellungsform neu zu beleben. weiterlesen


„Ach, wenn mir’s nur gruselte“

Das Grimm-Märchen „Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“

Von Richard Peter Aus welchen Gründen auch immer: Es war eines meiner Lieblingsmärchen. Was von der Familie zwar akzeptiert, staunend zur Kenntnis genommen, aber eigentlich nicht verstanden wurde. Von mir vermutlich auch nicht. Immerhin, es wurde mir öfter vorgelesen als alle anderen Märchen von Grimm, Andersen, Hauff und Bechstein. Vielleicht war aber auch nur die Länge ausschlaggebend, die das Einschlafen erheblich hinauszögerte. weiterlesen


„Alte Taufe“ – ein germanischer Opferstein?

Direkt neben dem Kammweg, oben im Deister, befindet sich zwischen dem Nordmannsturm und dem Fernsehturm ein ganz besonderer Stein, dessen Vergangenheit manche Rätsel aufgibt. Es ist die „Alte Taufe“. In dem groben Felsstein befindet sich eine Mulde, in der sich beständig das ganze Jahr über Wasser befindet. Das geschützte Naturdenkmal hatte in der germanischen Zeit ganz besondere Bedeutung. weiterlesen


„Ein Land, das gegen unsere Füße liegt“

Exodus Hamelensis – über geheimnisvolle Höhlen und verlorene Namen / Spurensuche in Siebenbürgen

Von Julia Niemeyer und Ulrich Behmann Wohin sind sie entschwunden? Wo sind sie geblieben? Nach den Brüdern Grimm sind die Kinder der Stadt Hameln nach Siebenbürgen geführt und dort aus einer Höhle hervorgetreten. Dennoch sind die 130 Frauen, Männer und Kinder bis heute wie vom Erdboden verschluckt. Was ist dran an dieser Version der Rattenfängersage? Was spricht für Siebenbürgen – und was dagegen? weiterlesen


„Märchen sind nicht grausamer als das Leben“

Interview mit Märchenforscherin Ursula Heindrichs

Von Dorothee Balzereit Gelsenkirchen hört sich nicht nach Märchen an. Eher nach Realität zwischen Kohlenstaub und Stadion. Doch genau hier wohnt Märchenforscherin Ursula Heindrichs, zwar nicht „Auf Schalke“, aber „Auf Böhlingshof“. Heindrichs hat den größten Teil ihres Lebens mit Märchen verbracht, nur ihre Kindheit nicht. Zu denen kam die Philologin erst im Studium, weil sie „eine grundsätzliche Poesie mitbringen“. weiterlesen