Hintergrund

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Adelsdynastie mit bewegter Geschichte

Auf den Spuren der Freiherren von Münchhausen im Schaumburger Land

Stoff bot und bietet der mehr als 800 Jahre alte Clan  mehr als genug. Es dürfte weit und breit kaum eine andere Adelsdynastie geben, die ähnlich viel erlebt, durchlitten und/oder auf die Beine gestellt hat. Die Palette der im Stammbuch verewigten Persönlichkeiten weist eine ungewöhnliche Vielfalt an Berufen und Talenten aus. weiterlesen


Hexen, Teufel und Vampire

Schauergeschichten aus dem Schaumburger Land

Zu Halloween klopfen als Hexen, Teufel oder Vampire verkleidete Kinder an Türen und fordern Süßigkeiten. Geschnitzte Kürbisse und Plastikspinnen sollen für eine Grusel-Atmosphäre sorgen. Aber so richtig glaubt niemand an Geister. Oder doch? In Volkssagen aus Schaumburg und Norddeutschland wimmelt es jedenfalls nur so von Hexen, Teufeln und Untoten. weiterlesen


"Sage sieht mit anderen Augen"

Wie Erzählungen zwischen Poesie und Geschichte hin und her pendeln

Von Wilhelm Gerntrup  „Die Sage geht mit andern Schritten und sieht mit andern Augen, als die Geschichte dies thut“, schrieben 1816 die Grimm-Brüder Jakob (1785-1863) und Wilhelm (1786-1859) bei der Vorstellung ihres ersten Sammelbandes „Deutsche Sagen“. Sie (die Sagen) beinhalteten einen „gewissen Beigeschmack des Leiblichen, oder, wenn man lieber will, des Menschlichen, wodurch sie so mächtig und ergreifend auf uns wirken“. weiterlesen


Alle Dinge sind Gift

Vor allem Frauen wussten das zu nutzen

Von Richard Peter Gift und Frauen, das gehört schon immer zusammen. Warum das so ist? Ganz einfach: Weil sie von jeher ein enge Beziehung zu Kräutern hatten. In der Gemeinschaft war es ihre Aufgabe, sie zu sammeln. Sie waren es, die zwischen essbar und giftig unterschieden und Pflanzen als Heilmittel einzusetzen wussten. Nicht von ungefähr galten Kräuterfrauen als Hexen. Später landeten sie für ihr Wissen oftmals auf dem Scheiterhaufen. Angst spielte wohl eine Rolle. Und tatsächlich war der Giftmord eine sehr weibliche Methode, um sich zu wehren. Oder schlicht, um jemanden loszuwerden. Ein Blick in die Giftküche. weiterlesen


Auf Höhlentour

Der Entdecker der Schillat-Höhle erzählt

Von Annette Hensel Nebelschwaden machen sich bei klirrender Kälte im Süntel breit - ein Wetter das Hartmut Brephol liebt und bei dem er gerne unterwegs ist. Doch eines Tages stockt ihm der Atem, als unerwartet ein Mensch im Wald auftaucht, der auf den ersten Blick „wild aussieht“, weil seine Konturen im Nebel nicht scharf erkennbar sind. Diese Begegnung wäre idealer Stoff für die Brüder Grimm gewesen ... weiterlesen


Aus dem Herzen eines Riesen

Um die Süntelbuche ranken sich Sagen und Erzählungen

Von Barbara Jahn-Deterding Sie ist eine weltweite Rarität, ein Wunder der Natur, die rotblättrige Süntelbuche. Ein Exemplar dieser Buche, inzwischen etwa 40 Jahre alt, gedeiht prächtig auf einer Wiese am Parkplatz Kreuzsteinquelle oberhalb der Pappmühle bei Zersen. Die knorrigen Bäume mit den verdrehten Ästen haben botanische Namen wie Tortuosa, Suentelensis oder Suntalensis. Im Volksmund entstanden Namen wie Hexenbuche, Schirmbuche, Krüppelbuche, Struwwelpeterbuche oder Schlangenbuche für die ungewöhnlichen Bäume. Ob rotblättrig oder nicht, man erzählt über sie viele Sagen und Geschichten. weiterlesen


Aus dem Reich des Teufels

Die Kraft, die stets das Böse will

Von Cornelia Kurth Der Teufel hat so viele unterschiedliche Gesichter wie das Böse. Mal ist er ein hässlicher Kerl mit Gaunertricks, dann wieder erscheint er als mächtiger Dämon. Er macht sich an Menschen in Not ebenso heran wie er mit den Reichen und Herrschenden im Bunde steht. Für die Christen ist er das personifizierte Böse und Ursache für das Böse in der Welt, in Islam und Judentum dagegen dient der Teufel Gott, indem er die Frömmigkeit der Menschen auf die Probe stellt. Für manche umschwebt ihn die heroische Aura eines gefallenen Engels, und andere, wie etwa der Dichter Moliere, machen ihre Scherze: „Der Himmel dürfte aus klimatischer Sicht angenehmer sein als die Hölle“, sagt er. „Allerdings vermute ich, dass die Hölle in gesellschaftlicher Hinsicht weit interessanter ist.“ weiterlesen


Beltane - die schönste Zeit im Jahr

Druide Michel vom Berch erläutert, was Löwenzahn, Gundermann und Gamander Ehrenpreis kann

Beltane, Walpurgis, Maifeiertag: Vom 30. April auf den 1. Mai wird die Ankunft des Frühlings gefeiert – wild und ausgelassen, Beltane kann zweifellos als das erotischste aller heidnischen Feste bezeichnet werden. Am tollsten treibt man es der Sage nach auf dem Brocken im Harz. Vom Hexentanzplatz in Thale reiten die Hexen auf Besen, Mistgabeln, Schweinen oder Böcken zum Hexensabbat auf dem Brocken. Zuvor reiben sie sich mit “Hexensalbe” ein, die aus den narkotisierenden Stoffen von Tollkirsche, Nachtschatten und Schierling gewonnen wird. Dort tanzen sie im Kreis mit dem Rücken zueinander um das Feuer herum und küssen anschließend dem Teufel den Hintern, heißt es. Dann lassen sie sich mit dem Teufel vermählen, worauf dieser die Hexen mit dem sogenannten Hexenmal zeichnet und ihnen die Fähigkeit zur Zauberei gibt. weiterlesen


Ben Becker als Lügenbaron

Doku-Drama rund um Münchhausen

Von Heide-Marie Göbbe und Klaus Klemens „Münchhausen – die Geschichte einer Lüge“ heißt das Doku-Drama, das von der Gebrüder Beetz Filmproduktion im Auftrag des NDR in Zusammenarbeit mit Arte aufgezeichnet wurde. In diesem Feature, das einen dokumentarischen Teil von 52 Minuten enthält, begibt sich das Filmteam auf die Suche nach der wahren Geschichte des „Lügenbarons“ Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen. Da das Gutshaus in Bodenwerder nicht den Ansprüchen für historische Aufnahmen entspricht, wählte man die Marienburg in Pattensen und die Hämelschenburg als Schauplätze des Geschehens. Mittendrin: der bekannte Schauspieler Ben Becker. Für die Doku schlüpft er in die Rolle des Lügenbarons weiterlesen


Blutiger Dank

Die Macht der Rituale – ein blutiger Streifzug durchs hiesige Ernte-Brauchtum

Von Wilhelm Gerntrup Der August ist seit alters her als Erntemonat bekannt. Im Mittelalter sprach man vom „Aranmanoth“ (Ährenmonat), im vergangenen Jahrhundert kam „Ernting“ in Mode. Auch in diesen (August-) Tagen geht es auf den heimischen Feldern wieder rund. Anders als früher kriegt davon jedoch kaum noch jemand etwas mit. Das Mähen, Dreschen und Mahlen geht heutzutage vollautomatisch, schnell und weitgehend unbemerkt über die Bühne. Sensen, Sicheln und Harken findet man nur noch im Heimatmuseum. weiterlesen


Briefwechsel zweier Sagengestalten

Was sich Jobst von Mengersen und Jobst Asche von Wettberg schrieben

Von Dorothee Balzereit Auf der Suche nach Material zur Hessisch Oldendorfer Familie Baxmann hat Baxmann-Forscher Uwe Pernack eine Entdeckung: gemacht: Statt der für seine Arbeit erhofften Briefe und Notate stieß er auf Handschriften aus dem frühen 17. Jahrhundert. Unter den Dokumenten, die heutzutage rar und kaum noch zu erwerben sind, ist ein Schriftstück, das es Pernack angetan hat. Es handelt sich um eine Schuldverschreibung aus dem Jahr 1616 zwischen Jobst von Mengersen und Jobst Asche von Wettberg. Sie dokumentiere die Bedingungen für Hypothekenverträge, wie sie einst der Landadel untereinander geschlossen habe. Und sie erzählen von der Verbindung zweier Männer, die von der Nachwelt zu Sagengestalten gemacht wurden. „Dass zwei historische Personen, die beide das Vorbild zu einer Sage lieferten, miteinander korrespondierten, dürfte in der Geschichte der Sagenbildung wohl einmalig sein“, so Pernack. weiterlesen


Das Antlitz des Hohensteins

Kultische Landschaft

Von Dr. A. Meier-Böke Es hat einer gesagt, das Antlitz des Hohensteins sei das einer Sphinx, deren weißes Jurahaupt in den Westen blicke, wobei der Süntel das östlich gelagerte massige Hinterteil hergebe. Immer wieder, wenn ich von Hessisch-Oldendorf die Münchhausenallee hinansteige oder am Weserangerbach oder den Grünen Weg von der Schaumburg herkomme und die aufgehobene Felsenstirn über den Schluchttiefen erblicke, will mir scheinen, als liege ein leiser Spott um die versteinerten Züge, eine verhaltene, gleichsam lächelnde Ironie, gegründet im Bewußtsein einer Überlegenheit, die das Zeitlose stets gegenüber dem Zeitbedingten besitzt. weiterlesen


Das böseste aller Tiere …

Blutrünstige Bestie? Wie der Wolf zu seinem üblen Ruf kam und vom Jäger zum Gejagten wurde

Von Wiebke Westphal Im Märchen frisst er kleine Mädchen und Großmütter, in den Nachrichten reißt er Schafe: Der Wolf hat ein „böses“ Image, nicht erst seit den Brüdern Grimm. Doch wie kam das in der Antike verehrte Tier zu seinem schlechten Ruf? Warum wurde der Wolf in Deutschland ausgerottet? Und was ist dran am Bild der blutrünstigen Bestie? weiterlesen


Das edle Einhorn

Geschichte eines Fabelwesens

Von Cornelia Kurth Einhörner, wunderschön, sanft und scheu, doch zornig gegen Feinde, die sie mit ihrem spitzen, gezwirbelten Stirnhorn töteten – es gibt nicht viele mythische Wesen, an deren reale Existenz jahrtausendelang geglaubt wurde. Man wusste schon von den Persern her, wie Einhörner aussahen, man gab diese Beschreibungen und weitere Erzählungen in Reiseberichten, Volksbüchern, wissenschaftlichen Arbeiten und als Historiker weiter. weiterlesen


Das geköpfte Brüderchen

Mord, Kannibalismus und Schamanismus – das verstörende Märchen vom Machandelboom

Das Märchen „Van den Machandelboom“ ist eines der brutalsten, bittersten, aber zugleich auch internationalsten und spirituellsten Märchen. Seine Anspielungen reichen vom Nordland bis Ägypten. Phönix lässt grüßen, aber auch die dreifaltige Göttin, die Urmutter uralter Mythologie. In der Geschichte, die der romantische Maler Philipp Otto Runge aufgeschrieben hat und die die Brüder Grimm in ihre Märchensammlung aufnahmen, stecken Parallelen zu Geschichten, wie sie in ganz Europa erzählt worden sind. Es geht um Mord, Kannibalismus, Schamanismus und nichts Geringeres als die Wiederauferstehung. Das ursprünglich plattdeutsche Märchen beginnt mit den Worten „Dat is nu all lang her, wohl twe tusend Johr“. weiterlesen


Das Jahresrad der Kelten

Acht magische Zwischenzeiten

Von Dorothee Balzereit Sagen und Mythen sind ein Spiegel der Kultur. Im Gegensatz zu Märchen, die in einer zauberhaften aber zugleich abstrakten Welt spielen, sind sie stark beeinflusst von der umgebenden Natur. Ihr Werden und Vergehen haben unsere Vorfahren genau beobachtet. Das Jahr wurde mit einem achtspeichigen Rad gleichgesetzt, das sich um die eigene Achse dreht. Alle zwei Monate begann ein neuer Abschnitt und es wurde ein bedeutungsvolles Fest gefeiert – mal der Sonne, mal dem Mond zugeordnet. Der Übergang wurde als magische Zeit empfunden, in denen schöpferisches Chaos herrschte und die Grenzen verwischten: Geister und Götter traten mit den Menschen in Kontakt - Zeit, sich tief zu erinnern und fallen zu lassen. Ein Blick auf diese magischen Zwischenzeiten hilft zu verstehen, von welchen Elementen viele Sagen und Bräuche – in der Folge auch christliche – Riten und Feste beeinflusst sind. Ein Überblick. weiterlesen


Der Graf und die Wichtelfrau

Von Seitensprung und Zauberbann

Die Paschenburg ist keine Burg, Adelige gab es dort nie und trotzdem kommt ein Graf in der Sage von der „Wichtelfrau von der Paschenburg“ vor. Das klingt alles verworren, ist aber Teil einer besonderen Geschichte des Hauses ganz in der Nähe der Schaumburg. weiterlesen


Der heilige Gral

Die Geschichte des Eversteiner Adels auf der Burg Polle

Von Thomas Thimm Diese Geschichte hat Geschichte geschrieben: Es geht um den großen Barbarossa, um Königsmacher, die Wittelsbacher, Staufer und Welfen, um Tempelritter, den Löwen als Wappentier und einen Klosterkelch aus Silber und Gold, sozusagen den „Heiligen Gral von der Weser“.Es ist sehr, sehr viel Wasser die Weser hinabgeflossen, seitdem dies alles passiert ist: Rund 300 Jahre nach Karl dem Großen, dessen Christianisierung und den Sachsen-Kriegen beginnt die große Zeit des berühmten Rotbartes: Friedrich I. Barbarossa gehört zum Adelsgeschlecht der Staufer. Quasi in seinem Windschatten erlebt Mitte des 12. Jahrhunderts auch das Geschlecht der Eversteiner einen glanzvollen Aufstieg. Der Ursprung des Grafengeschlechtes liegt im Dunkel der Geschichte, aber über das Kloster Fulda werden die Eversteiner eines Tages in Hameln Vögte des Bonifatiusstiftes. Die Edelherren und Grafen nennen sich nach den Burgen auf dem Großen und Kleinen Everstein in Amelungsborn, ihren ursprünglichen Stammburgen unweit der Weser. weiterlesen


Der Herr der Ströme

Superstar der elektromagnetischen Szene –Franz Anton Mesmer und der animalische Magnetismus

Franz Anton Mesmer war in seiner Zeit so etwas wie der Superstar der elektromagnetischen Szene. Der Arzt, der selbst aus einfachen Verhältnissen kam, hatte durch seine Studien und Therapien Zugang zur feinen Gesellschaft seiner Zeit. Er war überzeugt davon, dass einer Art magnetische Energie zwischen Körper und Seele vermittelt. Seine „magnetische Klinik“ hatte großen Zulauf und machte ihn über die Landesgrenzen hinaus berühmt. Unter anderem arbeitete er mit sogenannten „Elektrisiermaschinen“. Auch im Museum Eulenburg in Rinteln steht eine solche Maschine aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, mit der durch Reibung Elektrizität erzeugt werden kann. Dieses Phänomen war das Faszinosum der Zeit. weiterlesen


Der Porzellanformel auf der Spur

Wie ein Wirtschaftskrimi: Wie aus einer herzoglichen Idee die erfolgreiche Manufaktur Fürstenberg wurde

Von Dorothee Balzereit Edles, weißes Porzellan hat eine lange Geschichte, die bis ins alte China reicht. Dort wurde es wahrscheinlich schon im 6. Jahrhundert hergestellt. Wie, das hielten die Chinesen geheim. In Deutschland versuchten „Arkanisten“ ab dem späten 13. Jahrhundert das Geheimnis zu lüften. So, wie die Alchemisten nach der Formel zum Goldmachen suchten, waren die Arkanisten dem Geheimnis des Porzellans auf der Spur. Einer von ihnen war Johann Christof Glaser, der für  in Wolffenbüttel die Porzellanfabrik in Fürstenberg zum Erfolg führen sollte. Doch bis das erste reinweiße, heute überaus erfolgreiche Porzellan hergestellt werden konnte, sollte es ein steiniger Weg werden: Es vergingen Jahre bis man herausfand, dass Glaser ein Betrüger war. weiterlesen


Der Rattenfänger als Zauberer Sæmundur

Die Sage als isländisches Märchen

DAAD-Studenten aus aller Welt haben die Sage vom Rattenfänger weitererzählt. Befreit von Vorbehalten und Deutungshoheiten haben sie aus der Sage fantastische Märchen entstehen lassen. Und haben dabei keinen Gedanken daran verschwendet, was historisch möglich war und was nicht, sondern ihrer Fantasie freien Lauf gelassen. Eingeladen wurden sie dazu von der Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe und dem DAAD. Für die Rattenfängersage hatte Hoppe, die in Hameln geboren ist, einen Einstieg beigesteuert. Gemeinsam ist vielen Geschichten, dass der Rattenfänger und/oder die Kinder in den Ländern der jeweiligen Autoren stranden, dort Abenteuer erleben und Aufgaben gestellt bekommen. Nur manchmal findet ein Kind den Weg nach Hameln zurück. Aus den beiden dicken Ordnern, bei Felicitas Hoppe in Berlin landeten, musste sie die besten von 196 Geschichten auswählen. Das sei so gut wie unmöglich gewesen, sagt Hoppe, und zwar vor allem, weil die Verfasser furchtlos zu Werke gegangen seien. In der FAZ wurde 18 Geschichten veröffentlicht. Von diesen 18 wiederum haben wir drei ausgewählt. Hier das Märchen aus Island. weiterlesen


Der wundersame Holunder

Vom bemerkenswerten Eigenleben eines unscheinbaren Strauches

Von Peter Weber Kaum ein heimisches Gewächs hat in den letzten Jahren so an Ansehen gewonnen wie der schwarze Holunder. Haftete ihm doch lange Zeit etwas von den dürftigen Verhältnissen der Nachkriegszeit an, war der Saft seiner Beeren allenfalls als antigrippales Heißgetränk geduldet. Nunmehr ist er mit dem Aufleben der Naturmedizin in seinen vielfältigen Wirkungsweisen wieder allseits geschätzt, füllt mit feinen Rezepturen ganze Kochbücher oder stimmt mit einem „Hugo“ ganze Festgesellschaften auf Kommendes ein. weiterlesen


Die Drei als Nonplusultra

Zahlenmystik nicht nur in der Bibel und bei allen Völkern

Von Richard Peter Berühmt, aus vielen Gründen – die drei gewaltigen Es-Dur Tuttischläge, mit denen Mozarts „Zauberflöte“ so spektakulär beginnt. Und zu vermuten, dass so mancher Logenbruder, der die Wiener Vorstadtpremiere besuchte, glücklich schmunzelnd dachte: „Ja, mei, unser Wolferl halt, da fehlt si fei nix“. weiterlesen


Die geheimnisvolle Katze

Ihr Wesen beschäftigt den Menschen von jeher

Von Viktor Meissner In bundesdeutschen Haushalten gibt es mehr miauende als bellende Familienmitglieder – die Katze hat dem Hund schon längst den Rang abgelaufen. In Ägypten war sie heilig, Leonardo da Vinci nannte sie Meisterwerke der Natur. Im Märchen sind sie Begleiter der Hexen und dem Volksglauben nach sollen sie neun Leben besitzen oder Unglück bringen – Katzen faszinieren die Menschheit von jeher. weiterlesen


Die Geschichte geht weiter...

...aber wie? Gewinnspiel zur Spurensuche in Siebenbürgen

Von Ulrich Behmann und Julia Niemeyer „Und die Geschichte geht weiter.“ Mit Kohle hat jemand diesen Satz auf einen Brunnen in Hamlesch geschrieben. Jenem Ort in Siebenbürgen, der wenigstens dem Namen nach einen Bezug zur Rattenfängerstadt Hameln nahelegt. Einem Ort mit zwei Höhlen, die die Einheimischen „Löcher“ nennen, und von denen sie eher scherzhaft berichten, dass die Hamelner Kinder aus einem von ihnen herausgekommen sind. Ähnliche Geschichten werden auch anderswo in Siebenbürgen erzählt, etwa im nahegelegenen Talmesch oder in Almesch, die beide ebenfalls mit Höhlen aufwarten können. Beweise für die eine oder andere Version gibt es naturgemäß nicht. Einzig der Schlusssatz der Grimm'schen Rattenfängersage deutet konkret darauf hin, dass die entführten Kinder überhaupt nach Siebenbürgen gezogen sein könnten. Aber was wäre, wenn…? Wenn es sich tatsächlich so und nicht anders zugetragen hätte, wie von den Brüdern Grimm beschrieben? weiterlesen


Die Götter des Nordens

Noch immer erinnern Wochentage an ihre Herrschaft

Von Cornelia Kurth Sie kennt das Schicksal aller, doch sie verrät kein Wort. Er will in die Zukunft sehen und opfert dafür sein Auge. Und dann ist da einer, der sich als bester Freund ausgibt, und schließlich alle verrät. Die nordische Götterwelt ist rau, ja brutal. Ihre Gottheiten sind sterblich und müssen untergehen. Und doch spielen sie bis heute in unseren Alltag hinein. weiterlesen


Die Kraft der Tiere

Rabe, Wolf & Co.: In Märchen und Sagen haben sie oft besondere Eigenschaften

In vielen Überlieferungen werden Tiere vermenschlicht. Sie können dann sprechen und sind manchmal auch selbst die Hauptakteure einer Geschichte. Dabei werden ihnen von den Erzählern besondere Eigenschaften zugeschrieben. Neben dem bösen Wolf und dem schlauen Fuchs gibt es noch zahlreiche andere Tiere, die immer wieder für die gleichen Eigenschaften stehen. Einige, die besonders häufig vorkommen, sind Hirsche und Drachen, aber auch Schlangen, Schwäne, Frösche und Raben. weiterlesen


Die Melancholie des Schlafmohns

Mythos und Magie der Pflanzen

In der Bedeutung von Blumen, Blüten und Bäumen, von Wurzelwerk und Pflanzensäften liegen Magie und Mythos dicht beieinander. Vieles ist biblisch, manches teuflisch. Was uns aus früherer Zeit überliefert wurde, hat bisweilen noch heute Bestand.   weiterlesen


Die Unnahbaren

In Sagen und Märchen spielen Engel oft nur eine Nebenrolle

Von Cornelia Kurth In Märchen und Sagen wimmelt es nur so von fantastischen Gestalten, von Hexen und Zauberern, von Zwergen, Riesen, Drachen und Elfen. Eine Gruppe aber, von der es doch so viele Bilder und Geschichten gibt, die hält sich aus dem volkstümlichen märchen- und sagenhaftem Umfeld fast ganz heraus: die Engel. Von einer Ausnahme abgesehen. weiterlesen


Die Vernichtung der weisen Frauen

Seit dem Mittelalter wurden Hebammen verfolgt – weil sie Frauen Entscheidungsgewalt über ihre Körper gaben

Von Wiebke Westphal Er ist einer der ältesten Frauenberufe der Welt: Bereits seit Jahrtausenden helfen Hebammen schwangeren Frauen bei der Geburt ihrer Kinder und im Wochenbett. Doch die Geschichte dieses jahrtausendealten Wissens ist zugleich die Geschichte eines jahrtausendealten Kampfes: Seit dem frühen Mittelalter und mit zunehmender Verbreitung des Christentums wurden Geburtshelferinnen überall in Europa verfolgt, gejagt, gehängt oder verbrannt – denn sie verfügten über und verbreiteten Wissen, das Frauen die Macht gab, wenigstens zu einem kleinen Teil selbst über ihr Leben zu entscheiden. weiterlesen


Die wahren Krimis schreibt die Geschichte

Aus der Sagenwelt des Schaumburger Landes

Weiße Frauen, Hexen, unschuldig verurteilte Jungfrauen, Werwölfe, kopflose Wiedergänger, Gespensterwesen, Feengestalten, Riesen und gute und böse Zwerge: Sie alle haben und hatten ihr Zuhause auch im Schaumburger Land, zumindest in der Sagen- und Legendenwelt, die sich in den vergangenen Jahrhunderten gebildet hat. weiterlesen


Die wilden Männer vom Walde

Besondere Popularität erlangte der hünenhafte Berggeist Rübezahl

Von Peter Weber Ehe die Einsamkeit dunkler Wälder zu einem Sehnsuchtsort romantischer Naturbegeisterung werden konnte, mussten diese erst ihren Schrecken verlieren. Von je her waren die riesigen, unzugänglichen Waldgebiete, die die gerodeten Inseln menschlicher Zivilisation hierzulande bedrohlich umstellten, eher Orte des Grauens, boten wilden Tieren in Wolfslöchern, Bärenhöhlen und Natterngruben Unterschlupf, Räuberbanden, aber auch geisterhaftem Volk Aufenthalt – Kobolden und Baumgeistern, denen nicht zu trauen war. weiterlesen


Ein göttlicher Bote

Der weiße Hirsch - Reittier in die Anderswelt

Der Hirsch ist in vielen Religionen das Symbol für den sterbenden und wiederauferstehenden Gott. In den meisten vorchristlichen Religionen ist der Hirschgott ebenfalls verkörpert. Im Schamanismus ist der Hirsch, meistens als weißer Hirsch, das Reittier in die Anderswelt. Auch in den keltischen Geschichten taucht der Hirsch im Zusammenhang mit der Nähe der oder dem Übergang in die Anderswelt auf. Die weiße Farbe ist neben ihrer Bedeutung als Reinheitssymbol auch eine Farbe für die Anderswelt. weiterlesen


Eine ganz besondere Bettgeschichte

Wie der Graf von Gleichen schlief

Im Schloss Pyrmont, der ehemaligen Sommerresidenz des Fürsten zu Waldeck, geht nicht alles mit rechten Dingen zu. Und das nicht erst, seit das Schlossgespenst Friedrich sein Unwesen auf der Schlossinsel treibt. Als die Adelsfamilie im 20. Jahrhundert während der Kursaison im Sommer Gäste auf die bis 1945 in Privatbesitz befindliche Schloss- und Festungsanlage locken wollte, gab es eine Vielzahl von bemerkenswerten Sehenswürdigkeiten im Bereich der Außenanlagen. Ganz sicher zählte dazu die vierhundertjährige Linde an der Nordwestseite der Insel, die mit ihren sieben Metern Umfang wirklich einzigartig war, aber leider 1932 durch einen Sturm entwurzelt wurde. Sensationell aber war vor allen Dingen das riesige Bett des Grafen von Gleichen in der Eckbastion von Schloss Pyrmont, das auf einzigartige Weise die Gleichensage jedem Betrachter anschaulich vor Augen führte. Was verbirgt sich hinter dieser Geschichte und was hat Pyrmont damit zu tun? weiterlesen


Eine Legende aus Stahl

Das „Ulfberht“-Schwert durchdrang Helme wie Butter / Geschmiedet wurde es wohl im Kloster Fulda

Von Ernst August Wolf Ein Ulfberht-Schwert! Das, was 2015 15 Kilometer flussabwärts von Hameln aus den Weserfluten auftauchte, war nicht weniger als eine archäologische Sensation. Die Schwerter mit den Ulfberht-Klingen geben den Forschern schon seit langer Zeit Rätsel auf. 167 Exemplare der mittelalterlichen Wunderwaffe wurden bisher gefunden. Neben der geheimnisvollen Inschrift ist es vor allem der besonders hochwertige Stahl, der das Schwert zur Legende machte. Eine Waffe von der es heißt, sie konnte Schädel und Knochen durchdringen wie Butter. weiterlesen


Einmal getauft, für immer getauft

Tatsächlich hat sich die ursprüngliche Bedeutung der Zeremonie in den ersten Jahrhunderten nach Christus gewandelt

Von Cornelia Kurth Das große Tauffest in Rinteln direkt an der Weser hat inzwischen Tradition. Babys und Kinder werden damit in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. War es eigentlich schon immer so, dass unmündige Kinder getauft wurden, ob sie wollten oder nicht? Und was genau bedeutet es eigentlich, getauft zu werden? weiterlesen


Endete der Rattenfänger in der Teufelsküche?

Historiker vermutet, dass Sagenfigur und Hamelner Kinder im Koppenberg verschwanden

„Calvarie“ „Cobbanberg“ „Der ganze Schwarm folgte ihm nach, und er führte sie hinaus in einen Berg, wo er mit ihnen verschwand.“ So beschreiben die Brüder Grimm in ihrer Sagensammlung von 1816 den Auszug der Hamelner Kinder. Schon auf dem ältesten erhaltenen Bild zur Sage von 1592 wird die Kinderschar zu einem Berg geführt, der sich vor der Gruppe zu öffnen scheint. Am Rattenfängerhaus heißt es, die Kinder seien „to Calvarie bi den Koppen“ geführt worden. meint vermutlich einen Hinrichtungsplatz. Diese Orte wurden früher auch als Kalvarienhügel bezeichnet. Der älteste schriftliche Bericht von der Rattenfängersage schreibt Mitte des 15. Jahrhunderts davon, dass der Pfeifer mit seinem Gefolge zum Calvarien- oder Hinrichtungsplatz hinauszog. Was allerdings mit „den Koppen“ gemeint ist, ist umstritten. Der Coppenbrügger Heimatforscher Gernot Hüsam hat dafür eine zumindest örtlich naheliegende Antwort gefunden: Als Galgenberg sei die Heerburg bei Coppenbrügge – an der heutigen Bundesstraße 1 – bekannt. Der Ith-Oberberg wurde in einem Zeugnis aus dem Jahr 1013 genannt. Hüsam vertritt die These, dass Rattenfänger und Kinder in einer Höhle verschüttet wurden, vermutlich dort, wo sich heute die „Teufelsküche“ befindet. weiterlesen


Exzess in der Teufelsküche

Verschwanden die Kinder in einem Coppenbrügger Berg?

Von Dorothee Balzereit Eine weitere Theorie zur Rattenfängersage besagt, dass die Kinder nach einem ausufernden Fest in eine Höhle gelockt und dort verschüttet wurden. Der vermutete Grund: Dem heidnischen Treiben sollte ein Ende gesetzt werden. Wir haben versucht, uns in die Situation heineinzuversetzen. weiterlesen


Fährmann sprach Todesurteil

Gedenkstein an B83 erinnert an Mord bei Grohnde und Hinrichtung bei Latferde

An der Platanenallee bei Grohnde – auf der Stützmauer des „Kleinen Holzes“ – steht in Stein gemeißelte Heimatgeschichte. Tagein, tagaus fahren 10000 Menschen an einem Sühnestein vorbei, der an einen spektakulären Mord erinnert. Die Inschrift, die kaum jemand lesen wird, weil es an dieser Stelle keinen Fußweg gibt, lautet: „D. 6. Febr. 1741 ist alhie ermordet und beraubet Johan Jürgen Geis. Grohnd. Ohs. und pollischer Amtsbote, der treu in seiner Verrichtung und bey jederman beliebt war. Der grausame Thäter ist mit glühenden Zangen gerissen, mit Keulen erschlagen und aufes Radt gelegt d. 21. Apr. 1741“ weiterlesen


Frau Holle - Zwischen Sage und Märchen

Im Reich der Erdgöttin

Von Dorothee Balzereit Es ist das Märchen der Brüder Grimm, das der Welt der Mythen und Sagen wohl am nächsten kommt: Frau Holle, die in der Lage ist, es auf der Erde schneien zu lassen. Aber der Wirkungskreis der archaischen Erdgöttin, denn nichts anderes ist Frau Holle in der Mythologie, war nach Ansicht unserer Vorfahren viel größer. Je nach Jahreszeit ist ihr Platz demnach im Himmel, auf dem Berg oder unter der Erde. Bei Frau Holle ballt sich die Macht: Im Frühling ist sie für neues Leben zuständig, im Sommer für die Sicherung des  Weiterlebens und im Herbst ist sie auch noch die schwarze Göttin des Todes. weiterlesen


Für immer mein

Rapunzel – ein Wunschkind zwischen erdrückender Mutterliebe und dem erlösenden Geliebten

Von Cornelia Kurth Was für eine ungeheure Überraschung für das in seinem hohen Turm eingeschlossene Mädchen. Keine Tür, keine Treppe führt ja in das Turmzimmer, in dem sie lebt. Wenn sie von weit unten den Ruf hört: „Rapunzel, Rapunzel, lass mir dein Haar herunter!“, lässt sie ihren langen Zopf herab. Daran klettert die Zauberin, die sie gefangen hält, nach oben, um sie zu versorgen. Sie ist der einzige Mensch, den das Mädchen kennt. Aber eines Tages, da steigt nicht die Zauberin durch das Fenster, sondern ein schöner junger Königssohn. weiterlesen


Geheimnisvoller Mond

Garant für Mythen

Von Peter Weber Das Verhältnis des Menschen zum Mond, der dem Unbegreiflichen der eigenen Existenz in den Weiten des Weltalls doch wenigstens etwas von ahnender Anschauung verleiht, ist von unvergleichlicher Komplexität und Ambivalenz. Das hat es gerade Schriftstellern immer wieder zum Thema werden lassen. weiterlesen


Gnadenlose Hexenjagd

In Rinteln wurden besonders unnachgiebige Urteile über vermeintlich gefährliche Frauen gesprochen

Von Wilhelm Gerntrup „Hexen“-Geschichten sind in vielen Volkskulturen überliefert. Dabei ging und geht es meist um mythische, mit übersinnlichen Fähigkeiten. Besonder gut kannten sich diese Zwischenwesen im Bereich Weissagung, Kräuterkunde, Wunderheilung und/oder Geburtshilfe aus. Die Bezeichnung „Hexe“ war hierzulande bis zur Einführung des Christentums unbekannt. Bei unseren heidnischen germanischen Vorfahren war von - überwiegend weiblichen - „unholden“ (nicht immer gutartigen Personen) die Rede. Die Umdeutung und Verfolgung als dämonische, gottlose Teufelskomplizinnen kam erst im Gefolge der Christianisierung in Gang. weiterlesen


Gold im Fluss

Von Fähren, Zwergen, Gold und dem Ursprung bestimmter Sagen

Von Frank Neitz Ob Riesen, Zwerge oder Elfen, Wölfe, Hirsche oder Jäger – eines ist Sagenwesen gemeinsam: Sie haben die Geschichte selten für sich allein gepachtet. Die meisten Sagen werden auf diese oder jene Weise an verschiedenen Orten jeweils unterschiedlich erzählt, eben auf die Weise, wie man sie mündlich weitergab. Gemeinsam ist ihnen der Kern der Geschichten und die Motivation, bestimmte Erfahrungen und Vorkommnisse weiterzugeben. weiterlesen


Hamelner Sagen

Vom Finkenborner Weg, dem Münster und anderen Orten

Das Geheimnisvolle bleibt, auch wenn sich manches natürlich erklären läßt In den Sagen und Märchen waltet die Volkspoesie und sucht das Geheimnisvolle undUnerklärliche zu deuten. Sie sind für uns wichtige Quellen der Volkskunst und Erzeugnisse der schöpferischen Phantasie, aus denen mancherlei Erkenntnisse und Weisheiten hervorleuchten weiterlesen


Hexenverfolgung im Lipperland

Verfolgt, verbrannt, verscharrt

Der Glaube versetzt Berge – heißt es. Glauben spielte schon immer eine große Rolle, jedoch nicht immer zum Segen der Menschen. Vor allem der Aberglaube führte im Mittelalter und bis zum Ende des 17. Jahrhunderts zu furchtbaren Tragödien. Insbesondere Frauen wurden als Hexen verfolgt, verurteilt und grausam hingerichtet. weiterlesen


Hinter Dornen verschanzt

„Dornröschen“: Ein Pubertätsmärchen aus der Grimmschen Schatztruhe

Von Richard Peter Sie war gerade 15 Jahre alt geworden, mitten in der Pubertät also, dazu so „schön, sittsam, freundlich und verständig“ wie es heißt, „dass es jedermann liebhaben musste“: Unser Dornröschen, noch ohne Dornen und auch ohne Röschen - aber neugierig. weiterlesen


Im Angesicht des Todes

Über den Umgang mit einer unerbittlichen Macht

Von Cornelia Kurth Mit dem Tod lässt sich nicht scherzen. Wer mit ihm verhandeln oder ihn überlisten will, wer einen Flirt versucht oder einen Kampf, wird immer verlieren. Anders als der vielgestaltige Teufel ist der Tod auch in unseren Märchen und Sagen eine eher anonyme und dabei unerbittliche Macht. Dass er oft als ein „Schnitter“ daherkommt, als „Sensenmann“, ändert daran wenig. So, wie ein Bauer ungerührt sämtliche Blumen und Gräser auf der Wiese, sämtliche Ähren auf einem Kornfeld abmäht, so mäht der Schnitter Tod unterschiedslos alle Menschen um. weiterlesen


Im Reich der Alraune

Von Liebesäpfeln und Wurzelmännern, betörenden Düften und großem Geschrei

Von Peter Weber Es gibt Pflanzen, die kommen gut ohne ihr übernatürliches Beiwerk aus, das ihnen die Menschheit angedeihen lässt. Bei der Alraune allerdings erscheint das schier unmöglich, sie ist eine „Zauberpflanze“ schlechthin. Kulturen- und zeitenüberdauernd, verkörpert sie ein geheimnisvolles Wesen, dem in der Kürze kaum beizukommen ist. weiterlesen


In der Welt der Zwerge

Von Kobolden und Unterirdischen

Von Dorothee Balzereit Sie sind klug und geschickt und heilkundig. Habgierig, hinterlistig und grausam. Grummelig, aber treu. Und berühmt sind die Zwerge für Waffenschmiedekunst. Klein, meist uralt, verrunzelt und mit einem Bart bis zu den Knien entsprechen sie nicht gerade dem männlichen Schönheitsideal – egal welcher Zeit. Vielleicht waren sie des erfolglosen Werbens müde und haben sich deshalb darauf verlegt, Frauen zu rauben. Das zumindest sagt man ihnen nach. Der Entführten war immerhin ein schönes Fest beschieden, denn feiern können Zwerge gut, und Hochzeiten stehen besonders hoch im Kurs. Mit reichlich Speisen, viel Bier und noch mehr Hunger und Durst. weiterlesen


Ist die Kirche der Rattenfänger?

Psychiater untersucht die Sage aus ganz neuer Perspektive – und rückt Inquisition als Motiv in den Blick

Von Dorothee Balzereit War es möglich, 130 Menschen einfach so verschwinden zu lassen? „Ja“, sagt Stefan Joost. Die Möglichkeit einer Massenbeseitigung hat der Gießener Psychiater und Psychotherapeut sowohl in Bezug auf das Verschwinden der Hamelner Kinder im Jahr 1284 als auch auf die Rattenplage in der Hamelner Sage untersucht. Und zwar in einer umfangreichen wissenschaftlichen Arbeit aus psychologischer Sicht, an der Joost seit etwa vier Jahren arbeitet. Es ist eine Perspektive, die es in Forschungen zur Sage so noch nie gab. Letztes Wochenende hat er seine Ergebnisse einem wissenschaftlichen Zirkel der Grimm-Gesellschaft vorgestellt. weiterlesen


Jäger in Märchen und Sagen

Mal gut, mal böse und wild, aber immer stark

Von Cornelia Kurth Groß, finster und unheimlich ist der Märchenwald, ein Ort der wilden Tiere und Zauberwesen. Wer sich in seine Tiefen wagt, ist entweder ein Abenteurer oder auf der Flucht – mit einer Ausnahme: dem Jäger. In jedem fünften Märchen der Brüder Grimm spielen Jäger eine Rolle. Anders als heute, wo sich die Jagd der Kritik ausgesetzt sieht, dass sie in einer der letzten heilen Naturwelten unnötigerweise den Tod verbreite, kommen die Jäger im Märchen fast immer ziemlich gut weg, als Wegweiser für Verirrte, Retter für Verfolgte oder Verweigerer von Befehlen einer bösen Königin. weiterlesen


Jage mich, begehre mich

Brüderchen und Schwesterchen - zwei Facetten einer Person

Von Cornelia Kurth Was ist das „Brüderchen“ für ein Kindskopf. Und sein „Schwesterchen“ so klug und fürsorglich. Das Geschwisterpaar im Grimm‘ schen Märchen „Brüderchen und Schwesterchen“ wehrt sich gemeinsam gegen die böse Stiefmutter und muss zunächst gehörig dafür leiden. Schließlich aber – und das kann einem erstaunlich vorkommen – bezieht sich der übliche Märchenschlusssatz, dieses „Und sie lebten glücklich zusammen bis an ihr Ende“, auf die beiden Geschwister, die unzertrennlich bleiben, und das, obwohl Schwesterchen doch den König geheiratet hat. weiterlesen


Keine Angst vor Freitag, dem 13.

Es ist mal wieder Freitag, der 13. Zum Leidwesen der „Triskaidekaphobiker“ (so bezeichnet man Menschen, die unter Angst vor der Zahl 13 leiden), fallen die meisten Dreizehnten tatsächlich auf einen Freitag. In den 400 Jahren, die der gregorianische Kalender braucht, bis er sich wegen der Schaltjahresregeln wiederholt, gibt es 688 Mal einen Freitag, den 13., aber nur 398 Mal Mittwoch, den 31. weiterlesen


Kleine Geschichte des Glücksspiels

Von Pharaobank und Würfelglück in Wirtshäusern

Von Wilhelm Gerntrup Ob beim Karten- oder Würfelspiel, im Casino, beim Pferderennen, per Lottoschein oder beim (Internet-) Poker – der Wunsch, einen unverhofften Glückstreffer zu landen, gehört zu den größten und ältesten Sehnsüchten der Menschheitsgeschichte. Die Erfolgsaussichten sind bekanntlich gering. Mehr noch. Millionen von Männern, Frauen und Familien sind am unbezähmbaren Wunsch nach dem schnellen Geld zugrunde gegangen. Das hat nicht zuletzt mit der Reaktion der Obrigkeit zu tun. Nicht selten wurde versucht, der Sucht mithilfe halbherzig-widersprüchlicher Gesetze und Appelle beizukommen. weiterlesen


Kleines Bestiarium

Untiere und Monster, wie sie seit Jahrtausenden unsere Fantasie bevölkern

Von Richard Peter Unser Jahrtausende altes Bestiarium, das so fantasievoll und vielgestaltig unsere Welt bevölkert – nichts als das Spiegelbild menschlicher Ängste. Und die Lust am Grusel. Drachen vor allem, die Sinnbilder des Chaos, auch als südliche Varianten mit Lindwurm und alpinem Tatzelwurm. Möglich, dass sich Bilder von Flugechsen aus der Zeit der so realen Saurier sich als nebulöse Erinnerung bei unseren Ururvätern ins Hirn gebrannt haben und erzählend am knisternden Feuer in Urhöhlen weitergegeben wurden. Drachen, meist geflügelt mit Adlerklauen oder Löwenpranken, die dazu noch beeindruckend Feuer speien konnten – Fabelwesen vieler Kulturen. weiterlesen


LARP - Kämpfen in Brokeloh

Auf's Schlachtfeld mit der Schaumstoffaxt

Von Dorothee Balzereit Das dumpfe Bomm-Bomm der Trommel begleitet die entschlossen blickenden Kämpfer auf ihrem Weg zur gläsernen Uhr. Immer länger wird der gut bewaffnete Tross, der sich auf dem schmalen Waldweg auf Rittergut Brokeloh von einer Wiese zur anderen schiebt. Keine Frage: Diese Krieger sind heiß, sie wollen endlich ihre Äxte und Schwerter aus Schaumstoff schwingen. Von den rund 9000 Teilnehmern des weltweit größten Liverollenspiels „Conquest of Mythodea“ haben sich am Donnerstagmorgen rund 1000 versammelt, um gegen das Böse zu kämpfen. weiterlesen


Legende von der Schlacht im Süntel

Am Hohenstein besiegte Sachsenherzog Widukind vor 1200 Jahren die Franken

Sie kämpfen aus Hass, Gier und Neid, wir verteidigen unsere Götter, unser Leben und unsere Freiheit!“, schrie Sachsenherzog Widukind seinen Männern zu. „Siegen wir, dann sind wir wieder ein freies Volk!“ Dann riss er die Faust hoch und stürmte mit blitzendem Schwert auf die feindlichen Reihen los. Dicht hinter und neben ihm mit wildem Gebrüll seine Kampfgefährten. weiterlesen


Männer mit glühenden Stangen

Sagen über Abpflüger, Grenzsteinfrevler und betrügerische Landvermesser

Von Uwe Pernack Eine der folgenreichsten Umbrüche in der Geschichte der Menschheit war die sogenannte Neolithische Revolution. In der Jungsteinzeit wurden Jäger und Sammler aufgrund dramatisch veränderter Umweltbedingungen zu Viehzüchtern und Ackerbauern. Dabei setzte allmählich eine individuelle Inbesitznahme von Grund und Boden ein. Was bis in die Gegenwart hinein zu einer Unzahl von Konflikten über die Festlegung und Markierung von Grenzverläufen geführt hat. Und in alter Zeit zu einer Vielzahl von Sagenbildungen. weiterlesen


Magie der Pflanzen

Die Kraft von Hauswurz, Johanniskraut und Co.

Von Jens Meyer Eine karge Unterlage, im Grunde nicht mehr als ein Häufchen elendiges Erde-Sand-Geröll-Gemisch, reicht der Hauswurz (Sempervivum) zum Glücklichsein. Ein Asket, wie wahr. Robust bis zu den Wurzeln. Kleine Blütlein entwickelt die Hauswurz, doch ihr wahrer Wert liegt im außergewöhnlich gleichmäßigen Wuchs, Rosette für Rosette. Magisch, dieser Anblick, diese Pflanze, dieses Geschöpf. Das wussten schon die alten Römer, aus derer Mitte sich ein irrwitziger Aberglaube schälte, wonach überall dort, wo eine Hauswurz auf dem Dach wuchs, der Landeplatz für die auf einem Besen angesauste Hexe bereits vergeben war. Die Hauswurz galt als Schutz vor Hexereien und Magie. weiterlesen


Mehr Ding' zwischen Himmel und Erde

Weissagungen und Prophezeiungen: Was wohl die Zukunft so in Petto hat

Von Richard Peter  „Am 30. Mai ist der Weltuntergang“ - und folglich: „wir leben nicht mehr lang“. Die vielleicht sympathischste, auch witzigste Prophezeiung überhaupt. Fast schon verspielt genial – auch wenn es nur ein Schlager ist: und der verzichtet wohlweislich auf eine Jahreszahl. „Doch keiner weiß in welchem Jahr“ - und wenn man glaubt, was Experten berechnet haben und sich unsere alte Erde noch rund 500 Millionen Jahre in ihrem jetzigen Zustand durchs All und um die Sonne dreht – die Chancen stehen nicht schlecht fürs Überleben. Für uns wie für die Weissagung mit ihren Treffer-Quoten. „Und das ist wunderbar“ wie es sich aufs nicht genannte „Jahr“ reimt. weiterlesen


Mord vor dem Neuen Tor

Starb 1761 ein Bauer durch die Hand eines Soldaten? / Erkenntnisse über eine fast vergessene Geschichte

Von Ulrich Behmann Es gibt frei erfundene Geschichten und archivalisch belegte Geschichte, Sagen, die immer ein Fünkchen Wahrheit enthalten, und mündlich weitergegebene Erzählungen oder Märchen. Wird heute von einer Begebenheit aus früherer Zeit berichtet, ist häufig unklar, was davon stimmt und was im Laufe der Jahrhunderte hinzugedichtet wurde. Die Dewezet ist einem Text über ein mutmaßliches Verbrechen nachgegangen, der sich in dem bei CW Niemeyer erschienenen Buch „Sagen und Erzählungen“ befindet. Es geht um einen „Mord im Siebenjährigen Krieg“, der sich am 20. Dezember 1761 vor dem Neuen Tor in Hameln ereignet haben soll. weiterlesen


Mysterium Hohenstein

Sagenhafte Klippen - Von Weißen Hirschen und Bannflüchen

Von Nicole Trodler Nach dem Aufstieg zu den Klippen ist der Grüne Altar das erste Felsmassiv, das der Wanderer erreicht. Danach kommt die Teufelskanzel und als dritter Hohensteinfelsen der Hirschsprung. Dieser darf jedoch nicht mehr betreten werden. Die Kanzel ist abbruchgefährdet und liegt im abgesperrten Naturschutzgebiet.Grüner Altar, Teufelskanzel, Hirschsprung – die Namen der Klippen des Hohenstein sind klangvoll und lassen gleich abenteuerliche Geschichten in den Köpfen phantasiebegabter Menschen entstehen. Und tatsächlich: Auch um den Hirschsprung und die Teufelskanzel ranken sich Legenden. weiterlesen


Nichts als Eulenspiegeleien

Die Geschichte eines Narren, der den Leuten den Spiegel vorhält, war schon vor 500 Jahren ein Weltbestseller

Von Richard Peter So viel Eulenspiegel, dass man gar nicht weiß, wo anfangen bei diesem klugen Narren Till. Allein der Name kennt eine ganze Reihe von Abweichungen und unterschiedlichen Schreibweisen. Von unserem heute bevorzugten Till Eulenspiegel über Dil Ulenspiegel und Dyl Ulenspegel, der in de Costers berühmten Roman zu Tyll Ulenspiegel mutiert. weiterlesen


Poltern gegen Geister

Von uralten Bräuchen rund um die Hochzeit

Der Start ins Eheleben war schon immer etwas Besonderes. Nicht umsonst ist von „Hochzeit“ (niederdeutsch „Hoogtied“ oder „Hachtyd“) die Rede. Ein Vorgang, der neben dem Paar nicht nur deren Familien, Freunde und Nachbarn, sondern zu allen Zeiten auch die Obrigkeit interessierte . Anders gesagt: Heiraten, früher auch „freyen“ genannt, war und ist keine Privatangelegenheit. Schließlich hat die Gründung eines derartigen Unternehmens - im Hinblick auf die Nachkommenschaft – auch „staatstragende“ Bedeutung. weiterlesen


Rebellen auf dem Weg zur Alters-WG

Die Bremer Stadtmusikanten: Aufstand einer Rentner-Gang

Von Richard Peter „Die Bremer Stadtmusikanten“– eines der traurigsten, gleichzeitig aber auch hoffnungsfrohsten Märchen der Brüder Grimm – ein Paradoxon ähnlich wie Kleists Formulierung im „Michael Kohlhaas“ von dem es heißt „...einem der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit“. Vier Alte, die ausgemustert werden, ihr Leben verlieren sollen, weil sie nichts mehr einbringen, nur noch nutzlose Fresser sind, schließen sich zusammen, weil sie „etwas Besseres als den Tod“, wie es heißt, „allemal finden“. Das gibt Mut, dieser Aufstand der Alten – so eine Art frühe „Graue Panther“, die sich nicht abfinden mit ihrem Schicksal. Aufbegehren. Rebellen auf dem Weg zur Alters-WG. weiterlesen


Sehnsucht nach dem Mittelalter: MPS in Bückeburg

Romantiker von heute

Von Gabriele Laube Das Mittelalterspektakel in Bückeburg ist seit ein paar Tagen vorbei, doch für viele Mittelalterfans ist das riesige Treffen längst nicht das einzige Treffen dieser Art im Jahr. Die Leidenschaft für das Zeitalter prägt für viele eine Lebenseinstellung. Genährt wird sie fast immer von der Sehnsucht, aus dem Alltag auszusteigen. Zu entschleunigen, in Kostüme und Rollen zu schlüpfen oder spirituellen Widerhall zu finden. weiterlesen


Sieben Kinder zur gleichen Zeit

Der Hamelner Siebenlinge-Stein und seine Deutungen

Geburt und Tod liegen in der Frühen Neuzeit dicht beieinander. Die Kindersterblichkeit ist hoch. Die am Morgen des 9. Januar 1600 geborenen Mehrlinge von Thiele Römer und seiner Frau Anna Breyer sterben noch am Mittag desselben Tags. Die ursprüngliche Grabinschrift spricht von „zwey Knäbelein und zwey Mägdlein“, die immerhin noch die Nottaufe erhalten. Die Geburt von Vierlingen ist auch für diese Zeit sehr ungewöhnlich. Im Lauf der Jahrhunderte entsteht aber die Legende, es habe sich sogar um Siebenlinge gehandelt. Zu sehen sind nämlich sieben tote Kinder. Üblicherweise werden alle Nachkommen einer Familie – lebende und schon verstorbene – auf einem solchen Epitaph dargestellt. Vermutlich sind also schon vor der Mehrlingsgeburt drei Kleinkinder verstorben. Die Legende wirkt jedoch so stark, dass man Anfang des 19. Jahrhunderts die Grabinschrift ändert: Aus zwei Mädchen werden fünf. weiterlesen


Spuk in der Ruine

Die unheimliche Lutterburg in Bodenwerder

Von Joachim Zieseniss Geradezu märchenhaft ist der Stoff, der Anfang des vorigen Jahrhunderts am steilen Hang des Hopfenberges südlich von Bodenwerder architektonische Form annahm: Der jenseits des großen Teichs steinreich gewordene deutschamerikanische Industrielle Ernst-Theodor Büttner kommt 1908 nach „Good old Germany“ zurück. Und da, anders als für die Menschen in der rund vier Kilometer entfernten Münchhausenstadt, Geld für ihn keine Rolle spielt, baut er in seinem sagenhaften Reichtum hoch über der Weser ein Traumschloss als Ruhesitz. Deutsche Prominenz geht fortan in der Villa auf dem über 21 Hektar großen, steilen Hanggelände, das der Bauherr hatte terrassieren lassen, ein und aus. Bodenwerderaner haben nur als Personal Zutritt, staunen aus der Ferne und bringen sporadisch Nachrichten über den gesehenen Luxus mit in die Weserstadt. weiterlesen


Supermann Siegfried

Unsere deutschen Heldensagen haben viele Nachfolger

Von Richard Peter Uns ist in alten maeren wunders vil geseit“ – damit beginnt das „Nibelungenlied“, das als der „Nibelungen Not“ endet. Sozusagen in Etzels Schlachthaus irgendwo in Pannonien. „Der Rest ist Schweigen“ – ähnlich wie in Shakespeares „Hamlet“. Erzählt wird in dem vielleicht größten mythologischen Stoff der Literaturgeschichte eine Vielzahl überlieferter Geschichten, die immer wieder neu erzählt, verändert, miteinander verwoben, schließlich um 1200 am bischöflichen Hof in Passau als „Nibelungenlied“ festgeschrieben wurden. weiterlesen


Tanz, Glühwürmchen, tanz

Jetzt im Frühsommer haben Glühwürmchen ihren glanzvollen Auftritt

Von Gabi Laube Glühwürmchen gelten als Magiere unter den Insekten, ihre Show beginnt in der Dämmerung einer Mittsommernacht. Funkelnden Perlen gleich schwirren die Johanniskäfer auf ihrer gefährlichen Partnersuche im Garten umher. Die winzigen Geschöpfe betören mit ihrem Auftritt nicht nur ihre Braut; ihre kurze Lebensgeschichte rund um Liebe, Leid und Lust inspiriert auch Menschen zu künstlerischen Werken. Die Mythologie sagte den „Irrwischen“ nach, Unheil zu bringen. Selbst das Sterben der Popstars unter den Käfern beginnt – mit einem Leuchten.     weiterlesen


Totentanzriten des Mittelalters

Zwischen Lebenslust und Todesangst

Von Viktor Meissner Lebenslust und Todesangst – diese beiden lagen früher eng beieinander, denn der Tod war allgegenwärtig. Auf besonders faszinierende Weise drückt sich dieses Gefühl in den sogenannten Totentänzen des Mittelalters aus, die einst auf Außenmauern von Friedhöfen und Kirchen gemalt waren. Wann genau der Tod in der Kunst anfing, sich auf diese Weise auszudrücken, ist nicht mehr feststellbar. Das Motiv könnte dem alten Volksglauben, nachts würden die Seelen der Toten auf den Friedhöfen tanzen, entstammen. Auch den mittelalterlichen Pestepidemien wird großer Einfluss auf die gemalte Gratwanderung des Lebens zugeschrieben. weiterlesen


Vom Aberglauben

Der ewige Wunsch, die Welt berechenbar zu machen

Von Richard Peter Glaube ist das eine, Aberglaube das andere. Und manchmal verwischen die Begriffe bis zur Unkenntlichkeit. So aufgeklärt wir auch sind – die Nummer 13 als Hotelzimmer ist immer noch weitgehend tabu. Auch wenn sich im Fußball die Nummer längst durchgesetzt hat. Dennoch: man logiert auf 12 a – oder die Zahl wird vorsichtshalber übersprungen. Es gibt sie einfach nicht. Ursprung des so hartnäckig sich behauptenden Mythos: Judas war der 13. am Abendmahlstisch. Und weil Jesus an einem Freitag starb, ist Freitag der 13. ein potenzieller Unglückstag. Vor allem in Italien – samt Empfehlung: „nichts zu tun“. Was ihnen möglicherweise entgegenkommt. Vor allem: kein Violett zu tragen“ – warum auch immer. Dazu kommt, dass an einem Freitag dem 13. der französische König Philipp IV. die Verhaftung der Tempelritter angeordnet hat. Ein Blutbad. Und quasi als i-Tüpfelchen: die 13 gilt als Dutzend des Teufels. Übrigens gibt es in jedem Jahr mindestens einen Freitag den 13. - 2012 wurde mit drei Unglücks-Freitagen deren Höchstzahl pro Jahr erreicht. weiterlesen


Vom Draht nach drüben

Ich sehe tote Menschen“, flüstert der kleine Cole im Film „The Sixth Sense“ seinem Psychologen Bruce Willis zu. Manch einer sieht sie nicht nur, er möchte auch mit den geistigen Wesen kommunizieren. Von Erscheinungen oder Praktiken, die heute als „paranormal“ bezeichnet werden, wird schon in der gesamten Kulturgeschichte berichtet: Geisterbeschwörungen sind eine alte und in vielen Religionen verbreitete Praxis, Ahnen und Orakel werden schon seit Jahrtausenden um Rat gefragt. weiterlesen


Vom verzauberten Arminius

Einer alten Sage nach wohnte der germanische Held auf der Herlingsburg

Von Manfred Willeke Als einer der mystischsten Orte des Weserberglands gilt die Herlingsburg oberhalb von Lügde. Einst befand sie sich irgendwo auf dem Plateau des Keuperbergs, einem rund 334 Meter hohen Bergkegel. Um 200 vor Christi entstand hier eine germanische Burg, die von ein oder zwei Familien durchgängig bewohnt war. Angeblich soll sogar Arminius beziehungsweise Hermann der Cherusker dort gewohnt haben. Nach einer alten Sage ist er von Zwergen verzaubert worden und wartet im Berg, umgeben von sagenhaften Schätzen und uralten Weinen, auf die glorreiche Zeit, in der er wieder hervortreten kann. weiterlesen


Von Hexensalben und Narkotika

Die Macht der Kräuterweiblein

Von Viktor Meissner Natürlich ging das einfache Volk bei Beschwerden aller Art nicht zu den studierten Ärzten, die konnte es sich gar nicht leisten. Hatte doch fast jedes Dorf, jede Stadt eine heilkundige Person mit pharmazeutischen Grundkenntnissen, bei der man auch allerlei Amulette und Zauber bestellen konnte. weiterlesen


Von Kreuzsteinen, Mordkreuzen und Sühnezeichen

Einblicke in die sagenumwobene Geschichte der Steinmale

Von Wilhelm Gerntrup Steinkreuze, Kreuzsteine und andere, oft abgelegen an Wegrändern, Böschungen oder unter Bäumen und Hecken gelegene Gesteinsblöcke und -Platten haben schon immer die Fantasie der Menschen beflügelt. Das hat vor allem mit den oft geheimnisumwitterten Hintergrundgeschichten zu tun. Manche der Steine wurden zur Erinnerung an die Opfer von tragischen Unfällen oder grausamen Verbrechen aufgestellt. Auf einigen sind Zeitpunkt und Anlass des Geschehens eingraviert. weiterlesen


Von Rittern und Räubern

Finstere Erzählungen über die Herren der Wälder

Von Maike Lina Schaper Im Wald da sind die Räuber – so beginnt ein altes Volkslied. Dicht bewachsene und schwer einsehbare Wälder galten schon immer als Rückzugsort für allerlei finstere Gesellen. Räuberbanden und Halsabschneider lehrten Reisende insbesondere an einsamen Wegen das Fürchten. Aber auch einstmals edle Adelsgeschlechter hatten sich auf Plünderungen und Wegelagerei verlegt. Selbst auf bedeutenden Handelsstraßen waren Kaufleute zeitweise nur in Gruppen sicher. Räuber und raubende Ritter waren damals eine reale Gefahr für Hab und Gut. Zustände, die prädestiniert sind für schillernde Sagen – auch im Weserbergland. weiterlesen


Von Untoten und Wiedergängern

Vom Baxmann, der einfach nicht sterben konnte

Von Annette Hensel Ein Friedhof, Ruhestätte für die Toten. Plötzlich galoppiert ein kopfloser Reiter aus einer Gruft, streckt sich eine Kinderhand aus einem Grab in die Höhe ... Gruselszenen solcher Art sind keine Hollywood-Erfindung. Bereits 1552 wird in einem Lied von Hans Sachs von der Hand eines toten Jünglings berichtet, der seine Mutter zu Lebzeiten misshandelt hat und aus dem Grab heraus nach ihr greift. Ähnlich verhält es sich bei „Das eigensinnige Kind“ der Brüder Grimm, zu dem sie anmerken, es sei Sage und Glauben, dass dem, welcher seine Eltern schlägt, die Hand aus der Erde wächst.Tote, die keinen Frieden finden und in die Welt der Lebenden zurückkehren, sogenannte Untote, Seelen- oder Wiedergänger, begegnen uns in Sagen und Märchen immer wieder. Dazu zählt auch der Hessisch Oldendorfer Baxmann, einer, der etwas auf dem Kerbholz hat und bei einem Lebensalter von 91 Jahren (im 17. Jahrhundert!) in den Augen der Zeitgenossen mit dem Teufel im Bunde stehen muss. Cordt Baxmann war Turmwächter und Stadtmusikant des Ortes, später Pächter des Ratskellers. Er soll Wanderer beraubt und getötet haben, Kornschmuggel und und andere Betrügereien sagte man ihm nach, die Menschen gehen dem Mann aus dem Weg. weiterlesen


Was Engel so treiben

Himmelsthron in alle Ewigkeit - manchen Märchenfiguren ist das nicht genug

Von Cornelia Kurth Der Münchener Alois Hingerl weiß wie es im Himmel ist - langweilig. Er sitzt auf einer Wolke, singt zur Harfe Hosianna und von Bier und Schnupftabak hält Petrus ganz und gar nichts. Ludwig Thoma überspitzt mit seiner berühmte Erzählung „Ein Münchener im Himmel“ die volkstümlichen Vorstellungen und märchenhaften Beschreibungen von dem, was die Menschen im Himmel erwartet. weiterlesen


Wo der Tod „Zum Wohl!“ sagt

Sagen über mordende Wirte und höllische Gasthäuser

Von Uwe Pernack Es gab Wirte, bei denen hätten Reisende besser nicht einkehren sollen. Zum Beispiel im alten Griechenland bei einem gewissen Prokrustes. Kam ein Gast, wies er ihm entweder ein zu kleines oder ein zu großes Bett an. Dann machte er ihn ‚passend‘: Dem zu langen Gast hackte er Gliedmaßen ab, dem zu kurzen renkte er sie aus. So erzählt es jedenfalls eine Sage des Klassischen Altertums. Seither genießen Wirtinnen und Wirte in der Literatur, vornehmlich in Sagen und Märchen, einen eher zweifelhaften Ruf. weiterlesen


Wo sind nur die Hamelner Kinder hin?

Ein Fremder kam und ließ 130 junge Bürger verschwinden – auch nach 725 Jahren ist der mysteriöse Fall ungelöst

Jeder noch so abgebrühte Krimi-Kommissar müsste angesichts dieses Falles verzweifeln: 130 Personen ungeklärter Identität werden vermisst Die Hinweise auf ein Verbrechen sind vage und vom Hauptverdächtigen fehlt - abgesehen von ein paar sehr ungefähren beschreibungen - jede Spur. Die Frage, wer nun tatsächlich heute genau vor 725 Jahren als „Piper mit allerley Farve bekledet“ – so die Inschrift am Rattenfängerhaus – die Kinder aus der Stadt lockte, und wie diese dann „verloren“ gingen, gibt Forschern seit Jahrhunderten Rätsel auf weiterlesen


Wunder über Wunder

Worüber wir uns nicht weiter wundern sollten

Von Richard Peter Der Menschen Glaube an Wunder ist für Jean Paul „das große unzerstörbare Wunder“. Wen wundert’s. Schon im „Faust“ heißt es, „Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind“. Also strotzt es vor allem in der Bibel nur so von Wundern. Nicht nur in der Bibel – ganz generell und allemal im Glauben aller Völker. Ohne Wunder ist glaubensmäßig sozusagen „tote Hose“. Gelten sie doch als Offenbarung göttlicher Macht. Wer sonst, außer die Gottheit, könnte Naturgesetze ungestraft außer Kraft setzen – und gerade damit seine Göttlichkeit demonstrieren. weiterlesen


Wundersame „Weiße Nächte“

Von den uralten Wurzeln der Sonnenwendfeste

Von Peter Weber Während in Skandinavien und im Baltikum die ausgelassene Feier der Sommersonnenwende zu den Höhepunkten des Jahres gehört, will sich hierzulande ein solch unverkrampftes Treiben nicht einstellen, zu nachhaltig wirkt, wie sehr diese alte Tradition in den 20er und 30er Jahren vaterländischem Pathos und einem kruden germanischen Weltbild einverleibt wurde. Zudem fehlt unseren Breiten der Kern des nordischen Überschwangs, das dauerhaft waltende Tageslicht, das einen kurzen Triumph über die Dunkelheit feiert, dabei aber die Psyche des Menschen gehörig aus dem Lot zu bringen vermag. weiterlesen


Wunschwelt Zaubertränke

Von Miraculix bis zu sehr heutigen Elixieren mit Abnehm-Versprechen

Von Richard Peter Wenn das nicht Comic-Idylle ist: Miraculix, der Druide des gallischen Dorfs mit dem Ehrentitel „Die Unbezwingbaren“ beim Mistel schneiden mit der goldenen Sichel in einer Baumkrone. Denn Misteln stiften nicht nur Ehen, wenn man sich zur Weihnachtszeit unter ihnen küsst – sie sind auch wichtigster Bestandteil des Zaubertranks, den der Druide braut, wenn es für sein Dorf gegen die Römer geht, die den unbezwingbaren Feind dennoch mit Zeltlagern umzingeln. Selbst Caesar musste sich da bei seinem klassischen Dreiklang mit „veni, vidi“ – also einem bescheidenen „kam, sah“ begnügen. Das „vici“, also „siegte“, musste er sich verkneifen. Vici mit Zungenbiss sozusagen. weiterlesen


Zankapfel Astrologie

Vom Reiz einer „Wissenschaft“, die Forscher bis heute entzweit

Von Dorothee Balzereit Löwen sind geborene Führernaturen, Zwillinge intellektuelle Luftikusse und Fische die Sensibelchen unter den Sternzeichen. Soweit die Deutung der Astrologie. Dass Persönlichkeitsmerkmale an der Sternenkonstellation zum Zeitpunkt der Geburt ablesbar sein sollen, wird nicht erst seit gestern bezweifelt. Fakt ist aber auch: Bücher über Astrologie verkaufen sich besser als solche über Astronomie. Diese hat seit jeher eine treue Anhängerschaft. In der Regel spaltet sie sich auf in Astrologie-Gläubige und interessierte Zweifler, die nicht an die Macht der Planeten glauben, aber trotzdem regelmäßig ihr Horoskop lesen. Im Mittelalter und vor allem in der Renaissance gehörte Astrologie zum Wissenskanon der Zeit. weiterlesen


Zauber und Wahrheit

Vom Walnussbaum und anderen magischen Pflanzen

Von Jens Meyer Geht es um die magische Wirkung von Pflanzen, wurden aus der Mitte verschiedener Gesellschaften und in unterschiedlichen Epochen wahrhaft hübsche Geschichten geboren, die nicht immer, aber oft mit Göttern zu tun hatten; die Sagen rund um die Walnuss machen da keine Ausnahme. Wohl dem, der einen Walnussbaum in seinem Garten stehen hat, denn der bis 30 Meter hoch wachsende Riese hält nach naturwissenschaftlichem Ermessen nicht nur Ungeziefer auf Abstand, sondern steht insgesamt für die naturgegebene Weisheit. weiterlesen


Zauberkraft der Pflanzen

Machtvolle Bäume und heilende Kräuter

Von Cornelia Kurth Eine Bohne, die bis zum Mond wachsen kann; ein Strauch, dessen Nüsse kostbare Kleider enthalten; Rosen, die das Schloss der Märchenprinzessin umranken, und eine blaue Blume, die Liebe, Sehnsucht und das Geheimnis des Lebens symbolisiert - Pflanzen aller Art spielen eine große Rolle in Märchen und Sagen. Allen voran sind da die Bäume. Im Paradies wächst der „Baum des Lebens“ und der gefährliche „Baum der Erkenntnis“, die alten Germanen kannten den Weltenbaum „Yggdrasil“, und kaum eine Kultur existiert, in deren Mythologie es nicht ebenfalls einen „Weltenbaum“ gibt. weiterlesen


Zeit für spitze Ohren

Nächste Woche treffen sich wieder Tausende Liverollenspieler beim „Conquest of Mythodea“

Von Gabriele Laube Das Land der Elfen, Orks und Krieger fängt gleich hinter Hannover an. Fünf Tage lang kleben sich erwachsene Menschen beim „Conquest of Mythodea“ spitze Ohren an den Kopf und kämpfen gegen furchteinflößende Gegner. Das Liverollenspiel (im Fachjargon kurz LARP für Live Action Role Play) auf Rittergut Brokeloh (3. bis 8 August ), ist weltweit das größte seiner Art und lockt jeden Sommer mehr als 7000 Spieler und etwa 1000 Statisten an. weiterlesen


„Märchen sind nicht grausamer als das Leben“

Interview mit Märchenforscherin Ursula Heindrichs

Von Dorothee Balzereit Gelsenkirchen hört sich nicht nach Märchen an. Eher nach Realität zwischen Kohlenstaub und Stadion. Doch genau hier wohnt Märchenforscherin Ursula Heindrichs, zwar nicht „Auf Schalke“, aber „Auf Böhlingshof“. Heindrichs hat den größten Teil ihres Lebens mit Märchen verbracht, nur ihre Kindheit nicht. Zu denen kam die Philologin erst im Studium, weil sie „eine grundsätzliche Poesie mitbringen“. weiterlesen