Hintergrund

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Adelsdynastie mit bewegter Geschichte

Auf den Spuren der Freiherren von Münchhausen im Schaumburger Land

Stoff bot und bietet der mehr als 800 Jahre alte Clan  mehr als genug. Es dürfte weit und breit kaum eine andere Adelsdynastie geben, die ähnlich viel erlebt, durchlitten und/oder auf die Beine gestellt hat. Die Palette der im Stammbuch verewigten Persönlichkeiten weist eine ungewöhnliche Vielfalt an Berufen und Talenten aus. weiterlesen


Die Sage von der Kixmühle

Als der Müller dem Teufel seine Seele verkaufte

Bei der Wiederbesiedlung des wüst gefallenen Dorfes Hiddenhausen um 1530 entstand an der Grenze zu Pyrmont, unmittelbar unterhalb des Pyrmonter Ortsteils Hagen, dort wo Meinte- und Eschenbach zusammenfließen, die Kixmühle. Der erste Müller hieß Kix und stammte aus der Kixmühle in Wüsten bei Bad Salzuflen. Das Gewerbe der Müller hatte in den vergangenen Jahrhunderten keinen guten Ruf, denn man lastete ihnen oft Kontakt mit den Mächten der Unterwelt an. weiterlesen


Legenden und Brauchtum zum Martinstag

Vom Himmelssturm Wotans bis zum Martini-Markt

Von Wilhelm Gerntrup Der November ist seit alters her der Monat der Rückbesinnung und inneren Einkehr. Zu keiner anderen Jahreszeit gab und gibt es so viele Gedenktage. Den Auftakt machen die Katholiken mit Allerheiligen und Allerseelen (1. und 2.). Am 16. November des Jahres stimmen sich die evangelischen Gläubigen mit ihrem Buß- und Bettag auf den Totensonntag am 20. November ein. Zwischendurch wird am 9. an „Reichskristallnacht“ und Judenpogrome erinnert. Und seit den 1920er Jahren wird am 14. November ebenfalls konfessionsübergreifend – ein Volkstrauertag begangen Kein Wunder, dass es der am kommenden Samstag anstehende und eher fröhlich daher kommende „Martinstag“ zwischen all den schwermütig-schwergewichtigen Anlässen nicht leicht hat. weiterlesen


Racken, hecheln und flirten

Aus der Zeit, als in den Spinnstuben nicht nur gearbeitet wurde

Von Dorothee Balzereit Ob Schmied, Weber oder Bäcker: Das Bild vieler traditioneller Handwerksberufe hat sich im Laufe der Zeit sehr verändert, einige sind heute sogar ganz ausgestorben. Andere haben durch Automatisierung und Rationalisierung nur noch in Grundzügen Ähnlichkeit mit ihren ursprünglichen, prägenden Tätigkeiten. Sie sind mit der modernen Gesellschaft gewachsen, bedienen deren Bedürfnisse und erleichtern die Arbeit enorm. Doch auch die alten Abläufe beinhalten wertvolles Wissen, das durch das Auseinanderdriften von Mensch und Natur droht, in Vergessenheit zu geraten. Im Freilichtmuseum Detmold ist das anders: Dort wird gemüllert, gebacken und gesponnen wie früher. weiterlesen


Starkes Aschenputtel

Die Geschichte eines Mädchens, das sich zu helfen weiß

Von Dorothee Balzereit Aschenputtel steckt in jedem von uns. Egal, ob Mann oder Frau. Darin sind sich die Psychoanalytiker einig. Und dass das tugendhafte Mädchen, erniedrigt von der Stiefmutter und garstigen Schwestern, gar nicht so unschuldig ist, wie es glauben machen möchte, mag manchen erschüttern. weiterlesen


"Sage sieht mit anderen Augen"

Wie Erzählungen zwischen Poesie und Geschichte hin und her pendeln

Von Wilhelm Gerntrup  „Die Sage geht mit andern Schritten und sieht mit andern Augen, als die Geschichte dies thut“, schrieben 1816 die Grimm-Brüder Jakob (1785-1863) und Wilhelm (1786-1859) bei der Vorstellung ihres ersten Sammelbandes „Deutsche Sagen“. Sie (die Sagen) beinhalteten einen „gewissen Beigeschmack des Leiblichen, oder, wenn man lieber will, des Menschlichen, wodurch sie so mächtig und ergreifend auf uns wirken“. weiterlesen


...und dazu ein Einhorn

Fantasy-Autor Kai Meyer spricht über Sehnsüchte, Tolkien und die Ratten von Hameln

Kai Meyer ist einer der bekanntesten Fantastik-Autoren in Deutschland. Im Jahr 1995 veröffentlichte er den Roman Rattenzauber - ein unheimlicher Roman, der die Sage vom Rattenfänger neu erzählt und mystische mit historischen Elementen auf ansprechend gruselige Art vermengt. Inzwischen hat Meyer, der 1969 in Lübeck geboren wurde, über fünfzig Romane veröffentlicht, Übersetzungen erscheinen in dreißig Sprachen. Seine Geschichten wurden als Film, Hörspiel und Graphic Novel adaptiert und mit Preisen im In- und Ausland ausgezeichnet. Wir haben mit ihm über die Liebe zu fantastische Welten, Sehnsucht und Realitätsflucht gesprochen. weiterlesen


Ab durchs wilde Feuer

Als man die Schweine und ihren Hirten durch die Flammenwand trieb

Von Wilhelm Gerntrup Im Fokus des mittelalterlichen Aberglaubens standen auf dem Lande nicht selten Tiere. Kein Wunder – hing doch das Wohlergehen der Menschen direkt am Wohlergehen der existenzsichernden Tiere. Um sie vor Flüchen und magischen Zaubern zu schützen, ließ man sich allerlei einfallen. So wurde zum Beispiel zu bestimmten Anlässen und Zeiten der Stall ausgeräuchert, um Krankheiten vorzubeugen. Gegen „angehexte“ Milchlosigkeit der Kühe wurde ein Kreuzdorn-Zweig über die Stalltür genagelt, Tierkrankheiten mit Osterwasser geheilt. Gebräuchlich waren in unserer Region auch die sogenannten Notfeuer. Indem man die Tiere durch die Flammen trieb, wollte man der Gefahr von Seuchen vorbeugen. weiterlesen


Alle Dinge sind Gift

Vor allem Frauen wussten das zu nutzen

Von Richard Peter Gift und Frauen, das gehört schon immer zusammen. Warum das so ist? Ganz einfach: Weil sie von jeher ein enge Beziehung zu Kräutern hatten. In der Gemeinschaft war es ihre Aufgabe, sie zu sammeln. Sie waren es, die zwischen essbar und giftig unterschieden und Pflanzen als Heilmittel einzusetzen wussten. Nicht von ungefähr galten Kräuterfrauen als Hexen. Später landeten sie für ihr Wissen oftmals auf dem Scheiterhaufen. Angst spielte wohl eine Rolle. Und tatsächlich war der Giftmord eine sehr weibliche Methode, um sich zu wehren. Oder schlicht, um jemanden loszuwerden. Ein Blick in die Giftküche. weiterlesen


Als auf dem Berg die Riesen hausten

Von Wilhelm Gerntrup Ob Gewitterblitz, Orientierungssinn der Fledermäuse oder soziales Zusammenleben der Ameisen – die moderne Naturwissenschaft liefert für (fast) alles eine logische Erklärung. Was die Leute früher in Angst, Schrecken oder andächtiges Staunen versetzte, lässt sich heute als Folge und Ergebnis evolutionärer Entwicklungsprozesse nachweisen. Das war zur Zeit unserer Großväter und Urgroßmütter noch anders. Für sie war das Geschehen zwischen Himmel und Erde noch mit wundersamen und phantasievollen Vorstellungen verbunden. Eine gewichtige Rolle in den Erklärungsversuchen spielten Riesen und Zwerge. Die Kunde von deren Wirken gehörte einst zum Pflichtunterrichtsprogramm der Schulen. weiterlesen


Aus dem Herzen eines Riesen

Um die Süntelbuche ranken sich Sagen und Erzählungen

Von Barbara Jahn-Deterding Sie ist eine weltweite Rarität, ein Wunder der Natur, die rotblättrige Süntelbuche. Ein Exemplar dieser Buche, inzwischen etwa 40 Jahre alt, gedeiht prächtig auf einer Wiese am Parkplatz Kreuzsteinquelle oberhalb der Pappmühle bei Zersen. Die knorrigen Bäume mit den verdrehten Ästen haben botanische Namen wie Tortuosa, Suentelensis oder Suntalensis. Im Volksmund entstanden Namen wie Hexenbuche, Schirmbuche, Krüppelbuche, Struwwelpeterbuche oder Schlangenbuche für die ungewöhnlichen Bäume. Ob rotblättrig oder nicht, man erzählt über sie viele Sagen und Geschichten. weiterlesen


Aus dem Reich des Teufels

Die Kraft, die stets das Böse will

Von Cornelia Kurth Der Teufel hat so viele unterschiedliche Gesichter wie das Böse. Mal ist er ein hässlicher Kerl mit Gaunertricks, dann wieder erscheint er als mächtiger Dämon. Er macht sich an Menschen in Not ebenso heran wie er mit den Reichen und Herrschenden im Bunde steht. Für die Christen ist er das personifizierte Böse und Ursache für das Böse in der Welt, in Islam und Judentum dagegen dient der Teufel Gott, indem er die Frömmigkeit der Menschen auf die Probe stellt. Für manche umschwebt ihn die heroische Aura eines gefallenen Engels, und andere, wie etwa der Dichter Moliere, machen ihre Scherze: „Der Himmel dürfte aus klimatischer Sicht angenehmer sein als die Hölle“, sagt er. „Allerdings vermute ich, dass die Hölle in gesellschaftlicher Hinsicht weit interessanter ist.“ weiterlesen


Bauernweisheiten von gestern

Morgengrau gibt Himmelblau und anderes Wetterwissen

Von Wilhelm Gerntrup Er wird gern als „Bibel des Aberglaubens“ bezeichnet: der Hundertjährige Kalender. Ein Teil der der Bauernweisheiten im „immerwährenden Kalender“, wie er auch gern genannt wird, habe Hand und Fuß, sagen dagegen Fachleute. Der Grund für die vielen Bauernregeln ist einfach: Für unsere Vorfahren war das Wetter existenziell. Entsprechend wurde versucht, langjährige Erfahrungen in allgemeingültige Deutungen zu verpacken. Viele davon haben sich bis heute gehalten. Die bekannteste dreht sich wohl um den Siebenschläfer: So wie das Wetter am 27. Juni ist, wird es auch in den folgenden sieben Wochen, heißt es. Auch der Glaube dass die sogenannten „Rauhnächte“ eine besondere Bedeutung haben, ist verbreitet. So wie die zwölf Tage zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar, bestimmen das Wetter für die nächsten zwölf Monate des bevorstehenden Jahres, so der Glaube. weiterlesen


Bei Nacht und Nebel

Eulen nach Athen zu tragen hieße, Nebel zu den Germanen zu schicken

Von Peter Weber Er hat sich seit einigen Jahren rar gemacht in unseren Breiten, der Novembernebel. Nicht dass man ihn als Autofahrer vermissen würde, verheißen doch vom Wetterdienst angekündigte „Sichtweiten unter 50 Meter“ für den morgendlichen Berufspendler nichts Gutes. Und doch ist der Nebel ein ganz eigenes, eindrückliches Phänomen, das in die Sinnenwelt des Menschen markant eingreift. Wer in Nebel gerät, kann seinen Augen nicht mehr trauen, Farben und Konturen verschwimmen auf kurze Distanz, dagegen erwacht das Ohr, registriert Töne, denen es sonst kaum Beachtung schenkt, doch eigentümlich dumpf und richtungslos verbleiben sie weiterlesen


Ben Becker als Lügenbaron

Doku-Drama rund um Münchhausen

Von Heide-Marie Göbbe und Klaus Klemens „Münchhausen – die Geschichte einer Lüge“ heißt das Doku-Drama, das von der Gebrüder Beetz Filmproduktion im Auftrag des NDR in Zusammenarbeit mit Arte aufgezeichnet wurde. In diesem Feature, das einen dokumentarischen Teil von 52 Minuten enthält, begibt sich das Filmteam auf die Suche nach der wahren Geschichte des „Lügenbarons“ Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen. Da das Gutshaus in Bodenwerder nicht den Ansprüchen für historische Aufnahmen entspricht, wählte man die Marienburg in Pattensen und die Hämelschenburg als Schauplätze des Geschehens. Mittendrin: der bekannte Schauspieler Ben Becker. Für die Doku schlüpft er in die Rolle des Lügenbarons weiterlesen


Blutiger Dank

Die Macht der Rituale – ein blutiger Streifzug durchs hiesige Ernte-Brauchtum

Von Wilhelm Gerntrup Der August ist seit alters her als Erntemonat bekannt. Im Mittelalter sprach man vom „Aranmanoth“ (Ährenmonat), im vergangenen Jahrhundert kam „Ernting“ in Mode. Auch in diesen (August-) Tagen geht es auf den heimischen Feldern wieder rund. Anders als früher kriegt davon jedoch kaum noch jemand etwas mit. Das Mähen, Dreschen und Mahlen geht heutzutage vollautomatisch, schnell und weitgehend unbemerkt über die Bühne. Sensen, Sicheln und Harken findet man nur noch im Heimatmuseum. weiterlesen


Das edle Einhorn

Geschichte eines Fabelwesens

Von Cornelia Kurth Einhörner, wunderschön, sanft und scheu, doch zornig gegen Feinde, die sie mit ihrem spitzen, gezwirbelten Stirnhorn töteten – es gibt nicht viele mythische Wesen, an deren reale Existenz jahrtausendelang geglaubt wurde. Man wusste schon von den Persern her, wie Einhörner aussahen, man gab diese Beschreibungen und weitere Erzählungen in Reiseberichten, Volksbüchern, wissenschaftlichen Arbeiten und als Historiker weiter. weiterlesen


Das geköpfte Brüderchen

Mord, Kannibalismus und Schamanismus – das verstörende Märchen vom Machandelboom

Das Märchen „Van den Machandelboom“ ist eines der brutalsten, bittersten, aber zugleich auch internationalsten und spirituellsten Märchen. Seine Anspielungen reichen vom Nordland bis Ägypten. Phönix lässt grüßen, aber auch die dreifaltige Göttin, die Urmutter uralter Mythologie. In der Geschichte, die der romantische Maler Philipp Otto Runge aufgeschrieben hat und die die Brüder Grimm in ihre Märchensammlung aufnahmen, stecken Parallelen zu Geschichten, wie sie in ganz Europa erzählt worden sind. Es geht um Mord, Kannibalismus, Schamanismus und nichts Geringeres als die Wiederauferstehung. Das ursprünglich plattdeutsche Märchen beginnt mit den Worten „Dat is nu all lang her, wohl twe tusend Johr“. weiterlesen


Das Jahresrad der Kelten

Acht magische Zwischenzeiten

Von Dorothee Balzereit Sagen und Mythen sind ein Spiegel der Kultur. Im Gegensatz zu Märchen, die in einer zauberhaften aber zugleich abstrakten Welt spielen, sind sie stark beeinflusst von der umgebenden Natur. Ihr Werden und Vergehen haben unsere Vorfahren genau beobachtet. Das Jahr wurde mit einem achtspeichigen Rad gleichgesetzt, das sich um die eigene Achse dreht. Alle zwei Monate begann ein neuer Abschnitt und es wurde ein bedeutungsvolles Fest gefeiert – mal der Sonne, mal dem Mond zugeordnet. Der Übergang wurde als magische Zeit empfunden, in denen schöpferisches Chaos herrschte und die Grenzen verwischten: Geister und Götter traten mit den Menschen in Kontakt - Zeit, sich tief zu erinnern und fallen zu lassen. Ein Blick auf diese magischen Zwischenzeiten hilft zu verstehen, von welchen Elementen viele Sagen und Bräuche – in der Folge auch christliche – Riten und Feste beeinflusst sind. Ein Überblick. weiterlesen


Der Fluch der Teufelsmühlen

Düstere Sagen vom Müller und seinem entlegenen Arbeitsplatz

Von Dorothee Balzereit „Teufelsmühlen“ gibt es in Norddeutschland genauso wie in Österreich oder im Harz. Zugrunde liegt meist eine Sage, in der der Teufel einen Pakt mit dem Müller schließt. Dem werden als Motive Habsucht oder Übermut zugeschrieben, manchmal befindet sich der Müller auch in einer wirtschaftlichen Notlage. Es ist eine Form der Sage, in der ein strenger Gerechtigkeitssinn zutage tritt und in der der vom Teufel Verführte seiner vermeintlich gerechten Strafe nicht entkommt. Eine Teufelsmühlen-Sage mit einem tapferen Müllerburschen gibt es dagegen im Lipperland: Er wagt es, dem Teufel die Stirn zu bieten. weiterlesen


Der Herr der Ströme

Superstar der elektromagnetischen Szene –Franz Anton Mesmer und der animalische Magnetismus

Franz Anton Mesmer war in seiner Zeit so etwas wie der Superstar der elektromagnetischen Szene. Der Arzt, der selbst aus einfachen Verhältnissen kam, hatte durch seine Studien und Therapien Zugang zur feinen Gesellschaft seiner Zeit. Er war überzeugt davon, dass einer Art magnetische Energie zwischen Körper und Seele vermittelt. Seine „magnetische Klinik“ hatte großen Zulauf und machte ihn über die Landesgrenzen hinaus berühmt. Unter anderem arbeitete er mit sogenannten „Elektrisiermaschinen“. Auch im Museum Eulenburg in Rinteln steht eine solche Maschine aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, mit der durch Reibung Elektrizität erzeugt werden kann. Dieses Phänomen war das Faszinosum der Zeit. weiterlesen


Der Stoff, aus dem die Träume sind

Was schöne Kleider, goldene Pantoffeln und rote Käppchen in Märchen und Sagen ausdrücken

Von Frank Neitz Ein rotes Käppchen, ein goldener Pantoffel, ein Mantel aus Fell – die Brüder Grimm erzählen gern und symbolhaft von der Kleidung ihrer Märchenfiguren, auch wenn nicht immer davon gesprochen wird, wie die Roben eigentlich genau aussehen. Wunderschön sind die Kleider der Heldinnen in jedem Fall – aber erst am Ende, wenn sie für ihre reine Seele und Gesinnung belohnt werden.Vorab gehen sie nicht selten in Lumpen, wie das Aschenputtel. Und wer nur auf den schönen Schein achtet, sich gar zu sehr herausputzt, kommt ganz schlecht weg bei den Grimms. weiterlesen


Der wundersame Holunder

Vom bemerkenswerten Eigenleben eines unscheinbaren Strauches

Von Peter Weber Kaum ein heimisches Gewächs hat in den letzten Jahren so an Ansehen gewonnen wie der schwarze Holunder. Haftete ihm doch lange Zeit etwas von den dürftigen Verhältnissen der Nachkriegszeit an, war der Saft seiner Beeren allenfalls als antigrippales Heißgetränk geduldet. Nunmehr ist er mit dem Aufleben der Naturmedizin in seinen vielfältigen Wirkungsweisen wieder allseits geschätzt, füllt mit feinen Rezepturen ganze Kochbücher oder stimmt mit einem „Hugo“ ganze Festgesellschaften auf Kommendes ein. weiterlesen


Der „Höllenhund aus dem Schecken“

Aus dem Sagenschatz der Ithbörde-Dörfer

Von Fritz Koenig Wer sich mit dem Sagenschatz der Dörfer in der Ithbörde beschäftigt, ist überrascht von der Fülle der dort ursprünglich mündlich überlieferten Sagen. Von großsprecherischen Riesen, gewitzten Zwergen, vergrabenen Kriegskassen und natürlich vom Teufel und seinen Ränkespielen wird berichtet. Am eindrucksvollsten wirken jedoch die zahlreichen Sagen, in denen die Natur die Menschen des Mittelalters dominierte. Ihrer Magie standen sie vor Furcht zitternd oder in unerklärlicher Faszination gegenüber. Begünstigt wurde dieses Lebensgefühl durch die bizarren Felsformationen des Ithgebirges und durch die erst in der Neuzeit gerodeten tiefen Waldungen. Von den Bergen herabstürzende Wasserläufe bildeten geheimnisvolle Teiche und Moore. So verwundert es nicht, dass gleich mehrere Sagensammlungen hier entstanden. August Teiwes, Ulrich Baum und zuletzt Uwe Schakeit legten reichhaltige Sagenbände aus der Ithbörde vor. Die „Sage vom Höllenhund aus dem Schecken“ zeigt, wie eng die alten Sagen mit einer bestimmten realen Örtlichkeit verbunden sind. weiterlesen


Die Abstauber

Manchem Müller reichte es, sich nicht strafbar zu machen

Von Dorothee Balzereit Ob Schmied, Weber oder Bäcker: Das Bild vieler traditioneller Handwerksberufe hat sich im Laufe der Zeit sehr verändert, einige sind heute sogar ganz ausgestorben. Andere haben durch Automatisierung und Rationalisierung nur noch in Grundzügen Ähnlichkeit mit ihren ursprünglichen, prägenden Tätigkeiten. Sie sind mit der modernen Gesellschaft gewachsen, bedienen deren Bedürfnisse und erleichtern die Arbeit enorm. Doch auch die alten Abläufe beinhalten wertvolles Wissen, das durch das Auseinanderdriften von Mensch und Natur droht, in Vergessenheit zu geraten. Im Freilichtmuseum Detmold ist das anders: Dort wird gemüllert, gebacken und gesponnen wie früher. weiterlesen


Die Deutsche Märchenstraße

Wo die Sagen und Märchen an der Straße liegen

Von Dorothee Balzereit Menschen lieben Geschichten. Einen besonderen Reiz üben die geheimnisvollen Erzählungen unserer frühen Tage aus, die auch wir unseren Kindern weitererzählen. Was könnte also schöner sein, als die Kulissen der Kindheit aufzusuchen? Die Deutsche Märchenstraße macht es möglich. Seit Gründung der „Arbeitsgemeinschaft Deutsche Märchenstraße“ in 1975 hat sich die Route zu einer der bekanntesten deutschen Ferienrouten entwickelt. Dem Verein gehören inzwischen mehr als 50 Orte an. weiterlesen


Die geheimnisvolle Katze

Ihr Wesen beschäftigt den Menschen von jeher

Von Viktor Meissner In bundesdeutschen Haushalten gibt es mehr miauende als bellende Familienmitglieder – die Katze hat dem Hund schon längst den Rang abgelaufen. In Ägypten war sie heilig, Leonardo da Vinci nannte sie Meisterwerke der Natur. Im Märchen sind sie Begleiter der Hexen und dem Volksglauben nach sollen sie neun Leben besitzen oder Unglück bringen – Katzen faszinieren die Menschheit von jeher. weiterlesen


Die Hünen-Saga

Von Riesen und Zwergen im Schaumburger Land

Ob Gewitterblitz, Orientierungssinn der Fledermäuse oder soziales Zusammenleben der Ameisen – die moderne Naturwissenschaft liefert für (fast) alles eine logische Erklärung. Was die Leute früher in Angst, Schrecken oder andächtiges Staunen versetzte, lässt sich heute als Folge und Ergebnis evolutionärer Entwicklungsprozesse nachweisen. Das war zur Zeit unserer Großväter und Urgroßmütter noch anders. Für sie war das Geschehen zwischen Himmel und Erde noch mit wundersamen und phantasievollen Vorstellungen verbunden. Eine gewichtige Rolle in den Erklärungsversuchen spielten Riesen und Zwerge. Die Kunde von deren Wirken gehörte zum Pflichtunterrichtsprogramm der Schulen. In der Grafschaft Schaumburg war eine 1962 vom Kreislehrerverein in Rinteln herausgegebene Fibel „Heimatsagen aus der Grafschaft Schaumburg“ in Gebrauch. Im benachbarten Schaumburg-Lippe benutzte man eine Sammlung des Ex-Landesschulrats Dr. Espe. Der Titel: „Heimatbilder aus dem Schaumburger Land und seiner Umgebung“. weiterlesen


Die Melancholie des Schlafmohns

Mythos und Magie der Pflanzen

In der Bedeutung von Blumen, Blüten und Bäumen, von Wurzelwerk und Pflanzensäften liegen Magie und Mythos dicht beieinander. Vieles ist biblisch, manches teuflisch. Was uns aus früherer Zeit überliefert wurde, hat bisweilen noch heute Bestand.   weiterlesen


Die Vernichtung der weisen Frauen

Seit dem Mittelalter wurden Hebammen verfolgt – weil sie Frauen Entscheidungsgewalt über ihre Körper gaben

Von Wiebke Westphal Er ist einer der ältesten Frauenberufe der Welt: Bereits seit Jahrtausenden helfen Hebammen schwangeren Frauen bei der Geburt ihrer Kinder und im Wochenbett. Doch die Geschichte dieses jahrtausendealten Wissens ist zugleich die Geschichte eines jahrtausendealten Kampfes: Seit dem frühen Mittelalter und mit zunehmender Verbreitung des Christentums wurden Geburtshelferinnen überall in Europa verfolgt, gejagt, gehängt oder verbrannt – denn sie verfügten über und verbreiteten Wissen, das Frauen die Macht gab, wenigstens zu einem kleinen Teil selbst über ihr Leben zu entscheiden. weiterlesen


Die wahren Krimis schreibt die Geschichte

Aus der Sagenwelt des Schaumburger Landes

Weiße Frauen, Hexen, unschuldig verurteilte Jungfrauen, Werwölfe, kopflose Wiedergänger, Gespensterwesen, Feengestalten, Riesen und gute und böse Zwerge: Sie alle haben und hatten ihr Zuhause auch im Schaumburger Land, zumindest in der Sagen- und Legendenwelt, die sich in den vergangenen Jahrhunderten gebildet hat. weiterlesen


Die Wurzeln des Osterfests

Zeit der Hoffnung

Von Wilhelm Gerntrup Kaum ein anderes Fest ist so mit Symbolen befrachtet wie Ostern. Von den Christen als Auferstehung Jesu gefeiert, reicht die kulthafte Bedeutung des neben Pfingsten ältesten und wichtigsten christlichen Festes bis in die frühe Menschheitsgeschichte zurück. Ostern markiert den Zeitpunkt des Lichtwerdens, des Erwachens und der Wiederauferstehung der Natur und des Lebens. Dieser Hoffnung spendende und Neuanfang verheißende Moment wird seit Menschengedenken weltweit gefeiert. Das Gemisch zwischen christlichen und heidnischen Ursprüngen kommt bis heute im Brauchtum zum Ausdruck. Die Einzelrituale sind von Region zu Region und von Ort zu Ort verschieden. weiterlesen


Eine ganz besondere Bettgeschichte

Wie der Graf von Gleichen schlief

Im Schloss Pyrmont, der ehemaligen Sommerresidenz des Fürsten zu Waldeck, geht nicht alles mit rechten Dingen zu. Und das nicht erst, seit das Schlossgespenst Friedrich sein Unwesen auf der Schlossinsel treibt. Als die Adelsfamilie im 20. Jahrhundert während der Kursaison im Sommer Gäste auf die bis 1945 in Privatbesitz befindliche Schloss- und Festungsanlage locken wollte, gab es eine Vielzahl von bemerkenswerten Sehenswürdigkeiten im Bereich der Außenanlagen. Ganz sicher zählte dazu die vierhundertjährige Linde an der Nordwestseite der Insel, die mit ihren sieben Metern Umfang wirklich einzigartig war, aber leider 1932 durch einen Sturm entwurzelt wurde. Sensationell aber war vor allen Dingen das riesige Bett des Grafen von Gleichen in der Eckbastion von Schloss Pyrmont, das auf einzigartige Weise die Gleichensage jedem Betrachter anschaulich vor Augen führte. Was verbirgt sich hinter dieser Geschichte und was hat Pyrmont damit zu tun? weiterlesen


Eine Legende aus Stahl

Das „Ulfberht“-Schwert durchdrang Helme wie Butter / Geschmiedet wurde es wohl im Kloster Fulda

Von Ernst August Wolf Ein Ulfberht-Schwert! Das, was 2015 15 Kilometer flussabwärts von Hameln aus den Weserfluten auftauchte, war nicht weniger als eine archäologische Sensation. Die Schwerter mit den Ulfberht-Klingen geben den Forschern schon seit langer Zeit Rätsel auf. 167 Exemplare der mittelalterlichen Wunderwaffe wurden bisher gefunden. Neben der geheimnisvollen Inschrift ist es vor allem der besonders hochwertige Stahl, der das Schwert zur Legende machte. Eine Waffe von der es heißt, sie konnte Schädel und Knochen durchdringen wie Butter. weiterlesen


Farbenspiele auf nackter Haut

Vom „Signal-Rot“ früher Menschen bis zur bunten Bodypainting-Kunst heutiger Zeit

Von Ernst-Michael Stiegler   Von Rund 30 000 Jahre trennen die „Venus von Willendorf“ von einem Modell des Hamelner Bodypainting-Künstlers Jörg Düsterwald. Gemeinsam ist beiden eine farbige „zweite Haut“. Rote Farbreste bei der üppigen Urzeit-Venus könnten ein Indiz dafür sein, dass dem Menschen, der diese kleine Kalksteinstatuette geschaffen hat, Körperbemalung nicht fremd war. Als schnell vergängliche Kunst – nur Fotos halten das Werk fest – findet sie heute wieder Beachtung. weiterlesen


Für immer mein

Rapunzel – ein Wunschkind zwischen erdrückender Mutterliebe und dem erlösenden Geliebten

Von Cornelia Kurth Was für eine ungeheure Überraschung für das in seinem hohen Turm eingeschlossene Mädchen. Keine Tür, keine Treppe führt ja in das Turmzimmer, in dem sie lebt. Wenn sie von weit unten den Ruf hört: „Rapunzel, Rapunzel, lass mir dein Haar herunter!“, lässt sie ihren langen Zopf herab. Daran klettert die Zauberin, die sie gefangen hält, nach oben, um sie zu versorgen. Sie ist der einzige Mensch, den das Mädchen kennt. Aber eines Tages, da steigt nicht die Zauberin durch das Fenster, sondern ein schöner junger Königssohn. weiterlesen


Geheimnisvoller Mond

Garant für Mythen

Von Peter Weber Das Verhältnis des Menschen zum Mond, der dem Unbegreiflichen der eigenen Existenz in den Weiten des Weltalls doch wenigstens etwas von ahnender Anschauung verleiht, ist von unvergleichlicher Komplexität und Ambivalenz. Das hat es gerade Schriftstellern immer wieder zum Thema werden lassen. weiterlesen


Geliebtes „Rotkäppchen“

Eine kleine süße Dirne, die jedermann lieb hatte

  „Es war einmal...“ - nichts weniger als das berühmte „Sesam-öffne-Dich“ auch für unsere Märchenwelt. Auch wenn es seltener geschrieben steht, als wir erinnern. „Aschenputtel“ beginnt mit „Einem reichen Manne...“, „Das tapfere Schneiderlein“ mit „An einem Sommermorgen...“ und auch „Hänsel und Gretel“ startet ohne das Zauberwort ganz schlicht und bescheiden mit „Vor einem großen Walde wohnte ein armer Holzhacker“. Allerdings: bei unserem „Rotkäppchen“ heißt es traditionell „Es war einmal...“ - und dann „eine kleine, süße Dirne, die hatte jedermann lieb“. Und „am allerliebsten“, wie geschrieben steht, „ihre Großmutter“, die ihr auch ein Käppchen von rotem Sammet schenkte. Und das steht ihr so gut, dass sie für alle künftig nur noch das „Rotkäppchen“ heißt. weiterlesen


Glückspilz, Rabenbrot und Krötenstuhl

Die psychedelische Wirkung Fliegenpilzes hinterließ in vielen Kulturen ihre Spuren

Von Peter Weber Es gehört zu den Kindheitserinnerungen früher Jahre, ihn während eines spätsommerlichen Sonntagspaziergangs im prächtigsten Komplementär aus dem Waldesgrün herauslugen zu sehen: den Fliegenpilz mit weißem Stiel und roter, gepunkteter Kappe. Und es war durchaus irritierend, dass ausgerechnet dieser schönste aller Pilze giftig sein sollte und sein Berühren elterlicherseits nicht geduldet wurde. Zu sehr fügte er sich doch in die Welt putziger Kinderbuchillustrationen, wo er, versehen mit Tür, Ofenrohr und Fensterläden, als Zwergenwohnung diente oder kleine Waldbewohner wie Raupe, Spinne oder Käfer vor Regen beschirmte. Dass ausgerechnet dieser nette Kerl dem Beelzebub, dem Herrn der Fliegen, zuzurechnen war und nicht die ordinäre Stinkmorchel, der Gestiefelte Schleimkopf, der Gallertige Zitterzahn oder sonstiges wunderliches Gekröse, das sich wie von Geisterhand im Zwielicht des Waldes aus dem Boden hob, das alles wollte sich dem kindlichen Gemüt nicht erschließen. weiterlesen


Gnadenlose Hexenjagd

In Rinteln wurden besonders unnachgiebige Urteile über vermeintlich gefährliche Frauen gesprochen

Von Wilhelm Gerntrup „Hexen“-Geschichten sind in vielen Volkskulturen überliefert. Dabei ging und geht es meist um mythische, mit übersinnlichen Fähigkeiten. Besonder gut kannten sich diese Zwischenwesen im Bereich Weissagung, Kräuterkunde, Wunderheilung und/oder Geburtshilfe aus. Die Bezeichnung „Hexe“ war hierzulande bis zur Einführung des Christentums unbekannt. Bei unseren heidnischen germanischen Vorfahren war von - überwiegend weiblichen - „unholden“ (nicht immer gutartigen Personen) die Rede. Die Umdeutung und Verfolgung als dämonische, gottlose Teufelskomplizinnen kam erst im Gefolge der Christianisierung in Gang. weiterlesen


Gold, Gold, Gold

… und die Menschheitsgeschichte

Von Richard Peter Das Gelbe, wie Gold im Mittelalter auch genannt wurde, hatte schon im Altertum eine große Bedeutung. Man nimmt an, dass in China lange vorher Münzen benutzt wurden, die Gold enthielten. Ab dem 13. Jahrhundert wurde auch in Deutschland, zum Beispiel in Eisenberg, in Westfalen und südlich von Kassel Bergbau betrieben, um Gold abzubauen. Besonders ergiebig war das allerdings nicht. weiterlesen


Heidnische Tradition auf Fachwerkhäusern?

Von alten, gemalten Säulen, die an die Irminsul erinnern

Von Dorothee Balzereit Bibelsprüche auf den Querbalken, Namen, Jahreszahlen und reich verzierte, farbige Malereien – all das findet man bis heute rund um die Dielentore alter Fachwerkhäuser im Weserbergland. Insbesondere auf den Dörfern wird schnell fündig, wer die Augen offen hält. Während die einen die auffällige Ornamentik für reinen Zierrat halten, glauben andere, dass mehr dahintersteckt. Vor allem Heimatforscher vermuten, dass es sich um eine seit Jahrhunderten unbewusst fortdauernde Sinnbildtradition handelt. weiterlesen


Herr Grimsehl und das Zwergengold

Was ist dran an einer längst vergessenen Erzählung aus der Hamelner Bäckerstraße?

Von Ulrich Behmann Sie wurden daheim erzählt und in Schenken zum Besten gegeben – Sagen und Geschichten aus der Region. Es soll ja etwas Wahres dran sein an dem, was über Jahrhunderte mündlich weitergegeben wurde. Doch: Was ist frei erfunden, was stimmt wirklich – und wo spielen die Geschichten, an die sich selbst Archivare nur noch dunkel erinnern können? In der Hamelner Bäckerstraße sei einst einer Magd, die für einen gewissen Kaufmann Grimsehl gearbeitet haben soll, ein Missgeschick passiert, heißt es. Als Folge davon soll die junge Frau wohlhabend und ihr Dienstherr reich geworden sein. Davon jedenfalls erzählt die Geschichte vom „Zwergengold“, die der verstorbene Autor Georg Kollmann aufgeschrieben und so für die Nachwelt erhalten hat. Grimsehl soll eines Morgens einen Schatz gefunden haben. Von dem habe er sich „jenes schöne Haus, das man in der Bäckerstraße noch heute bewundern kann“, gebaut. Gab es den Kaufmann wirklich? Und wenn ja: Hat er in der Bäckerstraße ein prächtiges Gebäude besessen? Die Dewezet ist der Sache auf den Grund gegangen, wollte wissen: Welche Fakten lassen sich heute noch erhärten? weiterlesen


Hexenkult und Hexenwahn

Von der Heilerin zu Symbolfigur des Bösen

Von Wilhelm Gerntrup Knuper, knuper, kneischen, wer knupert an meinem Häuschen?“ fragte die Bewohnerin des Knusperhäuschens die hilflos und hungernd im Wald umherirrenden Hänsel und Gretel. Die Begegnung der Geschwister mit der bösen alten Hexe gehört zu den berühmtesten Szenen der deutschen Volksliteratur. Zu verdanken haben wir die Überlieferung der Geschichte bekanntlich Jacob (1785–1863) und Wilhelm (1786–1859) Grimm. Die Brüder hatten die ihnen zu Ohren gekommene Erzählung im 1812 erschienenen Band I ihrer berühmten Märchensammlung veröffentlicht. Die in der Erstfassung auf ca. zweieinhalb Seiten festgehaltene Geschichte vom Sieg kindlicher Unschuld über das Böse wurde zu einer der weltweit bekannten, mehrfach verfilmten und in immer neuen Variationen nacherzählten Erfolgsstory. Das hat nach Einschätzung von Literaturwissenschaftlern auch und vor allem mit der neuartigen und lange Zeit umstrittenen Darstellung der Hexen-Figur zu tun. weiterlesen


Hinter Dornen verschanzt

„Dornröschen“: Ein Pubertätsmärchen aus der Grimmschen Schatztruhe

Von Richard Peter Sie war gerade 15 Jahre alt geworden, mitten in der Pubertät also, dazu so „schön, sittsam, freundlich und verständig“ wie es heißt, „dass es jedermann liebhaben musste“: Unser Dornröschen, noch ohne Dornen und auch ohne Röschen - aber neugierig. weiterlesen


Iiiih – Ratten!

Wissenswertes über Hamelns bekanntestes Sagen-Tier

Von Dorothee Balzereit Iiiiiiihh! Eine Ratte! Die Reaktion auf das fellige Nagetier mit dem langen nackten Schwanz ist hinlänglich bekannt. Auch wenn es inzwischen viele Leute gibt, die die Ratte als Haustier schätzen. In manchen Teilen der Welt genießt sie sogar einen ausnehmend guten Ruf. Doch hierzulande ist der Ekel meist groß. weiterlesen


Im Angesicht des Todes

Über den Umgang mit einer unerbittlichen Macht

Von Cornelia Kurth Mit dem Tod lässt sich nicht scherzen. Wer mit ihm verhandeln oder ihn überlisten will, wer einen Flirt versucht oder einen Kampf, wird immer verlieren. Anders als der vielgestaltige Teufel ist der Tod auch in unseren Märchen und Sagen eine eher anonyme und dabei unerbittliche Macht. Dass er oft als ein „Schnitter“ daherkommt, als „Sensenmann“, ändert daran wenig. So, wie ein Bauer ungerührt sämtliche Blumen und Gräser auf der Wiese, sämtliche Ähren auf einem Kornfeld abmäht, so mäht der Schnitter Tod unterschiedslos alle Menschen um. weiterlesen


Im Märchenwald

Der einzigartige Zauber des Urwaldes Sababurg

Wald ist Wald. Oder etwa nicht? Ob dichte Buchen, seltene Eichen- oder lichtere Fichtenwälder: Den Deutschen wird von jeher eine besondere Beziehung zum Wald nachgesagt. Er gilt als Sehnsuchtsort, als Ballungsraum schwärmerischer Gefühle. weiterlesen


Im Reich der Alraune

Von Liebesäpfeln und Wurzelmännern, betörenden Düften und großem Geschrei

Von Peter Weber Es gibt Pflanzen, die kommen gut ohne ihr übernatürliches Beiwerk aus, das ihnen die Menschheit angedeihen lässt. Bei der Alraune allerdings erscheint das schier unmöglich, sie ist eine „Zauberpflanze“ schlechthin. Kulturen- und zeitenüberdauernd, verkörpert sie ein geheimnisvolles Wesen, dem in der Kürze kaum beizukommen ist. weiterlesen


Jage mich, begehre mich

Brüderchen und Schwesterchen - zwei Facetten einer Person

Von Cornelia Kurth Was ist das „Brüderchen“ für ein Kindskopf. Und sein „Schwesterchen“ so klug und fürsorglich. Das Geschwisterpaar im Grimm‘ schen Märchen „Brüderchen und Schwesterchen“ wehrt sich gemeinsam gegen die böse Stiefmutter und muss zunächst gehörig dafür leiden. Schließlich aber – und das kann einem erstaunlich vorkommen – bezieht sich der übliche Märchenschlusssatz, dieses „Und sie lebten glücklich zusammen bis an ihr Ende“, auf die beiden Geschwister, die unzertrennlich bleiben, und das, obwohl Schwesterchen doch den König geheiratet hat. weiterlesen


Kamille sei Dank

Von Hausmitteln und alten Heilmethoden – Einblicke in die dörfliche Heilkunde des Weserberglandes

Von Wilhelm Gerntrup   Weit mehr als tausend Medikamente stehen kranken und leidenden Zeitgenossen heutzutage zur Verfügung – verschrieben, verkauft und verabreicht von hoch spezialisierten Ärzten, studierten Apothekern und in Hightech-Krankenhäusern. Solche Verhältnisse hätten sich unsere Altvorderen noch nicht einmal im Traum vorstellen können. Bis vor gut einem halben Jahrhundert nahm sich die medizinische Versorgung – gemessen an heutigen Maßstäben – geradezu dürftig aus.     weiterlesen


Kleines Bestiarium

Untiere und Monster, wie sie seit Jahrtausenden unsere Fantasie bevölkern

Von Richard Peter Unser Jahrtausende altes Bestiarium, das so fantasievoll und vielgestaltig unsere Welt bevölkert – nichts als das Spiegelbild menschlicher Ängste. Und die Lust am Grusel. Drachen vor allem, die Sinnbilder des Chaos, auch als südliche Varianten mit Lindwurm und alpinem Tatzelwurm. Möglich, dass sich Bilder von Flugechsen aus der Zeit der so realen Saurier sich als nebulöse Erinnerung bei unseren Ururvätern ins Hirn gebrannt haben und erzählend am knisternden Feuer in Urhöhlen weitergegeben wurden. Drachen, meist geflügelt mit Adlerklauen oder Löwenpranken, die dazu noch beeindruckend Feuer speien konnten – Fabelwesen vieler Kulturen. weiterlesen


Kultstätte Externsteine

Felsformation mit magischer Anziehungskraft

Von Gabriele Laube Wenn am 21. Juni der längste Tag in die kürzeste Nacht übergeht, werden die Externsteine im Teutoburgerwald wieder zum Anziehungspunkt für Tausende Pilger und Neugierige. Viele ungelöste Rätsel umwehen die Kultstätte, zahlreich wie Sandkörner entspringen Mythen, Sagen und Geheimnisse den düsteren, bizarr zerklüfteten Externsteinen und geben Historikern, Esoterikern, Astrowissenschaftlern und Touristen Rätsel auf. weiterlesen


LARP - Kämpfen in Brokeloh

Auf's Schlachtfeld mit der Schaumstoffaxt

Von Dorothee Balzereit Das dumpfe Bomm-Bomm der Trommel begleitet die entschlossen blickenden Kämpfer auf ihrem Weg zur gläsernen Uhr. Immer länger wird der gut bewaffnete Tross, der sich auf dem schmalen Waldweg auf Rittergut Brokeloh von einer Wiese zur anderen schiebt. Keine Frage: Diese Krieger sind heiß, sie wollen endlich ihre Äxte und Schwerter aus Schaumstoff schwingen. Von den rund 9000 Teilnehmern des weltweit größten Liverollenspiels „Conquest of Mythodea“ haben sich am Donnerstagmorgen rund 1000 versammelt, um gegen das Böse zu kämpfen. weiterlesen


Legende von der Schlacht im Süntel

Am Hohenstein besiegte Sachsenherzog Widukind vor 1200 Jahren die Franken

Sie kämpfen aus Hass, Gier und Neid, wir verteidigen unsere Götter, unser Leben und unsere Freiheit!“, schrie Sachsenherzog Widukind seinen Männern zu. „Siegen wir, dann sind wir wieder ein freies Volk!“ Dann riss er die Faust hoch und stürmte mit blitzendem Schwert auf die feindlichen Reihen los. Dicht hinter und neben ihm mit wildem Gebrüll seine Kampfgefährten. weiterlesen


Männer mit glühenden Stangen

Sagen über Abpflüger, Grenzsteinfrevler und betrügerische Landvermesser

Von Uwe Pernack Eine der folgenreichsten Umbrüche in der Geschichte der Menschheit war die sogenannte Neolithische Revolution. In der Jungsteinzeit wurden Jäger und Sammler aufgrund dramatisch veränderter Umweltbedingungen zu Viehzüchtern und Ackerbauern. Dabei setzte allmählich eine individuelle Inbesitznahme von Grund und Boden ein. Was bis in die Gegenwart hinein zu einer Unzahl von Konflikten über die Festlegung und Markierung von Grenzverläufen geführt hat. Und in alter Zeit zu einer Vielzahl von Sagenbildungen. weiterlesen


Martinsabend

Vom Himmelssturm Wotans bis zum Martini-Markt – Legenden und Brauchtum um den Martinstag

Von Wilhelm Gerntrup Der November ist seit alters her der Monat der Rückbesinnung und inneren Einkehr. Zu keiner anderen Jahreszeit gab und gibt es so viele Gedenktage. Den Auftakt machen die Katholiken mit Allerheiligen und Allerseelen (1. und 2.). Am 16. November des Jahres stimmen sich die evangelischen Gläubigen mit ihrem Buß- und Bettag auf den Totensonntag am 20. November ein. Zwischen diesen Tagen wird am 9. an „Reichskristallnacht“ und Judenpogrome erinnert. Und seit den 1920er-Jahren wird am 14. November ebenfalls konfessionsübergreifend – ein Volkstrauertag begangen. weiterlesen


Mehr Ding' zwischen Himmel und Erde

Weissagungen und Prophezeiungen: Was wohl die Zukunft so in Petto hat

Von Richard Peter  „Am 30. Mai ist der Weltuntergang“ - und folglich: „wir leben nicht mehr lang“. Die vielleicht sympathischste, auch witzigste Prophezeiung überhaupt. Fast schon verspielt genial – auch wenn es nur ein Schlager ist: und der verzichtet wohlweislich auf eine Jahreszahl. „Doch keiner weiß in welchem Jahr“ - und wenn man glaubt, was Experten berechnet haben und sich unsere alte Erde noch rund 500 Millionen Jahre in ihrem jetzigen Zustand durchs All und um die Sonne dreht – die Chancen stehen nicht schlecht fürs Überleben. Für uns wie für die Weissagung mit ihren Treffer-Quoten. „Und das ist wunderbar“ wie es sich aufs nicht genannte „Jahr“ reimt. weiterlesen


Mein Lieblingsmärchen ist...

Prominente erzählen, was sie früher am liebsten gehört haben

Wohl fast jeder hat ein Märchen, an das er sich besonders gut erinnert. Einige Prominente haben uns erzählt, an was sie sich besonders gut erinnern, was sie wichtig finden oder einfach besonders gern mögen weiterlesen


Mittsommer - Fest der Ekstase

Riten in der kürzesten Nacht des Jahres

Von Dorothee Balzereit Mittsommer. Der Tag, an dem die Kelten die kürzeste Nacht des Jahres feierten. Einst wurde die Sommersonnwende zwölf Tage lang gefeiert. Ekstatisch wurde die Natur gefeiert, die Seele setzte zum Höhenflug an. weiterlesen


Quelle der ewigen Jugend

Menschheitstraum Jungbrunnen: Auch Bad Pyrmont soll einen gehabt haben …

Von Richard Peter Nichts weniger als ein ewiger Menschheitstraum – vor allem aber: Traum der Frauen. Fast schon traumatisch. Exemplarisch in die Welt gesetzt und gemalt von Lukas Cranach dem Jüngeren – auch wenn die Experten den älteren Cranach zusätzlich ins Spiel bringen. „Der Jungbrunnen“ ist allemal ein Highlight von 1546, das in der Gemäldegalerie Berlin hängt weiterlesen


Rebellen auf dem Weg zur Alters-WG

Die Bremer Stadtmusikanten: Aufstand einer Rentner-Gang

Von Richard Peter „Die Bremer Stadtmusikanten“– eines der traurigsten, gleichzeitig aber auch hoffnungsfrohsten Märchen der Brüder Grimm – ein Paradoxon ähnlich wie Kleists Formulierung im „Michael Kohlhaas“ von dem es heißt „...einem der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit“. Vier Alte, die ausgemustert werden, ihr Leben verlieren sollen, weil sie nichts mehr einbringen, nur noch nutzlose Fresser sind, schließen sich zusammen, weil sie „etwas Besseres als den Tod“, wie es heißt, „allemal finden“. Das gibt Mut, dieser Aufstand der Alten – so eine Art frühe „Graue Panther“, die sich nicht abfinden mit ihrem Schicksal. Aufbegehren. Rebellen auf dem Weg zur Alters-WG. weiterlesen


Schätze im Köterberg?

Von Gold und Silber tief im Inneren

Von Joachim Zieseniss Der Köterberg gilt mit seinen 500 Metern über dem Meeresspiegel volkstümlich als der „Brocken“ im Weserbergland und wird als höchsten Berg im Weserbergland beworben. Was aber genau genommen nicht so stimmt. Ist doch der Solling auf der anderen Weserseite mit seiner höchsten Erhebung 527,8 Meter hoch. Als freistehender Berg und mit seinen heutigen Sendemasten ein markanter Orientierungspunkt, hat der Köterberg jedoch immer eine besondere Bedeutung für das Weserbergland gehabt. weiterlesen


Schnitterfest im August

Monat der Fülle / Wissenswertes über Getreide von Michel vom Berch

Von Dorothee Balzereit Der August, die Erntezeit, ist für Naturliebhaber Michel vom Berch von jeher eine schöne Zeit. Der Hochsommer, wenn die Nächte schon länger werden, und man in der Wiese liegend den besonders schönen Sternenhimmel schauen kann, ist Symbol der Fülle: Wenn die Früchte des Waldes, wie Brombeeren und Himbeeren, und auch frühe Apfelsorten sowie Schattenmorellen (Sauerkirschen) reifen: "Darauf habe ich mich immer gefreut, es gibt so viel zu probieren und zu futtern".   weiterlesen


Sehnsucht nach dem Mittelalter: MPS in Bückeburg

Romantiker von heute

Von Gabriele Laube Das Mittelalterspektakel in Bückeburg ist seit ein paar Tagen vorbei, doch für viele Mittelalterfans ist das riesige Treffen längst nicht das einzige Treffen dieser Art im Jahr. Die Leidenschaft für das Zeitalter prägt für viele eine Lebenseinstellung. Genährt wird sie fast immer von der Sehnsucht, aus dem Alltag auszusteigen. Zu entschleunigen, in Kostüme und Rollen zu schlüpfen oder spirituellen Widerhall zu finden. weiterlesen


Sieben Kinder zur gleichen Zeit

Der Hamelner Siebenlinge-Stein und seine Deutungen

Geburt und Tod liegen in der Frühen Neuzeit dicht beieinander. Die Kindersterblichkeit ist hoch. Die am Morgen des 9. Januar 1600 geborenen Mehrlinge von Thiele Römer und seiner Frau Anna Breyer sterben noch am Mittag desselben Tags. Die ursprüngliche Grabinschrift spricht von „zwey Knäbelein und zwey Mägdlein“, die immerhin noch die Nottaufe erhalten. Die Geburt von Vierlingen ist auch für diese Zeit sehr ungewöhnlich. Im Lauf der Jahrhunderte entsteht aber die Legende, es habe sich sogar um Siebenlinge gehandelt. Zu sehen sind nämlich sieben tote Kinder. Üblicherweise werden alle Nachkommen einer Familie – lebende und schon verstorbene – auf einem solchen Epitaph dargestellt. Vermutlich sind also schon vor der Mehrlingsgeburt drei Kleinkinder verstorben. Die Legende wirkt jedoch so stark, dass man Anfang des 19. Jahrhunderts die Grabinschrift ändert: Aus zwei Mädchen werden fünf. weiterlesen


Spieglein, Spieglein...

Der märchenhafte Erfolgsstory von Schneewittchen und den sieben Zwergen

Von Wilhelm Gerntrup Der Wettstreit trägt skurrile Züge: Mindestens vier deutsche Gemeinden wetteifern darum, die Heimat von Schneewittchen und den sieben Zwergen zu sein. Wer das für einen bloßen Reklamegag hält, wird eines Besseren belehrt. Auch in Märchen stecke oft ein Fünkchen historischer Wahrheit, so die Befürworter. weiterlesen


Supermann Siegfried

Unsere deutschen Heldensagen haben viele Nachfolger

Von Richard Peter Uns ist in alten maeren wunders vil geseit“ – damit beginnt das „Nibelungenlied“, das als der „Nibelungen Not“ endet. Sozusagen in Etzels Schlachthaus irgendwo in Pannonien. „Der Rest ist Schweigen“ – ähnlich wie in Shakespeares „Hamlet“. Erzählt wird in dem vielleicht größten mythologischen Stoff der Literaturgeschichte eine Vielzahl überlieferter Geschichten, die immer wieder neu erzählt, verändert, miteinander verwoben, schließlich um 1200 am bischöflichen Hof in Passau als „Nibelungenlied“ festgeschrieben wurden. weiterlesen


Umfangen von den Rauhnächten

Von Dorothee Balzereit Wenn sich die Zeit der dunkelsten, tiefsten Nacht des Jahres nähert, stehen die Rauhnächte vor der Tür. Jene sagenumwobenen 12 Nächte, die eine mystische Übergangszeit zwischen den Jahren bilden. Es ist eine Zeit zwischen der Zeit, in der sich die Tore zu einer anderen Dimension öffnen. Das „Wilde Heer“ tobt durch die Lüfte, Frau Holle geht um und Orakel erlauben einen Blick in die Zukunft. Früher sagten die Leute, dass in dieser Zeit die Geister Ausgang haben. weiterlesen


Ungeheuerlich

Der furchteinflößende, kämpferische und neuerdings freundliche Drache

Von Cornelia Kurth Wie niedlich Drachen doch sein können. Sie heißen Grisu und Kokosnuss, Tabaluga, Nepomuk und sogar „Hab-mich-lieb“. Gemeinsam ist diesen Kinderbuch-Drachen, dass sie genau das Gegenteil ihrer ursprünglich so furchteinflößenden Vorfahren sein wollen. Da werden keine Prinzessinnen geraubt, keine Menschen gefressen und schon gar nicht erscheinen Drachentöter, die sie heldenhaft töten. Diese Drachen sind Freunde der Menschen – das ist wirklich neu. weiterlesen


Unter Nixen und Wassermännern

Was im bewegten Element so los ist

Von Wilhelm Gerntrup Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser; aus Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück“, erkannte der große griechische Philosoph und Naturwissenschaftler Thales von Milet vor zweieinhalbtausend Jahren. Ob und wie viele Menschen es damals schon in der hiesigen Wesergegend gab und wie sie es mit dem wundersamen Nass hielten, weiß man nicht. Sicher ist jedoch dies: so poetisch wie der weise antike Gelehrte konnten sie ihre Erfahrungen mit der Quellflüssigkeit nicht in Worte fassen. weiterlesen


Unter unheimlichen Sonnen

Geheimnisvolle Himmelserscheinung während der Schlacht bei Oldendorf

Von Wilhelm Gerntrup Mehr als 7000 Mann kamen im Juli 1633 in der Schlacht bei Hessisch Oldendorf ums Leben. Und doch gab es an diesem Tag etwas, das viele Menschen mehr erschreckte: Die Sonne war plötzlich nicht mehr allein, sie hatte „Nebensonnen“. Heute wissen wir, dass es sich bei dem Himmelsphänomen um eine sogenannte Halorscheinung handelte. Hervorgerufen wird sie durch dünne Wolken von Eiskristallen, in die das Sonnenlicht in einem bestimmten Winkel ein- und wieder austritt. An diesem dramatischen Tag im Juli 1633 hielten die Menschen es für ein Zeichen des Himmels.  weiterlesen


Versprochen ist versprochen

Der Froschkönig – oder wie Vaters Vorzeigepüppchen zur Frau wird

Von Richard Peter Mit einem goldenen Ball fängt alles an im Märchen „Der Froschkönig“. Mit ihm spielt die jüngste und hübscheste Tochter des Königs unbefangen am Brunnen im Wäldchen, weil es dort angenehm kühl ist, wenn die Sonne vom Himmel brennt. Dieselbe Sonne, die sich über die Anmut, den Liebreiz und die Schönheit der Kleinen immer wieder verwundert, sooft sie ihr ins Gesicht scheint, obwohl sie doch so vieles schon gesehen hat, wie es heißt. Und mit dem goldenen Ball, den sie gerne in die Höhe wirft, wenn sie Langeweile hat, kommt schließlich alles ins Rollen. Denn einmal kann sie ihn nicht fangen, der Goldball schlägt auf die Erde und rollt ins Brunnenwasser. Und das ist „so tief, so tief“, dass die Königstochter keinen Grund sieht. weiterlesen


Vom Aberglauben

Der ewige Wunsch, die Welt berechenbar zu machen

Von Richard Peter Glaube ist das eine, Aberglaube das andere. Und manchmal verwischen die Begriffe bis zur Unkenntlichkeit. So aufgeklärt wir auch sind – die Nummer 13 als Hotelzimmer ist immer noch weitgehend tabu. Auch wenn sich im Fußball die Nummer längst durchgesetzt hat. Dennoch: man logiert auf 12 a – oder die Zahl wird vorsichtshalber übersprungen. Es gibt sie einfach nicht. Ursprung des so hartnäckig sich behauptenden Mythos: Judas war der 13. am Abendmahlstisch. Und weil Jesus an einem Freitag starb, ist Freitag der 13. ein potenzieller Unglückstag. Vor allem in Italien – samt Empfehlung: „nichts zu tun“. Was ihnen möglicherweise entgegenkommt. Vor allem: kein Violett zu tragen“ – warum auch immer. Dazu kommt, dass an einem Freitag dem 13. der französische König Philipp IV. die Verhaftung der Tempelritter angeordnet hat. Ein Blutbad. Und quasi als i-Tüpfelchen: die 13 gilt als Dutzend des Teufels. Übrigens gibt es in jedem Jahr mindestens einen Freitag den 13. - 2012 wurde mit drei Unglücks-Freitagen deren Höchstzahl pro Jahr erreicht. weiterlesen


Von den Riesen Esegir und Haniel

Liebesdrama am Süntel – der Hülsenfrüchte wegen

Esegir und Haniel waren zwei sagenhafte Riesen, auf deren Streit die Entstehung der "Teufelskanzel" am Hohenstein im Süntel zurückgeht. Es ging um Liebeswerbung und um einen Diebstahl, und zugleich erzählt die Sage von zwei riesenhaften Jungen, die von der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen wurden.   weiterlesen


Von der bösen Kunst

„Gott grüße dich, du edles Reis“ - Einblicke in die Welt der Wünschelrutenläufer

Von Wilhelm Gerntrup „Es ist dieses eine alte böse Kunst, welche in diesen letzten verderblichen Zeiten besonders ihr Haupt empor hebet, und sich der Welt als ein allwissendes Oraculum aufdringen will“ schimpfte vor gut 300 Jahren der sächsische Theologe und Schriftsteller Johann Michael Weiß. Mit der „alten bösen Kunst“ war die allerorten in Mode gekommene „Wünschelruten-Wahrsagerey“ gemeint. Um dem abergläubischen Treiben ein Ende zu machen, schrieb Weiß „aus Liebe zur Wahrheit und der fürwitzigen Welt zur Warnung“ ein 670-seitiges Aufklärungsbuch. Schon der Titel des 1704 gedruckten Werks machte Absicht und Inhalt klar: „Entlarvete Idolum der Wünschel-Ruthe“. weiterlesen


Von Zwergen und Blendern

Kein Gold in Goldbeck, Graf lässt dennoch abbauen – und es gibt eine Sage vom kleinen Volk

Von Dorothee Balzereit In den Alpen sind sie weit verbreitet, in England, in Norddeutschland und natürlich auch im Weserbergland: die Zwergensagen. Auch in Goldbeck sollen einige Zwerge gelebt haben. Verwunderlich ist das kaum, denn es gab Bergbau dort, wie hiesige Forscher herausfanden. Und wo abgebaut wurde, war das kleine Volk nicht weit. Das Interessante: Es gab überhaupt keine wertvollen Bodenschätze bei Goldbeck – Graf Otto IV. von Holstein-Schaumburg täuschte den Abbau anscheinend vor, um sich Vorteile zu sichern. weiterlesen


Was Engel so treiben

Himmelsthron in alle Ewigkeit - manchen Märchenfiguren ist das nicht genug

Von Cornelia Kurth Der Münchener Alois Hingerl weiß wie es im Himmel ist - langweilig. Er sitzt auf einer Wolke, singt zur Harfe Hosianna und von Bier und Schnupftabak hält Petrus ganz und gar nichts. Ludwig Thoma überspitzt mit seiner berühmte Erzählung „Ein Münchener im Himmel“ die volkstümlichen Vorstellungen und märchenhaften Beschreibungen von dem, was die Menschen im Himmel erwartet. weiterlesen


Wiederkehr des Lichts

Mit dem spätwinterlichen, keltischen Fest „Imbolc“ sind viele Bräuche und Sehnsüchte verbunden

Von Dorothee Balzereit Noch nicht Frühling, aber nicht mehr Winter, das ist die Zeit im Februar, in der einst das Kreuzviertelfest gefeiert wurde, auch Maria Lichtmess genannt. Es ist die Zeit, in der langsam wieder Leben in die Natur kommt und die Tage länger werden. Früher beobachteten die Bauern in dieser Zeit die Bären, denn wenn diese sich aus der Höhle wagten, war der Frühling nicht mehr fern. Als es keine Bären mehr gab, hielt man Ausschau nach dem Dachs und die Farmer in Amerika beobachteten das Waldmurmeltier. Als Lichtmess gilt dort der Murmeltiertag (Groundhog Day). Nach Samhain Anfang November und dem Wintersonnewendfest (Weihnachten), war Imbolc, auch Percht oder Fastnacht genannt, das dritte Fest im Jahreskreis der Kelten. weiterlesen


Wo der Tod „Zum Wohl!“ sagt

Sagen über mordende Wirte und höllische Gasthäuser

Von Uwe Pernack Es gab Wirte, bei denen hätten Reisende besser nicht einkehren sollen. Zum Beispiel im alten Griechenland bei einem gewissen Prokrustes. Kam ein Gast, wies er ihm entweder ein zu kleines oder ein zu großes Bett an. Dann machte er ihn ‚passend‘: Dem zu langen Gast hackte er Gliedmaßen ab, dem zu kurzen renkte er sie aus. So erzählt es jedenfalls eine Sage des Klassischen Altertums. Seither genießen Wirtinnen und Wirte in der Literatur, vornehmlich in Sagen und Märchen, einen eher zweifelhaften Ruf. weiterlesen


Wo die wilden Weiber wohnen

Zufluchtsort und Heimat für Hexen und Elfen

Von Peter Weber Die Einsamkeit des Waldes ist kein Ort, der nur den sagenhaften wilden Männern vorbehalten ist, auch zahlreichen weiblichen Wesen bietet er Aufenthalt, reich illustriert in Sagen, Märchen und Legenden. Er kann Zuflucht bedeuten, Rückzugsraum oder Heimstatt beseelter Natur und damit so unterschiedlichen Gestalten wie der heiligen Genoveva, finsteren Hexen oder zarten Elfen Unterschlupf bieten. weiterlesen


Wünschen hat auch mal geholfen

„Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje in der See, meine Frau, die Ilsebill, will nicht so, wie ich wohl will“

Von Cornelia Kurth Märchenzeit, das ist die „alte Zeit, wo das Wünschen noch geholfen hat“. Eigentlich. Denn immer mal wieder gibt es zwischen den vielen Geschichten, die damit enden, das „alles, alles gut“ wird, auch solche, die so gar nicht glücklich ausgehen. Oft sind es gerade die Märchen, in denen die Hauptpersonen sich etwas wünschen dürfen. Das ganze Leben stünde ihnen dadurch offen, doch die Chancen werden gründlich vermasselt. Wie etwa im Grimm´schen Märchen vom „Fischer und seiner Frau“. weiterlesen


Wunder gibt es immer wieder

Unerklärliches ist elementarer Bestandteil unseres Lebens

Man schreibt das Jahr 1500. Immer mehr Pilger drängen zum wundertätigen Bildstock oberhalb Münders an der Straße nach Springe. Opfergaben werden niedergelegt. Jahre später notiert der Stadtschreiber: „Der Priester aber (…) hat die Opfer, so täglich angefallen, fleißig aufgehoben und an demselben Orte eine schöne Kirche angefangen zu bauen. Zu Ehren der heiligen Anna, wozu ihm die Leute aus Münder und die Benachbarten gerne mit Andacht geholfen haben.“ 1506 ist die vorreformatorische Wallfahrtskirche fertig. Am 26. Juli findet die erste Wallfahrt statt. Heute liegt nur noch der Grundriss der „St. Annen-Kapelle“ als Bodendenkmal wenige Zentimeter unter der Oberfläche eines Ackers. weiterlesen


Wunder über Wunder

Worüber wir uns nicht weiter wundern sollten

Von Richard Peter Der Menschen Glaube an Wunder ist für Jean Paul „das große unzerstörbare Wunder“. Wen wundert’s. Schon im „Faust“ heißt es, „Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind“. Also strotzt es vor allem in der Bibel nur so von Wundern. Nicht nur in der Bibel – ganz generell und allemal im Glauben aller Völker. Ohne Wunder ist glaubensmäßig sozusagen „tote Hose“. Gelten sie doch als Offenbarung göttlicher Macht. Wer sonst, außer die Gottheit, könnte Naturgesetze ungestraft außer Kraft setzen – und gerade damit seine Göttlichkeit demonstrieren. weiterlesen


Wundersame „Weiße Nächte“

Von den uralten Wurzeln der Sonnenwendfeste

Von Peter Weber Während in Skandinavien und im Baltikum die ausgelassene Feier der Sommersonnenwende zu den Höhepunkten des Jahres gehört, will sich hierzulande ein solch unverkrampftes Treiben nicht einstellen, zu nachhaltig wirkt, wie sehr diese alte Tradition in den 20er und 30er Jahren vaterländischem Pathos und einem kruden germanischen Weltbild einverleibt wurde. Zudem fehlt unseren Breiten der Kern des nordischen Überschwangs, das dauerhaft waltende Tageslicht, das einen kurzen Triumph über die Dunkelheit feiert, dabei aber die Psyche des Menschen gehörig aus dem Lot zu bringen vermag. weiterlesen


Wunschwelt Zaubertränke

Von Miraculix bis zu sehr heutigen Elixieren mit Abnehm-Versprechen

Von Richard Peter Wenn das nicht Comic-Idylle ist: Miraculix, der Druide des gallischen Dorfs mit dem Ehrentitel „Die Unbezwingbaren“ beim Mistel schneiden mit der goldenen Sichel in einer Baumkrone. Denn Misteln stiften nicht nur Ehen, wenn man sich zur Weihnachtszeit unter ihnen küsst – sie sind auch wichtigster Bestandteil des Zaubertranks, den der Druide braut, wenn es für sein Dorf gegen die Römer geht, die den unbezwingbaren Feind dennoch mit Zeltlagern umzingeln. Selbst Caesar musste sich da bei seinem klassischen Dreiklang mit „veni, vidi“ – also einem bescheidenen „kam, sah“ begnügen. Das „vici“, also „siegte“, musste er sich verkneifen. Vici mit Zungenbiss sozusagen. weiterlesen


Zauberhafte Rauhnächte

Was Fliegenpilze, Schweine und Räucherwerk mit Weihnachten und Silvester zu tun haben

Von Dorothee Balzereit Wenn sich die Zeit der dunkelsten, tiefsten Nacht des Jahres nähert, stehen die Rauhnächte vor der Tür. Jene sagenumwobenen 12 Nächte, die eine mystische Übergangszeit zwischen den Jahren bilden. Es ist eine Zeit zwischen der Zeit, in der sich die Tore zu einer anderen Dimension öffnen. Das „Wilde Heer“ tobt durch die Lüfte, Frau Holle geht um und Orakel erlauben einen Blick in die Zukunft. Früher sagten die Leute, dass in dieser Zeit die Geister Ausgang haben.Bei unseren Vorfahren galten die Nächte als etwas ganz Besonderes, man zog sich zurück, arbeitete nicht, verbrachte die Zeit mit der Familie und erzählte sich bei Kerzenschein Geschichten. Außerdem wurde mit Leidenschaft orakelt. Geister wurden wahlweise beschworen oder ausgetrieben. Die Rauhnächte galten als die geheimnisvollste Zeit des Jahres – kein Wunder, dass sich daraus eine Menge Rituale, Bräuche und natürlich Aberglauben entwickelten. Wir haben bekannte und weniger bekannte zusammengestellt - manche strotzend vor Aberglauben. Aber auch ein Freiraum, dessen Rituale einfach zum Nachdenken anregen. weiterlesen


Zauberkraft der Pflanzen

Machtvolle Bäume und heilende Kräuter

Von Cornelia Kurth Eine Bohne, die bis zum Mond wachsen kann; ein Strauch, dessen Nüsse kostbare Kleider enthalten; Rosen, die das Schloss der Märchenprinzessin umranken, und eine blaue Blume, die Liebe, Sehnsucht und das Geheimnis des Lebens symbolisiert - Pflanzen aller Art spielen eine große Rolle in Märchen und Sagen. Allen voran sind da die Bäume. Im Paradies wächst der „Baum des Lebens“ und der gefährliche „Baum der Erkenntnis“, die alten Germanen kannten den Weltenbaum „Yggdrasil“, und kaum eine Kultur existiert, in deren Mythologie es nicht ebenfalls einen „Weltenbaum“ gibt. weiterlesen


Zu Besuch beim Druiden

Über das Wirken von Michel vom Berch

Von Dorothee Balzereit Michel vom Berch sagt über sich selbst, er sei ist ein neuzeitlicher Druide. Aber auch die Bezeichnung Phytologe, Aromatherapeut oder Philanthrop sei nicht verkehrt. Fakt ist: Der heute 60-Jährige sammelt seit seinem sechsten Lebensjahr Kräuter, Pilze und Rezepte. Für das, was er liebt, hat der erfolgreiche Firmengründer seine Geschäfte an den Nagel gehängt. weiterlesen


„Ein Land, das gegen unsere Füße liegt“

Exodus Hamelensis – über geheimnisvolle Höhlen und verlorene Namen / Spurensuche in Siebenbürgen

Von Julia Niemeyer und Ulrich Behmann Wohin sind sie entschwunden? Wo sind sie geblieben? Nach den Brüdern Grimm sind die Kinder der Stadt Hameln nach Siebenbürgen geführt und dort aus einer Höhle hervorgetreten. Dennoch sind die 130 Frauen, Männer und Kinder bis heute wie vom Erdboden verschluckt. Was ist dran an dieser Version der Rattenfängersage? Was spricht für Siebenbürgen – und was dagegen? weiterlesen